Viel Positives beim Pokalspiel

Robin Fabinski (23) über die Bayern, Kane und das unfassbare Glücksgefühl

Der gebürtige Fuldaer Robin Fabinski (rechts) vom VfL Osnabrück im Duell mit Bayerns Harry Kane
Foto: picture alliance / HMB Media | Scott W. Coleman

04.09.2026 / OSNABRÜCK - Gut 4,4 Millionen Menschen an den Fernsehgeräten, 15.741 überragende Fans an der Bremer Brücke und mittendrin ein Osthesse auf dem Rasen: Das Erstrunden-Duell zwischen dem VfL Osnabrück und dem FC Bayern München sorgt für viel positiven Gesprächsstoff.



Im Vorfeld hatte der Fuldaer Robin Fabinski auf "Torgranate.de" von einem "extremen Highlightspiel" gesprochen. Der Innenverteidiger feierte vor wenigen Tagen seinen 23. Geburtstag und ist Stammkraft in der Defensive des Zweitligaaufsteigers aus Niedersachsen. Das Los bescherte den Osnabrückern keinen Geringeren als den großen FC Bayern München zum Duell in der ersten Runde des DFB-Pokals. Am Mittwochabend war es soweit.

Dass die Partie letztlich mit 1:4 (1:2) verloren ging, ist keine große Überraschung. Und doch schnupperte Osnabrück an der großen Sensation. In der fünften Spielminute eskalierte die Bremer Brücke komplett: Robin Meißner behauptete sich gegen Bayerns Jonathan Tah und beförderte das runde Leder aus gut 30 Metern in hohem Bogen genau in den rechten oberen Torwinkel. Was ein Traumtor. Ein, wie Bayern-Stürmerstar Harry Kane später anerkennend sagte, "verrücktes Tor". Der Außenseiter führte 1:0.

"Ich war ein paar Meter hinter Robin, habe die Flugkurve gesehen und wusste, das Ding wird reingehen. Ich war so unfassbar glücklich. Wir wussten natürlich, dass das nicht das Ende sein wird", sagte Robin Fabinski am nächsten Tag gegenüber OSTHESSEN|NEWS kurz vor der Trainingseinheit am Donnerstag. "Wenn man in Führung ist, hat man noch mehr Glauben daran, die Sensation zu schaffen", sagte der Abwehrspezialist.

Doch mit zunehmender Spielzeit spürten auch die Osnabrücker die individuelle Qualität der Bayern. "Das ist ein anderes Level, man kann nicht jede Situation wegverteidigen", erklärt Fabinski. Beim 1:1 der Bayern spürte der rechte IV diese außergewöhnlichen Qualitäten eines Harry Kane. Nach einem gefühlvollen Chipball von Joshua Kimmich über die Abwehrkette kann Fabinski den Ball nicht entscheidend klären, Kane nutzt dies mit einem trockenen Volleykracher aus der Nahdistanz. "Er stellt den Körper so rein, dass ich nicht an den Ball kommen kann", sagte Fabinski über die gedankenschnelle Cleverness des Stürmerstars.

Viel Lob für den Auftritt der Osnabrücker

Letztlich bekommen die Zweitligakicker aus Osnabrück zu spüren, dass die Bayern diese Pokalpartie ernst nehmen und konzentriert auftreten. Tom Bischof, Michael Oliseh und erneut Kane schrauben das Ergebnis auf 4:1. Vielleicht ein, zwei Tore zu hoch gegen aufopferungsvoll kämpfende Gastgeber, die für ihren Auftritt viel Lob bekommen. Auch Fabinski zeigt insgesamt eine ordentliche Leistung. Schließlich heißen seine Kontrahenten an diesem Abend Harry Kane und Luis Diaz. "Es war ein sehr besonderes Spiel", zeigte sich der gebürtige Osthesse, der einst in Sickels mit dem Fußballspielen begonnen hat, trotz der Niederlage keineswegs enttäuscht und bestätigt in seiner Annahme vor dem Match.

Was vom Pokalduell ansonsten in Erinnerung bleiben wird: Die Fans der Osnabrücker. Was sie vor und während dem Spiel abgerissen haben, ist allerhöchstes Niveau und fand auch international vielfach Beachtung: In Anspielung auf die wechselvolle Geschichte ihres Klubs imitierten sie eine Achterbahnfahrt. Vier Fanfiguren fuhren in einem Wagen wie aus der Geisterbahn aus einem Tunnel hervor und entschwanden nach einer Wellenfahrt wieder. Unglaublich, mit wie viel Fantasie die Osnabrücker Ultras ihre Choreo gestaltet haben. Übrigens ganz ohne Pyro. Selbst Englands Teamkapitän lobte die Fans: "Wir haben auswärts gegen eine gute Mannschaft gespielt und die Atmosphäre, die die Fans geschaffen haben, war wirklich stark", wird Kane im Kicker-Sportmagazin zitiert.

"Die Stimmung war unfassbar geil"

Und Fabinski? "Die Choreo habe ich beim Rauslaufen gesehen. Wir sind in dieser Situation so kurz vor dem Spiel natürlich fokussiert auf das, was vor uns liegt", sagte Fabinski. Später habe er gesehen, was die Fans konkret veranstaltet haben: "Die Stimmung war unfassbar geil. Bei der Achterbahn dachte ich 'Alder, wie gestört ist das denn?' Das war sehr beeindruckend", lobt der 23-Jährige die eigenen Fans im Block.

Inzwischen ist der - wie Osnabrücks Trainer Timo Schultz sagte - "große Zirkus weitergezogen". Während die Bayern am Samstag beim FC Schalke 04 antreten müssen, wartet auf die Osnabrücker der raue Zweitliga-Alltag. Am Sonntag (Anstoß um 13:30 Uhr) kommt Eintracht Braunschweig zum Niedersachsen-Derby an die Bremer Brücke. "Ab heute bereiten wir uns auf Braunschweig vor", sagte Fabinski. Die Liga sei umso wichtiger, die Mannschaft werde sich entsprechend vorbereiten. Das große Ziel der Osnabrücker lautet der Klassenerhalt.

Dann werden sicher wieder sein Vater Zbigniew und weitere Familienmitglieder die gut 270 Kilometer von Fulda aus auf sich nehmen. Dass ihn seine Familie insbesondere bei den Heimspielen unterstützt, freut Fabinski umso mehr. "Das ist mir schon extrem wichtig. Sie haben mich immer unterstützt. Ich spiele auch für sie und möchte ihnen ein Stück weit etwas zurückzahlen", sagt Robin. Schritt für Schritt hat er seine persönliche Karriere im Blick und sagt selbstbewusst: "Ich möchte das Maximum erreichen. Mein Ziel ist die 1. Liga." Und wer weiß, was mit diesem positiv verrückten Umfeld in Osnabrück noch alles möglich ist. (Hans-Hubertus Braune) +++

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