Bischof Gerber würdigt deren Bedeutung
Große Jubiläumsfeier: 400 Jahre Benediktinerinnen-Abtei zur Heiligen Maria
Fotos: Felix Weigel
09.09.2026 / FULDA -
Eine der ältesten Institutionen mitten in der Fuldaer Innenstadt kennen viele Touristen und Einheimische nur von außen. Die Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria ist hinter hohen Klostermauern verborgen und doch herrscht bei den neun dort wohnenden Ordensschwestern ein zugewandter und offener Geist. Am kirchlichen Gedenktag für den Geburtstag der Gottesmutter Maria, dem 8. September, kann das 1626 gegründete Kloster sein 400-jähriges Bestehen feiern und hat zu diesem großen Tag Gäste in die Abtei eingeladen, um das Jubiläum festlich zu begehen. Der Tag begann mit einem festlichen Gottesdienst in der Klosterkirche.
Für den Bischof weist der Brunnen im Kreuzgarten über seine profane Bedeutung als Wasserspender hinaus. Die biblischen Darstellungen auf den Tonreliefs von Lioba Munz zeigten Begegnungen und die Suche nach dem, was dem Leben Sinn gibt. "Sie, liebe Schwestern, sind nicht selbst der Brunnen. Dafür steht ein anderer – Christus selbst", sagte der Bischof. Die Abtei könne ein Ort sein, an dem Menschen geistlich geformt und geprägt werden. "Alle Lebensvollzüge unserer Gemeinschaft sollen so geschehen, dass dadurch unser Brunnen tiefer wird, dass wir dadurch mit dem Wasser des Lebens, das Jesus einst der Samariterin verheißen hat, tiefer in Berührung kommen."
Diese geistliche Tiefe könne auch für die Gesellschaft außerhalb des Klosters Bedeutung gewinnen. Klöster hätten in der benediktinischen Tradition immer auch Kultur geprägt. Gerade Erfahrungen von Grenzen und Zerbrechlichkeit könnten dabei helfen, sensibler und behutsamer miteinander umzugehen.
Ausstellung zur Klostergeschichte im Kreuzgang
Der Theologe und Benediktiner, Dr. P. Elmar Salman stellte den Besuchern anschließend die bebilderte Jubiläumsfestschrift in einem launigen Vortrag unter der Überschrift "Heutige Annäherung an die Regel – impressionistische Tupfer zur Festschrift" vor. Sie sei "klein, putzig und appetitanregend", lobte er. Er beleuchtete das Leben im Konvent, den wunderbaren Klostergarten, die Kunst der Lioba Munz und schloss augenzwinkernd mit den Worten: "Stellen Sie sich mal vor, der Heilige Benedikt käme heute zu Besuch. Da würde er wohl sagen: ja, genau so habe ich mir das immer vorgestellt."
Den langjährigen Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler hatte Äbtissin Benedikta Kranz um den Festvortrag zum Jubiläum gebeten und ihn als Freund des Klosters vorgestellt, dessen Unterstützung und Kenntnissen die Abtei viel zu verdanken habe. Dr. Heiler erklärte eingangs, dass sich der Beginn von Fuldas bis heute währender benediktinischer Tradition auf den Tag genau datieren lasse. "Am 12. März 744 schlug der Mönch Sturmius im Auftrag des Missionserzbischofs Bonifatius mit wenigen Gefährten seine Zelte hier auf, um ein Kloster zu errichten, das zu den bedeutendsten im Frankenreich werden sollte. Durch päpstliche und kaiserliche Privilegien wurde aus der kleinen Gründung fernab der Zivilisation ein Reichskloster, eine Fürstabtei und zuletzt ein Fürstbistum, das wie nahezu alle geistlichen Staaten durch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgelöscht wurde."
Heiler zitierte zum Schluss seines Vortrags die Journalistin und Schriftstellerin Meli Kiyak, die seit Jahren eng mit dem Kloster verbunden ist, aus deren Nachwort zur Neuauflage ihres Buches 'Dieser Garten. Die unglaublich fabelhaften Nonnen aus Fulda und ihre genialen Erfindungen': "Dieses Kloster ist eine Schule des Sehens und Säens, ein Ort der Freundinnenschaft, ein Ort all jener Worte, die in politisch dunklen Zeiten kaum auszusprechen sind, weil sie so diskreditiert sind; Menschlichkeit und Toleranz sind zwei dieser Begriffe, die derzeit so rar sind in dieser Welt. Die Benediktinerinnen in Fulda sind tolerante Frauen, aufrichtige Demokratinnen, Weltbürgerinnen im Geist, die mit wachem Verstand die Welt sehen und kritisieren." (ci)+++