Herausforderungen für Frauen am Arbeitsmarkt

Karriere trotz Familie? Fuldaer Chancentag informiert Frauen über Perspektiven

Wie vereinbart man Familie und Beruf? Frauen stehen in unserer Gesellschaft vor großen Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Beim Chancentag der Frauen sollte aufgeklärt und Hemmschwellen abgebaut werden.
Fotos: Nikolas Krudewig

03.09.2026 / FULDA - Ausbildung, Studium, Beruf, Familie - und dann? Frauen stehen in unserer Gesellschaft vor größeren Herausforderungen am Arbeitsmarkt als Männer. Besonders die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein fortlaufendes Streitthema. Am Chancentag der Frauen in Fulda kamen verschiedene Institutionen zusammen, um über das Thema aufzuklären.



"Und Frauen haben ja spezielle Bedürfnisse. Die kümmern sich um Kinder, sind vielleicht nicht so flexibel oder sind auch hier neu zugewandert und informieren sich eben über die Themen Sprachkurse, Förderung oder auch die ersten Schritte in den deutschen Arbeitsmarkt. Mit der heutigen Veranstaltung zum Chancentag für Frauen wollen wir Informationen liefern, Kontakte herstellen, um so ein bisschen auch die Hemmschwelle abzubauen", sagt Katharina Roßbach, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte im Frauenbüro der Stadt Fulda.

Noch viel Arbeit vor uns

Wie können Familie und Beruf vereinbart werden? Diese Frage führte heute viele Interessierte ins Bildungszentrum nach Fulda. Veranstaltet wurde die "Mini-Messe" vom Frauenbüro der Stadt Fulda, der Arbeitsagentur und dem Gaststättenzentrum. Neben den städtischen Institutionen waren Vertreter vieler Arbeitgeber vor Ort, unter anderem der RhönEnergie und der Deutschen Bahn. Frauen sollten Kontakte knüpfen und Ängste oder Hemmschwellen abbauen. Denn auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel Positives getan hat, gibt es noch viele Hürden bei dieser Thematik.

"Frauen sind auch heute noch unterrepräsentiert in Führungspositionen", wie Katharina Roßbach sagt. Die Ursachen sind mannigfaltig, hängen jedoch oft mit familiären Gründen zusammen. "Frauen haben meist mehr Auszeiten im Beruf durch Kinder oder auch die Pflege von Angehörigen. Viele steigen dann erst mal nur in Teilzeit wieder ein. Hinzu kommt diese Präsenzkultur am Arbeitsplatz, die die Vereinbarkeit schwieriger macht", fügt Roßbach hinzu. Maximilian Schön vom Kreisjobcenter Fulda hebt die Verstrickung der Probleme hervor: "Durch Kindererziehung sind Frauen nicht nur weniger im Beruf, sondern verfügen oft auch über geringere Qualifikationen, wenn der Mann hauptsächlich gearbeitet hat."

Eine Besucherin brauchte ihre Sorge bezüglich ihres Studiums zum Ausdruck. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Erziehung von drei Kindern mit meinem Studium vereinbaren kann", sagt die Besucherin. Entsprechend ließ sie sich beim Stand der Hochschule Fulda beraten. Patricia Hetzler von der Hochschule Fulda betont dabei, dass der Campus immer familienfreundlicher wird. "Wir haben vor Ort Spieleecken für Kinder genauso wie ein Familienzimmer, wo sich die Studierenden um ihre Kinder kümmern können, sie wickeln können oder sie auch zum Schlafen hinlegen können", so Hetzler im Gespräch. Die eigentliche Kinderbetreuungseinrichtung der Hochschule sucht derzeit eine Nachfolge, wo Kinder rund um die Uhr betreut werden können.

Frauen in Männerberufen?

Zum Austausch waren auch einige Arbeitgeber vor Ort, um Frauen bezüglich des Berufseinstiegs zu beraten. Dabei wollte man auch Vorurteile über vermeintlich von Männern dominierte Berufe abbauen. Viola Steimer war am Stand der RhönEnergie zugegen. Sie selbst ist Busfahrerin und liebt ihren Beruf. "Wir wollen heute aufmerksam machen, dass der Beruf der Busfahrerin auch für Frauen geeignet ist, obwohl er teilweise noch eine Männerdomäne ist", erzählt Steimar vor Ort. "Die RhönEnergie ist außerdem ein sehr familienfreundliches Unternehmen und unterstützt Frauen vollumfänglich dabei, Familie und Beruf zu vereinbaren", fügt sie hinzu.

Gleiches erzählt Birgit Kömpel, Senior-Recruiterin bei der Deutschen Bahn AG. "Das Thema Diversität interessiert uns als Unternehmen sehr. Es gibt immer das Bild von dem Lokführer. Das können aber genauso gut auch Frauen machen, ebenso wie Zugverkehrssteuerung", sagt Birgit Kömpel. "Wir wollen aufklären, dass es die klassischen Männerberufe so nicht mehr gibt. Wir arbeiten da stark dran, auch wenn noch Luft nach oben ist", fügt sie hinzu.

Was Gesellschaft und Politik tun müssen

Generell ist bei der Thematik noch Luft nach oben. Politik und Gesellschaft müssen weiter daran arbeiten, die Gleichberechtigung für Frauen im Arbeitsmarkt voranzutreiben und weitere Angebote für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu entwickeln. Das neu eingeführte Recht auf Ganztagsbetreuung von Grundschülern ist bereits ein guter Ansatz, doch vieles muss sich auch in der Mentalität ändern.

"Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur ein Frauenthema, sondern auch ein Thema von Männern. Wenn es hier eine gerechtere Aufteilung gäbe, also Care-Arbeit oder die Frage von Ernährung der Kinder, hätten wir bereits einen großen Schritt getan", sagt Katharina Roßbach. "Es braucht generell einen Kulturwandel. Viele geschlechterspezifische Stereotypen sind tief in unserer Gesellschaft verankert." (kru) +++

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