Wenn aus Hartnäckigkeit Hightech wird

Stehr Baumaschinen im großen Finale: Film porträtiert Innovationskraft

Geländegängiger Allrounder für den Ernstfall: Der Mercedes-Benz Unimog mit Stehr-Feuerlöschturbine SLT 35 erzeugt im Vorführbetrieb einen weitreichenden Wassernebel.
Fotos: Philipp Stock

01.09.2026 / SCHWALMTAL - Eine Kamera zeigt Stahl, Hydraulik und schwere Werkzeuge. Schwerer einzufangen sind die Gedanken dahinter und die Ausdauer, die es braucht, bis eine Idee zur marktreifen Maschine wird. Genau diese Geschichte soll nun ein Film aus Storndorf erzählen: Stehr Baumaschinen hat nach eigenen Angaben das Finale des Wettbewerbs "Hessen-Champions" erreicht. Am Montag entstand das offizielle Unternehmensporträt für die Preisverleihung in Wiesbaden.



Für einen Maschinenbauer ist Anerkennung normalerweise eine sehr praktische Angelegenheit: Die Technik funktioniert, Kunden lösen mit ihr anspruchsvolle Aufgaben und Projekte werden effizienter umgesetzt. Am 31. August 2026 kam eine andere Form der Wertschätzung hinzu. Ein Kamerateam besuchte Stehr Baumaschinen für das Finalistenporträt des hessischen Innovations- und Wachstumspreises. Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den drei Finalisten in der Kategorie "Weltmarktführer & Hidden Champions".

Kamerateam besucht Finalisten

Wie viel Arbeit zwischen einem Einfall und einer fertigen Maschine liegt, beschrieb Firmenchef Jürgen Stehr im Gespräch mit dem Fachportal Bauhof-online: "Ich bin der Ideengeber, vier Ingenieure setzen dann alles um." Die Entwicklungszeit für neue Produkte könne bis zu zwei Jahre betragen. Aus ersten Konzepten müssten belastbare Konstruktionen entstehen, bei denen Kräfte, Antriebe und Werkzeuge präzise aufeinander abgestimmt sind. Der Aufwand hinter einer Maschine ist ihr später oft nicht mehr anzusehen.

Von der Idee zur einsatzfähigen Maschine

Ein Beispiel dafür ist das Bodenstabilisierungssystem SBF 24-6. Nach Herstellerangaben wiegt die Maschine 9.110 Kilogramm, bearbeitet eine Arbeitsbreite von 2,40 Metern und erreicht Tiefen von bis zu 40 Zentimetern. Gleichzeitig muss sie ein Material kontrollieren, das bereits durch Wind beeinflusst werden kann. Eine hydraulisch angetriebene Zellenradschleuse dosiert das Bindemittel, während die Fräse Kalk oder Zement in den Boden einarbeitet.

Bodenstabilisierung als Kernkompetenz

Das System vereint Streuen, Fräsen und Bewässern in einem Arbeitsgang. Die gekapselte Bauweise soll verhindern, dass Bindemittel beim Ausbringen verweht werden. Das Unternehmen spricht von einem staubfreien Verfahren. Optional können Bindemittel- und Wassermengen über einen Bordcomputer gesteuert und dokumentiert werden.

Der wirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand: Kann geeignetes Bodenmaterial direkt vor Ort aufbereitet werden, entfallen häufig Transporte, Deponiekosten und die Beschaffung von Ersatzmaterial. Verbesserungen bei Dosierung und Mischtechnik können sich damit unmittelbar auf die Effizienz von Bauprojekten auswirken.

Lösungen für belastete Böden

Besonders deutlich wird dies bei PFAS-belasteten Böden. Die langlebigen Industriechemikalien stellen Sanierungsprojekte vor große Herausforderungen. Stehr setzt bei seinem PEFAS-Verfahren auf die Beimischung von Aktivkohle. An deren großer Oberfläche können sich Schadstoffe anlagern, wodurch ihre Auswaschung reduziert werden soll. Dafür muss das feine Kohlepulver präzise dosiert und möglichst gleichmäßig verteilt werden. Die Schadstoffe werden dabei gebunden, jedoch nicht zerstört. Die langfristige Wirksamkeit des Verfahrens muss jeweils standortbezogen nachgewiesen werden.

Technik für besondere Einsatzlagen

Auch in der Löschtechnik setzt das Unternehmen auf die Umsetzung physikalischer Prinzipien. Durch die feine Zerstäubung von Wasser vergrößert sich bei gleichem Volumen dessen Oberfläche, was den Wärmeaustausch verbessert. Stehr nutzt hierfür Hochdrucktechnik. Der Erfolg im Einsatz hängt dabei maßgeblich davon ab, wie präzise das technische Konzept umgesetzt wird.

Entscheidung fällt im September

Genau an der Verbindung von technischer Kompetenz und wirtschaftlichem Erfolg setzt die Wettbewerbskategorie "Weltmarktführer & Hidden Champions" an. Berücksichtigt werden Unternehmen mit starken Marktpositionen in ihrer jeweiligen Nische. Auch mittelständische Betriebe, die weltweit zu den führenden Anbietern ihres Segments gehören, können ausgezeichnet werden. Am 8. September präsentieren sich die Nominierten vor der Hauptjury. Die Entscheidung über den Titel steht noch aus.

Am 27. Oktober 2026 werden die Sieger beim 34. Hessischen Unternehmertag im Wiesbadener Kurhaus ausgezeichnet. Dort soll auch das Unternehmensporträt aus Storndorf gezeigt werden. Getragen wird der Wettbewerb vom Hessischen Wirtschaftsministerium und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände in Kooperation mit der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Hessen. Begleitet wird er von Hessen Trade & Invest.

Anerkennung für den Standort Vogelsberg

Für das Team von Stehr Baumaschinen hat der Finaleinzug deshalb eine besondere Bedeutung. Die Maschinen tragen zwar den Namen des Unternehmens, entstehen aber durch die Arbeit vieler Menschen und jahrzehntelang aufgebaute Erfahrung. Mit dem Film erhält diese Leistung nun auch ein Gesicht.

Jürgen Stehr sieht in der Nominierung vor allem eine Anerkennung für seine Mitarbeitenden und den Standort: "Es zeigt, dass absolute Spitzentechnologie für den globalen Markt nicht in den großen Metropolen entstehen muss, sondern direkt hier im Vogelsberg entwickelt und gebaut werden kann." (pm/jk) +++

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