"Wer bin ich?" wird zur großen Frage

Von "Jedermensch" bis "Im weißen Rössl": Das ist das Festspielprogramm 2027

Von links: Dramaturgin Stine Kegel, Oberspielleiter Michael Schachermaier, Bürgermeisterin Anke Hofmann, Intendantin Elke Hesse und Regisseur Philipp M. Krenn
Fotos: Mathias Schmidt

02.09.2026 / BAD HERSFELD - Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass der letzte Applaus durch die Stiftsruine hallte. Der Jubiläumssommer ist kaum vorbei, da richtet Bad Hersfeld den Blick schon wieder nach vorn. Am Dienstag wurde das Programm für die 76. Bad Hersfelder Festspiele vorgestellt - und schnell wurde klar: 2027 soll es nicht einfach nur um neue Stücke gehen. Es geht um Menschen, um ihre Rollen, ihre Sehnsüchte und um die Frage, wer wir eigentlich sind.



"Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da haben wir eine wundervolle Festspiel-Saison beendet. Es war ein bombastischer Sommer", sagte Bürgermeisterin Anke Hofmann. Doch lange Zeit zum Zurückblicken bleibt nicht. "Heute geht es bereits weiter. Wir starten in die Saison 2027."

Vom 18. Juni bis 15. August wird die Stiftsruine erneut zur großen Bühne. Der Vorverkauf beginnt bereits am 8. September. Intendantin Elke Hesse verbindet die neuen Produktionen dabei mit einem gemeinsamen Gedanken: Identität. "Wir laden dazu ein, Identität aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten - spielerisch, ernst, komisch und berührend, persönlich und gesellschaftlich."

Wer sind wir, wenn niemand zusieht?

In der Stiftsruine stehen drei neue Produktionen auf dem Programm: "Jedermann wird Jedermensch", das Singspiel "Im weißen Rössl" und Shakespeares Komödie "Was ihr wollt". Hinzu kommen die Wiederaufnahmen des Publikumserfolgs "Something Rotten!" und von "Pippi Langstrumpf".

Hesse formuliert die Klammer des Sommers deutlich: "Es sind viele neue Gesichter verbunden mit den Fragen: Wer bin ich? Wer darf ich überhaupt sein? Wen sehen die anderen in mir? Und wer bin ich, wenn für einen Augenblick niemand zusieht?" Besonders existenziell wird es gleich zum Auftakt. Michael Schachermaier macht aus Hofmannsthals Klassiker eine Neufassung: "Jedermann wird Jedermensch". Die Geschichte wird nicht mehr auf eine einzige Hauptfigur konzentriert, sondern auf mehrere Menschen verteilt. Premiere ist am 18. Juni.

"Es wird Zeit für einen neuen Jedermann", sagt Schachermaier. Für ihn gehe es um weit mehr als eine Modernisierung des Stoffes: "Wer will man eigentlich sein? Was bleibt von einem Menschen, wenn alles wegfällt? Was macht den Menschen zum Menschen und wie wollen wir gelebt haben? Das ist die zentrale, spannende Frage." Gerade die Stiftsruine sei dafür der richtige Ort. "In diesem Raum denkt man in den Himmel." Die Inszenierung soll zu einer Lebensreise werden. "Es geht um die Frage: Was wäre, wenn man nur noch eine Stunde Zeit hätte? Der Tod setzt einem die Frist."

Wiener Charme in alten Mauern

Nur einen Tag später zieht mit "Im weißen Rössl" österreichische Leichtigkeit ein. Der Klassiker wird unter Regisseur Philipp M. Krenn neu gedacht und soll die Stiftsruine in eine Welt zwischen Heurigen-Gefühl, Musik, Liebe und Verwirrungen verwandeln. Das Festspielorchester unter Christoph Wohlleben ist ebenfalls wieder dabei.

"Das ist ein Ur-Stück für Österreich - praktisch wie die Zauberflöte", sagt Krenn. Sein erster Eindruck von Bad Hersfeld fiel ebenso emotional aus: "Diese Stiftsruine ist einer der magischsten Orte, die ich je betreten habe. Ich habe mich hier direkt wie zu Hause gefühlt." Und ganz nebenbei kündigte er noch etwas an: Auch Bad Hersfeld selbst soll Teil des Abends werden. "Ich liebe Freilichttheater. Dieses Stück ist ein Event."

Mit "Was ihr wollt" komplettiert Shakespeare das neue Trio in der Ruine: Liebe, Verwechslungen und wechselnde Identitäten stehen dort im Mittelpunkt. Auf dem Eichhof folgen unterdessen "Achtsam morden: Teil II" und die Theater-Uraufführung von Loriots "Ödipussi". Ein Sommer also zwischen großen Lebensfragen und großer Unterhaltung - und einer Stiftsruine, die 2027 einmal mehr zeigen soll, wie viele unterschiedliche Welten zwischen ihre alten Mauern passen. (Constantin von Butler) +++

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