Tempolimits und Beschilderung
Nach schweren Unfällen auf der L3196: Rüttelstreifen sollen Biker "wachrütteln"
Hessen Mobil reagiert: Nach einer Häufung schwerer und teils tödlicher Unfälle auf der Landesstraße 3196 zwischen Steinau und dem Stadtteil Marjoß in den vergangenen Wochen und Monaten sollen neu installierte Rüttelstreifen künftig für mehr Sicherheit sorgen.
Fotos: Andreas Bejm
04.09.2026 / STEINAU/STR. -
Hessen Mobil reagiert: Nach einer Häufung schwerer und teils tödlicher Unfälle auf der Landesstraße 3196 zwischen Steinau und dem Stadtteil Marjoß in den vergangenen Wochen und Monaten sollen neu installierte Rüttelstreifen künftig für mehr Sicherheit sorgen. Ergänzt werden sie durch neue Tempolimits und eine deutlichere Beschilderung.
OSTHESSEN|NEWS war am Montag exklusiv mit Hessen Mobil vor Ort dabei, als die neuen Rüttelstreifen auf die Fahrbahn aufgebracht wurden. Die Maßnahmen gehen auf eine Bewertung der Strecke durch die zuständige Unfallkommission zurück. Solche Kommissionen kommen in allen hessischen Landkreisen regelmäßig zusammen. Im Main-Kinzig-Kreis gehören ihre Vertreter der Polizei, von Hessen Mobil sowie der Straßenverkehrsbehörde des Kreises an. Die Federführung liegt beim Amt für Sicherheit und Ordnung, Migration und Integration des Main-Kinzig-Kreises.
Die Aufgabe ist klar: Unfallhäufungsstellen und besondere Gefahrenpunkte erkennen und mit geeigneten Maßnahmen entschärfen. Zuständig ist die Kommission für sämtliche Straßen im Kreisgebiet - darunter insbesondere die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen mit einer Gesamtlänge von mehr als 1.000 Kilometern.
Beliebte Bikerstrecke immer wieder im Fokus
Mehrfach hat sich die Unfallkommission in den vergangenen Jahren mit der L3196 durch den Gutsbezirk Spessart beschäftigt. Die kurvenreiche Strecke ist insbesondere bei Motorradfahrern beliebt - zugleich kam es dort wiederholt zu schweren Verkehrsunfällen. Am vergangenen Wochenende kam es wieder zu einem Unfall zwischen zwei Motorradfahrenden. OSTHESSEN|NEWS berichtete in den vergangenen Monaten mehrfach über Unfälle auf der Strecke. Erst vor rund zwei Monaten war dort ein Motorrad mit einem Porsche kollidiert; ein Rettungshubschrauber brachte den verletzten Biker anschließend in eine Klinik. Nach der Unfallserie rückte die L3196 auch verstärkt in den Fokus der Polizei. Bei einer groß angelegten Kontrolle standen insbesondere motorisierte Zweiräder im Mittelpunkt.
Tempo 80 - in besonders kritischen Kurven nur noch 50
In einer ihrer jüngsten Sitzungen beschloss die Unfallkommission eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf dem betreffenden Streckenabschnitt. In zwei als besonders unfallauffällig eingestuften Kurven gilt künftig sogar Tempo 50.
Genau dort wurden zusätzlich die neuen Rüttelstreifen aufgebracht. Beim Überfahren erzeugen sie deutlich spürbare Vibrationen und sollen die Verkehrsteilnehmer noch vor der eigentlichen Kurve auf die Gefahrensituation aufmerksam machen. "Wer die Strecke als Motorradfahrer kennt und regelmäßig befährt, weiß um die Gefahren, die insbesondere in den Kurven lauern", erklärte Frank Walzer, Pressesprecher von Hessen Mobil, gegenüber O|N.
Eine Reihe der Kurven seien Spitzkehren, beispielsweise in Höhe des Rohrbachs. "Wer dort zu schnell reinfährt, gerät leicht in den Gegenverkehr oder – und das geschieht häufig – er rutscht aus. Die Rüttelstreifen sollen die Fahrenden buchstäblich auf- beziehungsweise wachrütteln, ihre Geschwindigkeit zu drosseln und mit hoher Aufmerksamkeit in die Kurve einzubiegen."
Schilder warnen vor den Rüttelstreifen
Damit die neuen Fahrbahnelemente nicht überraschend kommen, weisen bereits vor den Rüttelstreifen entsprechende Verkehrsschilder auf sie hin. Entlang der Strecke erinnern zudem mehrfach Schilder an die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 beziehungsweise 50 Kilometer pro Stunde.
Die neuen Maßnahmen sind dabei Teil eines größeren Pakets. Bereits in der Vergangenheit wurden die Beschilderung angepasst, durchgezogene Linien in der Fahrbahnmitte angeordnet und die Temporegelungen vereinheitlicht. "Die Unfallkommission hat sich für diese Maßnahmen entschieden in Ergänzung zu klarerer Beschilderung, durchgezogenen Linien in der Fahrbahnmitte und einheitlichen Temporegeln, die in der Vergangenheit geschaffen wurden", so Walzer. Auch Kontrollen bleiben Bestandteil des Sicherheitskonzepts: "Geschwindigkeitsmessungen und -kontrollen durch die Polizei wurden und werden weiterhin durchgeführt."
Mit diesen Regelungen nun vor allem eines erreicht werden: dass die kurvenreiche L3196 ihren besonderen Reiz für Motorradfahrer behält, schwere Unfälle auf der Strecke aber möglichst verhindert werden. (Mathias Schmidt) +++