Aus Körnern und Samen

Handarbeit pur: Sargenzeller Früchteteppich greift berühmten Kunstklassiker auf

Der 38. Früchteteppich ist fertiggestellt. Die Verantwortlichen freuen sich auf die Präsentation. V.l.n.r: Manuel Mohr (Vorsitzender Förderverein), Brigitte Lindner (Förderverein) und Heike Richter (Künstlerische Leiterin).
Fotos: Maria Franco

02.09.2026 / HÜNFELD - Beeindruckende Detailtiefe: In einem beschaulichen Dorf bei Hünfeld (Kreis Fulda) entsteht Jahr für Jahr aus kleinsten Naturmaterialien etwas Großes. Der Sargenzeller Früchteteppich in der Alten Kirche widmet sich in seiner 38. Auflage dem weltberühmten Gemälde "Das letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci. Künstlerische Leiterin Heike Richter gegenüber OSTHESSEN|NEWS: "Ein schönes Bild zu legen, ist immer wieder eine spannende Herausforderung. Unser Ziel ist es, die Besucher zu begeistern und ihnen zu zeigen, was mit Körnern und Samen alles möglich ist."


Das 24 Quadratmeter große Kunstwerk ist vom 5. September bis 8. November 2026 zu sehen. Die feierliche Eröffnung steht bereits am Freitag (4. September) an. Der Aufwand vorab ist übrigens enorm: Allein die Legearbeiten nehmen rund zehn Wochen in Anspruch. Doch die Vorbereitungen beginnen weitaus früher. Anfang des Jahres wird das Motiv ausgewählt und die Umsetzung geplant. Möglich wird all das nur dank des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Helfer.

Besonderes hervorheben

70 bis 80 verschiedene Materialien finden sich auf dem Teppich wieder. Neben dem bewährten Fundus kommen jedes Jahr neue Naturprodukte hinzu, so etwa Annattosaat und Schmetterlingswinke. "In dieser Auflage sind wir ziemlich stolz auf die Gestaltung der Gesichter", stellt die 58-jährige Künstlerin heraus. Statt wie früher überwiegend mit Amarant und Hirse zu arbeiten, setzt das Team nun auf gemahlene Möhren, Rote Beete und Milchreis. "Durch die verschiedenen Abstufungen konnten wir unterschiedliche Hauttöne für jede einzelne Figur kreieren."

Die Entscheidung für "Das letzte Abendmahl" fiel laut Richter aufgrund seiner besonderen Bedeutung: "Dieses Motiv begegnet uns in fast jeder Kirche, sei es als Altarbild, Wandmalerei oder Fensterdarstellung. Es war einfach an der Zeit. Daran führte kein Weg vorbei."

Früchteteppich-Ausstellung ist Besuchermagnet

2025 kamen zur Ausstellung rund 55.000 Gäste - ein voller Erfolg für alle Beteiligten. "Der Früchteteppich hilft uns dabei, die Alte Kirche zu erhalten", sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Manuel Mohr. Der Eintritt ist frei, freiwillige Spenden tragen dazu bei, dass der Früchteteppich auch künftig entstehen kann. Darüber hinaus unterstützt der Verein mit den erwirtschafteten Überschüssen soziale, karitative und kulturelle Projekte. "Das ist ein besonderer Ansporn für uns", so der 44-Jährige.

Dem kann sich auch Brigitte Lindner anschließen. Sie gehört zu den Menschen, die die Geschichte des Früchteteppichs von Beginn an begleitet haben. Die 74-Jährige erinnert sich noch gut an die Anfänge des Projekts. "Der Früchteteppich liegt mir einfach am Herzen. Es bereitet mir heute nach wie vor unglaublich viel Freude", betont sie. Vor allem schätzt sie die Gemeinschaft unter den Helferinnen und Helfern: "Jeden Abend gemeinsam am Teppich zu arbeiten, schweißt zusammen. Ohne Teamgeist wäre ein solches Projekt nicht möglich."

Gemeinschaftssinn, Tradition und ehrenamtlicher Einsatz

So entsteht in monatelanger Handarbeit ein tiefgründiges Kunstwerk auf mehreren Ebenen. Die drei tatkräftigen Unterstützer des Früchteteppichs sind sich abschließend einig: "Das Ergebnis ist grandios - und macht deutlich, was Kreativität, Geduld und handwerkliches Geschick hervorbringen können. Es lohnt sich, es mit eigenen Augen zu sehen!" (mkr) +++

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