Wohnungsnot spitzt sich zu

41. Hessischer Mietertag: Bund fordert mehr Schutz und bezahlbaren Wohnraum

Bei einer Pressekonferenz des Deutschen Mieterbundes Hessen bezogen Vertreter des Landesverbandes Stellung zu aktuellen wohnungspolitischen Herausforderungen.
Fotos: Justin Klenner

04.09.2026 / FULDA - Unter dem Motto "Mieterrechte in Zeiten der Wohnungsnot" findet an diesem Wochenende der 41. Hessische Mietertag statt. Bei einer Pressekonferenz des Deutschen Mieterbundes Hessen bezogen Vertreter des Landesverbandes am Freitag Stellung zu aktuellen wohnungspolitischen Herausforderungen. Dabei standen insbesondere die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, die Durchsetzung von Mieterrechten und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Fokus.



Der Verbandstag ist das wichtigste Gremium des Hessischen Mieterbundes. In seinen 22 Mitgliedsvereinen vertritt der Verband rund 100.000 Mieterhaushalte, was etwa 250.000 Personen entspricht. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die politische Interessenvertretung der Mieterinnen und Mieter sowie die Verbesserung der Wohnraumsituation in Hessen.

Mehr Mut zur Wahrnehmung von Mieterrechten

Beim diesjährigen Hessischen Mietertag sollen Mieterinnen und Mieter dafür sensibilisiert werden, ihre Rechte konsequenter wahrzunehmen. Gert Reeh, Vorsitzender des Mieterbundes Hessen, appellierte an die Hessische Landesregierung und die Kommunen, den Mieterschutz zu stärken und die bestehenden Schutzrechte wirksamer durchzusetzen.

Nach Angaben des Verbandes werde in den Beratungen zunehmend deutlich, dass viele Mieter zwar über ihre Rechte informiert seien, diese jedoch aus Angst vor Konsequenzen nicht geltend machten. Häufig bestehe die Sorge, im Falle eines Rechtsstreits mit dem Vermieter die Wohnung zu verlieren. "Viele sind froh, überhaupt eine Wohnung gefunden zu haben", erklärte Reeh.

Wohnraummangel verschärft soziale Ungleichheit

Neben der Durchsetzung von Mieterrechten thematisierten die Vertreter des Mieterbundes die angespannte Situation auf den Wohnungsmärkten vieler hessischer Städte. Nach Einschätzung des Verbandes fehlen in Hessen Wohnungen in sechsstelliger Zahl. Gleichzeitig nimmt der Bestand an gefördertem Wohnraum weiter ab, weil immer mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Aus Sicht des Mieterbundes fördert diese Entwicklung soziale Ungleichheiten. Vermieter könnten die angespannte Marktlage teilweise ausnutzen, etwa durch unberechtigte Mieterhöhungen, zweifelhafte Kündigungen oder die unzureichende Beseitigung von Mängeln. "Die Situation ist sehr unglücklich", so Eva-Maria Winckelmann, Landesdirektorin des Mieterbundes Hessen.

Land und Kommunen könnten nach Ansicht des Verbandes gegensteuern, indem sie die neue Leerstandsverordnung konsequent umsetzen und Satzungen erlassen, die spekulativen Wohnungsleerstand sanktionieren. Zudem müsse die bestehende Mieterschutzverordnung einschließlich der Mietpreisbremse rechtssicher neu gefasst werden, um den Anstieg der Mieten wirksam zu begrenzen.

Mehr Sozialwohnungen und gezielte Förderung gefordert

Der Mieterbund fordert zudem eine Beschleunigung des Baus geförderter Wohnungen. Steuerliche Vergünstigungen und reduzierte Gebühren beim Bau von Sozialwohnungen könnten dazu beitragen, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Nach Angaben des Verbandes fehlen in Hessen Hunderttausende Wohnungen, darunter rund 80.000 Sozialwohnungen. Gleichzeitig mangele es insbesondere in den Städten an geeigneten Bauflächen. Um den überhitzten Wohnungsmarkt zu entspannen, müsse deutlich mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Eine rechtssichere Mietpreisbegrenzungsverordnung sei dabei ein wichtiger Baustein.

Darüber hinaus seien weitere Investitionen erforderlich. Insbesondere müsse ausreichend Geld für den Wohnungsbau bereitgestellt werden. Langfristig könnten dadurch kommunale Ausgaben reduziert werden, die derzeit für die Unterstützung von Menschen anfallen, die sich steigende Wohnkosten nicht mehr leisten können. "Durch den Wohnungsmangel haben Vermieter sehr viel Macht", betonte Winckelmann.

Angespannter Wohnungsmarkt auch in Fulda

Auch in Fulda bleibt die Situation auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Besonders Familien hätten zunehmend Schwierigkeiten, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Studierende seien bei Vermietern dagegen häufig eine gefragte Zielgruppe. "Vermietungen an Studierende sind oft besonders attraktiv", berichtete Sabine Bredfeldt, stellvertretende Vorsitzende vom Mieterbund Fulda.

Dies liege vor allem an der Hochschule Fulda, die den örtlichen Wohnungsmarkt stark präge. Zusätzlich verschärften Ferienwohnungen und kurzfristige Vermietungsangebote den Wettbewerb um Wohnraum. Bezahlbare Wohnungen blieben daher auch in Fulda Mangelware.

Am Samstag finden ab 10 Uhr im Kolpinghaus verschiedene öffentliche Vorträge, Diskussionsrunden und Vorträge statt. Durch den Tag führt Moderatorin Nicole Nestler.

Ebenfalls bei der Pressekonferenz vertreten waren Gabriela Bahr (Vorsitzende Mieterbund Fulda), Astrid Nembach und Charlot Susann König (Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied beim Mieterschutzverein Frankfurt) und Lukas Siebenkotten (ehemaliger Präsident des deutschen Mieterbundes). (jk) +++

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