Ein tolles Jubiläumswochenende
50 Jahre Aschenberger Wolkenkratzer: Zwischen Rückblick und Aufbruch
Fotos: Marvin Myketin
31.08.2026 / FULDA -
Ein halbes Jahrhundert Fastnacht: Die Aschenberger Wolkenkratzer haben ihr 50-jähriges Bestehen mit einem dreitägigen Jubiläumswochenende gefeiert. Zwischen stiller Totenehrung, festlichem Kommers und ausgelassener Jubiläumsparty stand dabei ein Gedanke im Mittelpunkt - das Erbe der Gründergeneration zu würdigen und zugleich den Blick nach vorn zu richten.
"Herzlich willkommen bei unserer 50er-Feier", begrüßte Jörg Schmidt, Erster Vorsitzender der Aschenberger Wolkenkratzer, die Gäste. Gegründet wurde der Verein im Jahr 1976. Die Gründungsmitglieder sind heute nicht mehr unter den Lebenden - umso wichtiger war es dem Verein, das Jubiläum mit einer würdigen Erinnerung zu beginnen.
1976 - Die Geburtsstunde
Den Auftakt bildete deshalb am Freitag eine Totenehrung auf den Friedhöfen in Johannesberg und Rauenberg. "Das war eine sehr schöne Veranstaltung", so Schmidt. In diesem Rahmen besuchten die Wolkenkratzer die Gräber ehemaliger Vereinsmitglieder und Fastnachter. Festkommers "von Berg zu Berg"
Am Samstag folgte der große Festkommers. Für den Anlass mietete sich der Verein bewusst eine passende Location außerhalb des eigenen Stadtteils an - augenzwinkernd beschrieben als Weg "von Berg zu Berg". Der Grund war praktischer Natur: Im Anschluss an den Kommers war eine Jubiläumsparty geplant, wofür die Räumlichkeiten ideale Voraussetzungen boten.Drei Tanzmariechen und ein emotionaler Abschluss
Programmatisch bot der Abend einen bunten Mix aus Reden und Tänzen. Ein besonderer Moment: Erstmals standen drei Tanzmariechen gemeinsam auf der Bühne und führten unter Leitung ihrer Trainerin einen gemeinschaftlichen Tanz auf. Die Trainerin war bis zum vergangenen Jahr selbst Tanzmariechen der Wolkenkratzer - und ließ es sich nicht nehmen, für diesen Auftritt noch einmal die Tanzstiefel anzuziehen. Zwischen Tradition und den Ansprüchen der Gegenwart
Bemerkenswert offen sprach der Vorsitzende über die Rolle der heutigen Vereinsführung. Viele im Vorstand seien selbst noch weit von den 50 Jahren Vereinsmitgliedschaft entfernt und bei der Gründung längst nicht dabei gewesen. "Uns geht es darum, das, was unsere Gründer und die Generationen vor uns hinterlassen haben, entsprechend wertzuschätzen und im Gedenken zu bewahren - aber trotzdem den Anforderungen und Ansprüchen der Neuzeit gerecht zu werden."Dazu gehöre ausdrücklich, die veränderte Sicht junger Menschen auf das Vereinsleben zu respektieren und ihnen zuzuhören, um daraus die richtigen Weichenstellungen für die Zukunft abzuleiten.
Die Herausforderung: Menschen fürs Ehrenamt gewinnen
Genau hier sieht Schmidt die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Es werde zunehmend schwierig, Jugendliche wie Erwachsene dafür zu gewinnen, Verantwortung zu übernehmen - sei es als Aktive, als Trainer oder in Vereinsämtern. Dass dies kein exklusives Problem der Fastnacht ist, macht er an einem Vergleich deutlich: Selbst im Fußball als Sportart Nummer eins in Deutschland zeige sich diese Entwicklung. Ein Verein von 4 bis 92
Wie generationenübergreifend der Verein aufgestellt ist, zeigt ein Blick auf die Mitgliederstruktur: Das jüngste Mitglied ist vier Jahre alt, das älteste Mitglied 92. "Da hat man als Verein natürlich auch einen gesellschaftlichen Auftrag", betont Schmidt. Nur so lasse sich eine Geschichte über 50 Jahre schreiben: "Das haben unsere Vorgänger so gemacht, und das werden wir natürlich weiterführen."Dass die Vorzeichen heute schwieriger erscheinen, relativiert er zugleich selbst - vermutlich habe man das früher ebenso empfunden. "Aber jeder, der heute in der Vereinsarbeit tätig ist, weiß, dass ein herausfordernder Weg vor uns liegt."
Nach dem Jubiläum ist vor der Kampagne
An Erholung ist derweil nicht zu denken. "Nach der Kampagne ist vor der Kampagne - und nach dem Jubiläum ist vor der Kampagne", fasst Schmidt zusammen. Die Mannschaft für die kommende Saison steht bereits, was ihn besonders freut, denn die nächste Kampagne fällt kurz aus. Der große Rosenmontagswagen muss gebaut, die Tänze müssen einstudiert werden - die Planungen laufen.