Millionen Liter Wasser fehlen

"Die Bäume haben zu kämpfen": Trockenheit mindert Apfelernte in Osthessen

Die anhaltende Trockenheit hat einigen Ernterträgen in Osthessen deutlich zugesetzt. Auch im Bereich des Streuobsts soll das Wetter ausschlaggebende Wirkungen gehabt haben.
Fotos: Mathias Schmidt

04.09.2026 / REGION - Die anhaltende Trockenheit hat der Natur und speziell den Bäumen in Osthessen deutlich zugesetzt. Auch im Bereich des Streuobsts hat die Dürre sichtbare Auswirkungen auf die Ernteerträge gehabt. Biolandwirt Christoph Jestädt, Gründer der regionalen Marke Wiesenkiez aus Fulda-Niederrode und Vorstandsmitglied der Rhöner Apfelinitiative, rechnet im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS auf seinen Flächen mit einer erheblich kleineren Apfelernte. Dabei sei die Trockenheit allerdings nicht allein für den Rückgang verantwortlich.



Nach dem außergewöhnlich ertragreichen Vorjahr wäre ohnehin mit weniger Äpfeln zu rechnen gewesen. Grund dafür ist die sogenannte Alternanz: Nach einem starken Erntejahr legen viele Apfelbäume im Folgejahr natürlicherweise eine Ruhephase ein. "Wir hatten letztes Jahr ein absolutes Rekordjahr", erklärt Jestädt. Deshalb seien für dieses Jahr bereits deutlich geringere Erträge zu erwarten gewesen.

Die extreme Trockenheit habe die Situation jedoch zusätzlich verschärft. "Die Bäume haben zu kämpfen", sagt er. Das zeige sich nicht nur an der diesjährigen Ernte: "Die rollen dann die Blätter zusammen und bilden weniger Fruchttriebe aus. Das wirkt sich auch auf die nächsten Jahre aus." Besonders auffällig sei, dass die Bäume bereits Früchte abwerfen. "Der Baum will sich schützen und wirft das Obst ab." Auch die verbleibenden Früchte leiden unter dem Wassermangel: "Die Äpfel sind auch deutlich kleiner, nicht so saftig wie sonst." Auf seinen eigenen Flächen erwartet Jestädt daher einen drastischen Rückgang.

80 Prozent weniger Äpfel: Trockenheit verschärft Ernteausfall

Besonders gefährdet sind junge Apfelbäume, deren Wurzeln noch nicht so tief reichen. Der Biolandwirt hat deshalb bereits vor vier Jahren Vorsorge getroffen. Das Regenwasser seines Hofes sammelt er in einer umgebauten Güllegrube mit einem Fassungsvermögen von 230.000 Litern und nutzt es zur Bewässerung seiner jungen Bäume. Dennoch seien die Möglichkeiten begrenzt: "Am Ende des Tages ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein."

Wie groß das Wasserdefizit inzwischen ist, verdeutlicht Jestädt gegenüber O|N klar mit Zahlen: "Uns haben zwischendurch 130 Liter auf den Quadratmeter an Regen gefehlt." Auf einen Hektar hochgerechnet seien das rund 1,3 Millionen Liter Wasser, auf seiner etwa zweieinhalb Hektar großen Fläche damit mehr als drei Millionen Liter.

Trotz der Probleme sieht Jestädt die traditionellen Streuobstwiesen vergleichsweise gut für trockenere Zeiten gerüstet. "Alte Hochstämme besitzen tiefere Wurzeln als die kleinen Bäume in intensiv bewirtschafteten Obstplantagen. Hinzu kommt die extensive Bewirtschaftung. Ich bilde hier viel Humus und der Humus kann das Wasser auch deutlich besser speichern." Deshalb sei die Streuobstwiese "schon eher die zukunftsweisende Art des Obstbaus".

Apfelvielfalt minimiert Risiko

Für die Zukunft könnten trockenheitsverträglichere Apfelsorten eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig setzt Jestädt auf eine möglichst große Sortenvielfalt. Auf seiner Wiese wachsen mehr als 100 verschiedene Apfelsorten. Unterschiedliche Blüte- und Reifezeiten verteilen Risiken wie Trockenheit oder Frost. "Diese Vielfalt streut schon mal das Risiko insgesamt", sagt er. Sein Fazit: "Ich glaube einfach, Vielfalt hilft."

Entscheidend sei außerdem, die Streuobstwiesen als Teil der regionalen Kulturlandschaft zu erhalten. Über die Rhöner Apfelinitiative werden rund 300 biozertifizierte Streuobstwiesenbesitzer betreut; in guten Jahren liefern sie zusammen bis zu 800 Tonnen Äpfel. Für deren Erhalt sieht Jestädt auch die Verbraucher in der Verantwortung: "Ein wichtiger Faktor ist natürlich auch, dass der Kunde sich bewusst für ein regionales Produkt entscheidet." (Mathias Schmidt) +++

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