Poseck sieht Land in der Verantwortung
Hessen stärkt Aufnahme und Eingliederung von Spätaussiedlern
Archivfoto: O|N / Carina Jirsch
03.09.2026 / WIESBADEN -
Der Hessische Landtag hat am Mittwoch das Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Aufnahme und Unterbringung von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern beschlossen. Damit schafft Hessen langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für die Aufnahme, Unterbringung und Eingliederung von Spätaussiedlern. Zugleich werden die Handlungsmöglichkeiten der hessischen Landkreise, Städte und Gemeinden gestärkt. Das Gesetz wird bis zum 31. Dezember 2033 verlängert.
Innenminister Roman Poseck erklärte anlässlich der zweiten Lesung im Hessischen Landtag: "Hessen steht zu seiner besonderen Verantwortung gegenüber den Spätaussiedlern. Wie tief die historischen Wurzeln dieser Verantwortung reichen, führt uns gerade dieses Jahr noch einmal besonders vor Augen: Vor wenigen Tagen hat sich der sogenannte "Stalin-Erlass" vom 28. August 1941 zum 85. Mal gejährt. Mit ihm begann für Hunderttausende Deutsche in der damaligen Sowjetunion eine Zeit von Deportation, Entrechtung, Zwangsarbeit und jahrzehntelanger Verbannung. Familien wurden auseinandergerissen und Menschen ihrer Heimat beraubt."
Viele der Nachkommen der damals Deportierten haben später als Aussiedler oder Spätaussiedler in Deutschland und auch in Hessen eine neue Heimat gefunden. Ihre Geschichte gehöre zur gemeinsamen Geschichte Hessens. "Sie erinnert uns daran, dass unsere Verantwortung gegenüber diesem Personenkreis nicht mit dem Erinnern endet. Sie bedeutet auch, den Menschen, die heute zu uns kommen, verlässliche Bedingungen für einen guten Start und eine erfolgreiche Eingliederung zu bieten", so Poseck.
"Diese Verantwortung endet nicht mit der Aufnahme. Entscheidend ist, welche Bedingungen wir den Menschen für ihren Start in Hessen bieten. Wer heute als Spätaussiedler nach Hessen kommt, soll nicht nur ein Dach über dem Kopf finden, sondern von Beginn an gute Chancen haben, hier anzukommen und Teil unserer Gesellschaft zu werden", sagte Innenminister Poseck.
"Ein weiterer wichtiger Baustein ist unsere Hessische Fördereinrichtung für junge Zugewanderte in Hasselroth. Mit ihrer Weiterentwicklung setzen wir zugleich ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um. Junge Menschen erhalten dort die Chance, sich im Rahmen eines zweijährigen Sonderlehrgangs auf den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife vorzubereiten. Künftig können darüber hinaus auch Teilnehmer von Kultur- und Weiterbildungsmaßnahmen dort untergebracht werden. Damit entwickeln wir Hasselroth gezielt zu einem Ort der Bildung, der Begegnung und des gesellschaftlichen Aufstiegs weiter", so der Innenminister.
"Unsere Städte, Gemeinden und Landkreise leisten seit Jahrzehnten einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Aufnahme und Eingliederung gelingen. Dieses Engagement verdient Anerkennung und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Mit dem neuen Gesetz verbinden wir beides: unsere historische Verantwortung gegenüber den Spätaussiedlern und die praktische Verantwortung für eine gelingende Eingliederung heute. Unser Anspruch ist klar: Menschen sollen in Hessen nicht lediglich aufgenommen werden. Sie sollen die Chance bekommen, schnell Fuß zu fassen, ihre Fähigkeiten einzubringen und eine neue Heimat zu finden", sagte der Innenminister abschließend. (pg/pm) +++