Bürger sollen eingebunden werden
BBB kritisiert Tempo und Vorgehen beim geplanten Speicherkraftwerk
Grafik: ALIKS Hessen
04.09.2026 / SCHLÜCHTERN - Die Bürgerbewegung Bergwinkel (BBB) stellt sich klar gegen die aktuelle Vorlage des Magistrats zur Ansiedlung eines Speicherkraftwerks in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis). Nach eigenen Angaben habe man sich "in intensiven Gesprächen und mit Unterstützung von Fachleuten" mit den Plänen beschäftigt - und komme zu dem Schluss, dass das Projekt in dieser Form nicht zustimmungsfähig sei. Besonders irritiert zeigt sich die Fraktion über das aus ihrer Sicht überhastete Verfahren.
Wie OSTHESSEN|NEWS bereits berichtete, wurde in Schlüchtern über ein großes Energieprojekt diskutiert: Ein Unternehmen möchte dort ein Speicherkraftwerk bauen, das rund 750 Millionen Euro kosten soll. Das Projekt wurde im Stadtparlament vorgestellt, viele Fraktionen reagierten positiv, weil es als Zukunftstechnologie gilt und neue Arbeitsplätze bringen könnte. Gleichzeitig gab es aber auch kritische Stimmen, die mehr Zeit für Beratung und mehr Einbindung der Bürger forderten. Insgesamt zeigte die Debatte, wie groß die Chancen, aber auch wie umfangreich die offenen Fragen rund um das geplante Kraftwerk sind.
"750 Millionen Euro - und das Parlament soll das in kürzester Zeit durchpeitschen"
Die BBB kritisiert vor allem das Tempo, mit dem das Projekt vorangetrieben werde. "Wir reden hier über fast 750 Millionen Euro Investitionssumme - und das Parlament, bestehend aus ausschließlich ehrenamtlichen Mitgliedern, soll innerhalb kürzester Zeit dieses Projekt letztlich durchpeitschen," heißt es in einem Presseschreiben aus der Fraktion. Eine solche Vorgehensweise sei "absolut unangemessen".Zeit für Fachkenntnis - und für offene Diskussionen
Auch die Parlamentarier selbst bräuchten mehr Zeit, um ein solches Großprojekt zu bewerten. "Die Mitglieder verfügen naturgemäß nicht über die entsprechende Fachkunde. Sie müssen die Chance erhalten, sich umfassend mit einem Mammutprojekt dieser Größenordnung zu beschäftigen," so die BBB. Die Vor- und Nachteile ließen sich in der vorgegebenen Eile keinesfalls seriös abwägen. Zweifel an Standort und Planungsgrundlagen
Darüber hinaus sieht die Bürgerbewegung grundlegende planerische Probleme. Die ins Auge gefasste Fläche im Gewerbegebiet sei derzeit gar nicht für ein solches Projekt geeignet. "Es wäre erforderlich, den Bebauungsplan und gegebenenfalls sogar den Flächennutzungsplan zu ändern, um aus einem Gewerbegebiet ein Industriegebiet zu machen - die Lärmbelastung wäre offenkundig zu hoch," erklärt die Fraktion.Zudem sei völlig unklar, ob es sinnvoll sei, die Anlage weit entfernt von der Hauptanlage in Birstein zu errichten. Angesichts dieser offenen Fragen sei es aus Sicht der BBB notwendig, die Entscheidung zu vertagen. "Derzeit erscheint es sinnvoll, das Thema, welches am Montag, den 7. September 2026, bereits verabschiedet werden soll, zurückzustellen."
Bergwinkellandschaft im Blick
Abschließend betont die BBB, dass auch die regionale Landschaft geschützt werden müsse. "Es ist erforderlich, dass wir unsere Bergwinkellandschaft wachsam im Auge behalten - unabhängig davon, welche Flächen für Gewerbe und Industrie vorgesehen sind." (mis/pm) +++Archivfoto: O|N/Andreas Bejm