Verbraucherpreise
Steigende Energiepreise treiben Inflation auf 2,9 Prozent
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31.08.2026 / WIESBADEN -
Hohe Energiepreise haben die Teuerung in Deutschland erneut bis knapp unter die Drei-Prozent-Marke getrieben. Wie im April erreichte die Inflationsrate im August 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen errechnet hat. Stärker gestiegen sind die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft zuletzt im Dezember 2023 mit damals 3,7 Prozent.
"Die mit 2,9 Prozent etwas höhere Inflation im August ist wie in den Vormonaten auf stärker gestiegene Preise für Kraftstoffe und Heizöl zurückzuführen", erläuterte Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung.
Drei Prozent Inflation im Herbst?
Elmar Völker, Analyst bei der LBBW, meint: "Die schlechte Nachricht ist, dass eine schnelle Entspannung nicht in Sicht ist, so dass die Inflation im Herbst abermals über 3 Prozent klettern könnte. Die gute Nachricht ist: Höhere Inflationsraten setzen sich bis dato nicht in der Breite des Preisgefüges fest."Nach dem Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hatte die Bundesregierung im Mai und Juni für etwas Entlastung für Autofahrer gesorgt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wurde vorübergehend um knapp 17 Cent pro Liter gesenkt. Doch nach dem Auslaufen dieses Tankrabatts sprang die Inflationsrate direkt um 0,5 Punkte auf 2,8 Prozent im Juli nach oben.
Energiepreise ziehen stark an - Lebensmittel kaum teurer
Zentraler Preistreiber war auch im August Energie. Fürs Tanken und Heizen mussten Verbraucherinnen und Verbraucher 10,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen nur leicht um 0,1 Prozent. In den drei Monaten zuvor waren die Lebensmittelpreise jeweils um 0,4 Prozent gestiegen. Inflationsrate könnte weiter steigen
Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich das Leben in Deutschland in den nächsten Monaten vorübergehend weiter verteuern. Denn der Iran-Konflikt schwelt weiter, mit der Folge, dass die für den internationalen Energiehandel wichtige Meerenge Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt. Michael Heise, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter HQ Trust, prognostiziert: "Bei den Dienstleistungen ist kurzfristig kaum mit einer deutlichen Entspannung zu rechnen. Steigende Erzeugerpreise sprechen auch bei Waren für anhaltenden Preisdruck." Im August setzte sich vorerst der Trend zu einem nachlassenden Preisauftrieb bei Dienstleistungen fort, die Preise hier lagen um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
Tariflöhne steigen wohl stärker als die Preise
Je höher die Teuerungsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich für einen Euro dann weniger leisten und halten sich mit größeren Anschaffungen zurück. Der private Konsum, der in guten Zeiten eine wichtige Stütze der Konjunktur ist, schwächelt seit Monaten.Hebt die EZB die Leitzinsen an?
Weil zuletzt auch die Inflation im Euroraum stieg - im Juli auf 2,9 Prozent - erwarten Volkswirte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer nächsten Sitzung am 10. September die Leitzinsen im Euroraum zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben wird. Mit höheren Zinsen kann die Notenbank die Inflation dämpfen, weil dann Kredite teurer werden und die Nachfrage gebremst wird. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht sie ihr oberstes Ziel erfüllt: für stabile Preise und einen stabilen Euro zu sorgen.Derzeit liegt der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins im Euroraum bei 2,25 Prozent. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach sich jüngst in einem Interview für höhere Leitzinsen zur Eindämmung der Inflationsrisiken aus. Beim aktuellen Leitzins sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das anvisierte Ziel von 2,0 Prozent zurückkehre, sagte Schnabel: "Daher wird eine weitere Straffung erforderlich sein." (Jörn Bender und Alexander Sturm / dpa) +++