Bis zu fünf Euro mehr pro Kiste?
"Existenzgefährdend": Regionale Getränkebranche schlägt Zuckersteuer-Alarm
Die geplante Zuckersteuer sorgt für hefige Kritik in Osthessen
Archivfoto: Marius Auth
26.08.2026 / REGION -
Die Pläne aus dem Finanzministerium sorgen für heftige Reaktionen, auch in der osthessischen Getränkebranche: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke einführen. Getränkehersteller wie die RhönSprudel GmbH in Ebersburg (Kreis Fulda), aber auch Händler wie Heurich aus Petersberg (Kreis Fulda) mit ihren über 160 Logo-Märkten schlagen Alarm.
Die Steuer soll auf zuckerhaltige Getränke wie Limonaden, Nektar, Smoothies und getreidebasierte Drinks wie Hafermilch fällig werden. Vorgeschlagen ist, dass solche Getränke mit 26 Cent pro Liter besteuert werden. Das würde sich nicht nur auf die Verbraucher auswirken. Die sowieso schon gebeutelte Wirtschaft und besonders die Getränkebranche würden darunter extrem leiden. Die Preise für Getränke würden steigen und Arbeitsplätze wären in Gefahr.
Preisveränderungen von bis zu fünf Euro pro Kiste
"Dem Finanzministerium geht es dabei eigentlich nur um eins, nämlich Kohle. Das Thema Ernährung spielte eigentlich keine Rolle", macht Christian Schindel, Geschäftsführer der RhönSprudel Gruppe, klar. Die Konsequenzen, wenn eine solche Zuckersteuer kommt, wären dabei für den Getränkehersteller enorm. "Wir reden hier über Preisveränderungen pro Kiste von drei bis fünf Euro. Das heißt, die Produkte sind hinterher im Prinzip unverkäuflich", mahnt er.
Bei Preissteigerungen von 25 bis fast 50 Prozent sei der Verbraucher nicht mehr bereit, das Geld dafür auszugeben. "Damit würde man mittelstandsfeindlich agieren", so Schindel. Konkret müsste die Steuer dann von den Getränkeherstellern abgeführt werden. Diese müssten die Kosten dann eins zu eins auf den Verbraucher abwälzen. Dazu kämen Dokumentation, Kontrolle durch den Zoll und andere IT-Lösungen. "Da hängt ein riesiger Verwaltungsaufwand mit dran. Es ist unfassbar aufwendig, das alles abzuwickeln."
Und die Folgen wären besonders für die RhönSprudel Gruppe hart: "Sofern wir nicht die Möglichkeit haben, Rezepturen zu reformulieren, also den Zuckergehalt abzusenken und teilweise durch Süßungsmittel zu ersetzen, müssten zuckergesüßte Getränke eingestellt werden. Und das ist eine ganze Menge." Der Absatzanteil klassischer Limonaden und Süßgetränke liege bei Förstina, die zur RhönSprudel-Gruppe gehört, bei rund 30 Prozent. "Und das ist natürlich sowohl für die Marke als auch für den Standort fast schon existenzgefährdend", sorgt sich Schindel.
Auch Händler unter Druck
Doch nicht nur die Getränkehersteller wären betroffen. Auch die Händler, wie die Heurich GmbH & Co. KG aus Petersberg. Geschäftsführerin Alina Heurich mahnt: "Die Zuckersteuer verteuert betroffene Produkte. Wenn Hersteller diese Mehrkosten über höhere Preise weitergeben, ist mit Absatzrückgängen zu rechnen. Das kann dazu führen, dass Hersteller Sortimente überprüfen und bei rückläufigen Mengen auch Produktionskapazitäten anpassen. Gleichzeitig werden voraussichtlich auch die Mengen sinken, die über Groß- und Einzelhandel laufen. Eine solche Steuer betrifft deshalb nicht isoliert die Hersteller, sondern hat Folgen für Verbraucher, Handel und Arbeitsplätze."
Und dieser Vorstoß kommt nun in einer sowieso schon schwierigen wirtschaftlichen Situation. "Das trifft den Mittelstand in einer Phase, in der viele Unternehmen ohnehin mit hohen Kosten und erheblichem Veränderungsdruck kämpfen." Dazu kämen weitere unklare Vorstöße und politikgetriebene Ausgaben wie die Abschaffung von Minijobs oder die Verpackungsverordnung. "Planungsunsicherheit und immer neue zusätzliche Belastungen können vom Mittelstand zunehmend schwer getragen werden", macht Heurich klar. "Politische Entscheidungen lösen wirtschaftliche Kettenreaktionen aus. Deshalb müssen auch die Folgen für Mitarbeiter, Verbraucher und Unternehmen gesamtheitlich von Anfang an mitgedacht werden."
Sie fordert deshalb unter anderem eine Planbarkeit für Unternehmer: "Morgens liest man, die Zuckersteuer kommt. Mittags gibt es ein Veto. Dann wird diskutiert, welche Getränke überhaupt erfasst werden sollen. Wie sollen Unternehmen auf dieser Basis verantwortungsvolle Entscheidungen treffen?", so Alina Heurich abschließend.
Sowohl Christian Schindel als auch Alina Heurich hoffen nun, dass dieser Vorstoß aus Berlin gekippt wird - die Folgen wären nicht nur für Osthessen dramatisch. (Moritz Pappert) +++