Rührender Hilferuf war gefaked!

Mit angeblicher Krebserkrankung ihres Kindes 350.000 Euro Spenden ergaunert

Die 42-Jährige hatte ihrem eigenen Kind eingeredet, es habe Krebs, um an Spenden zu kommen
Foto: Adobe Stock

31.08.2026 / GIEßEN - Wie dummdreist kann man eigentlich sein? Am Landgericht Gießen hat am Montag ein spektakulärer Prozess begonnen, der bundesweit für Schlagzeilen und große Empörung sorgt: Eine 42-jährige Frau ist angeklagt, weil sie mit einer erfundenen Krebserkrankung ihres kleinen Sohnes über Jahre hinweg insgesamt über 350.000 Euro ergaunert hat. In Videos und auf sozialen Netzwerken hatte die Mutter offenbar überzeugend behauptet, ihr Sohn leide an einer Krebserkrankung, und zwar an einem seltenen Hautkrebs, der nur mittels einer neuartigen, sehr teuren Therapie geheilt werden könne. In mehreren Videos und Beiträgen in Medien schilderte sie die Erkrankung und bat um Spenden für die Heilung ihres Sohnes.



"Schaut nicht weg, jeder Euro hilft", hatte die skrupellose Frau ihre potentiellen Spender in den sozialen Medien aufgerufen – und das offensichtlich mit großem Erfolg. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Gießen beziffert die so ergaunerte Spendensumme auf rund 350.000 Euro und klagte die 42-Jährige wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 13 Fällen an. Die Frau war auch nicht davor zurückgeschreckt, bei ihren Spendenaufrufen den angeblich kranken Sohn im Rollstuhl abzubilden, Krankenhausunterlagen zu fälschen und Fotos von angeblichen medizinischen Behandlungen zu veröffentlichen. Das Kind war zu Beginn des Betrugs erst fünf Jahre alt und wurde von der eigenen Mutter in dem Glauben gehalten, an Krebs erkrankt zu sein.

Laut Anklage hatte die Frau zwischen September 2021 und Oktober 2024 über verschiedene Internetplattformen um Spenden gebeten. Das Kind sollte ihrer Behauptung nach zunächst Hautkrebs gehabt haben und – nachdem der Krebs angeblich Metastasen gebildet hatte – auch noch an Leukämie erkrankt sein. Deshalb benötige der Sohn im Grundschulalter eine teure Stammzellentherapie. Diese Lügen verbreitete die Mutter 2022 auch über einen Zeitungsbericht, in dem sie sich für die Spenden bedankt hatte, und erklärte, mit dem Sohn zu einer medizinischen Behandlung in die USA gereist zu sein.

Getäuschte Hilfsinitiativen und Vereine

Aufgeflogen war die kriminelle Masche der Frau durch einen Hinweis an das zuständige Jugendamt, in dem darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Kind gar nicht erkrankt sei. Es folgten umfangreiche Ermittlungen, darunter auch eine Durchsuchung der Wohnung, bei der zahlreiche Unterlagen sichergestellt wurden. Der angeblich krebskranke Sohn ist 2024 in die Obhut des Jugendamtes genommen und mittlerweile in eine Pflegefamilie vermittelt worden. Gegen den Vater war ebenfalls ermittelt worden, doch ihm konnte keine Beteiligung an dem Betrug nachgewiesen werden. Die 42-Jährige ist laut Anklage bereits vorbestraft. Am ersten Verhandlungstag hat ihr Anwalt eine Erklärung für sie verlesen, in der sie die Tatvorwürfe der Anklage vollumfänglich einräumt.

Besonders bitter ist der Fall für verschiedene Hilfsinitiativen und Vereine, die die Frau großzügig unterstützt hatten. Sie beklagen den großen Vertrauensverlust, der durch die Betrügerei der Frau entstanden ist. Für die Verhandlung vor dem Gießener Landgericht sind bis Mitte Oktober neun Verhandlungstage terminiert und 27 Zeugen geladen worden. (ci)+++

Der unerhörte Betrugsfall wird am Landgericht Gießen verhandelt
Archivbild: O|N

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