Umspannwerke im Fokus
Die Angst vor Sabotageangriffen: Wie wird die kritische Infrastruktur geschützt?
Archivbilder: O|N/Gerhard Manns
04.09.2026 / REGION -
Die weltweiten Unruhen und Kriege sorgen auch in Deutschland vermehrt für Vorfälle, die bislang kaum aufgeklärt werden konnten. In den vergangenen Tagen häuften sich Sabotageangriffe auf Umspannwerke, um das Stromnetz zu beschädigen und damit die Wirtschaft und Bevölkerung empfindlich zu treffen.
Die Umspannwerke verteilen den Strom aus den Fernleitungen in die regionalen Netze. Nahe dem Ludwigsauer Ortsteil Mecklar befindet sich das Umspannwerk des Versorgers Tennet. Es dient als zentraler Höchstspannungs-Knotenpunkt und Drehkreuz für den überregionalen Stromtransport in Deutschland.
Wie sieht es dort mit der Sicherheit aus? OSTHESSEN|NEWS hat beim Betreiber nachgefragt. "Aus Sicherheitsgründen äußern wir uns grundsätzlich nicht zu konkreten Schutzmaßnahmen oder Sicherheitsvorkehrungen", schreibt der Sprecher von Tennet. Ein allgemeiner Sprachgebrauch der Versorger nach den jüngsten Vorfällen.
Bei Ausfall springt alternative Leitung ein
Hoch- und Höchstspannungsleitungen seien in Deutschland redundant ausgelegt. Das bedeutet, dass bei Ausfall einer Stromleitung eine andere Leitung einspringen kann und somit verhindert, dass die Stromversorgung unterbrochen wird. Hinzu komme, dass das europäische Verbundnetz "vermascht" aufgebaut sei, also gegen lokale Angriffe recht gut zu schützen sei. "Klar ist aber auch: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Für den Ernstfall verfügen wir daher über klare Notfall- und Wiederanlaufpläne, die wir durch regelmäßige Übungen kontinuierlich erproben und verbessern", schreibt Tennet abschließend auf O|N-Nachfrage.Die offensichtlichen Anschläge auf Stromnetze in den vergangenen Tagen nehmen wir auch in Hessen sehr ernst. Aktuell liegen aber keine Hinweise auf vergleichbare Aktionen in Hessen vor. Die Anschläge zeigen vor allem zweierlei: Zum einen die angespannte Sicherheitslage und zum anderen die hohe Bedeutung des Schutzes der kritischen Infrastruktur. Beides steht in Hessen im Mittelpunkt. Wir tun alles dafür, auch in dieser Zeit für ein Höchstmaß an Sicherheit in Hessen Sorge zu tragen. Dazu gehören unmittelbare Schutzvorkehrungen der Einrichtungen der kritischen Infrastruktur selbst genauso wie das Handeln unserer Sicherheitsbehörden. Die hessische Polizei hat sensible Einrichtungen schon seit längerem besonders in den Blick genommen, auch im Rahmen regelmäßiger Bestreifungen. Infolge der aktuellen Geschehnisse sind diese Maßnahmen noch einmal verschärft worden.
Resilienz in den Mittelpunkt der hessischen Politik
Hessen stelle das Thema der Resilienz in den Mittelpunkt der Politik: "So verfügen wir über einen ressortübergreifenden Sicherheits- und Resilienzrat, der kritische Szenarien proaktiv behandelt, um Risiken auszuschließen oder zumindest zu reduzieren. Schon der Anschlag Anfang des Jahres in Berlin hat das Thema der Stromversorgung in den Mittelpunkt des Resilienzrates gerückt. Zahlreiche konkrete Maßnahmen wurden bereits angestoßen oder umgesetzt, etwa in der zivilen Alarmplanung, der technischen Behördenkommunikation oder der Orientierung an Referenzszenarien. Darüber hinaus haben wir zu aktuellen Sicherheitsthemen einen gemeinsamen Sicherheitsdialog mit Vertretern hessischer Ministerien, Sicherheitsbehörden, der Bundeswehr und US-Streitkräften sowie der Wirtschaft initiiert", sagte Poseck auf Nachfrage von O|N. (Hans-Hubertus Braune) +++