Hohe Temperaturen und kein Niederschlag

Extreme Trockenheit - Wie Wildtiere unter dem Dürresommer 2026 leiden

Seit 30 Jahren Ranger im Biosphärenreservat der Rhön: Joachim Walter erklärt vor Ort die Spätfolgen der langanhaltenden Trockenheit des Sommers 2026.
Fotos: Tizia Wegfahrt

28.08.2026 / HÜNFELD - Niedrige Flusspegel, Waldbrände und Trinkwassernotstand bei vielen Gemeinden – der Sommer 2026 war einer der trockensten der vergangenen Jahrzehnte. Neben der Pflanzenwelt hatten auch die Wildtiere mit dem Extremwetter zu kämpfen. Im Biosphärenreservat der Rhön werden die Spätfolgen besonders deutlich.



"Wir hatten schon viele warme Jahre, aber dieser Sommer war der extremste überhaupt. Das waren vier Wochen, in denen wir regelmäßig Temperaturen weit jenseits der 30 Grad hatten. Die Kombination aus den hohen Temperaturen und gar keinem Niederschlag ist einfach das Problem", sagt Joachim Walter, Ranger im Biosphärenreservat der Rhön.

Die Spätfolgen des Dürresommers

Mit Sicherheit wirkt es extrem, wenn man solche Superlative verwendet. Doch während des Gesprächs am Dammersbach mit dem Ranger Joachim Walter wird deutlich, dass manche Umstände die entsprechenden Formulierungen erfordern. Seit über 30 Jahren ist Walter Ranger im Biosphärenreservat - er hat jahrzehntelange Erfahrung, ist gelernter Forstwirt und geprüfter Natur- und Landschaftspfleger. Doch auch für ihn war der Sommer 2026 eine Erfahrung, die er so noch nicht gemacht hat.

Dabei wirkt es zunächst gar nicht so dramatisch, als wir gemeinsam mit dem Ranger einen Rundgang machen. Die letzten Tage hat es geregnet, der Boden ist teilweise noch feucht und es bleiben vereinzelt Schlammpfützen zurück - als Laie denkt man, dass sich das Ganze dann doch schnell wieder normalisiert. Doch im Gespräch wird klar, dass die langanhaltende Trockenheit noch nicht vom Regen davon gespült wurde. "Ich habe viel mit älteren Leuten gesprochen. So etwas wie diesen Sommer haben auch die noch nicht erlebt", meint er.

Am Dammersbach zeigen sich an vielen Stellen noch die Spätfolgen der Sommerhitze. Wir stehen vor einem Biberdamm, der seit einigen Jahren das Wasser des Dammerbachs staut. "Durch den Stau ist hier eine fast einen Hektar große Fläche entstanden. Selbst hier ging das Wasser aber zurück. Es ist nicht durch den Bach abgelaufen, sondern langsam verdunstet", erklärt der Ranger mit Blick auf die Stelle, an der sich mittlerweile wieder eine ordentliche Menge Wasser angestaut hat. Drumherum wird es wieder grün – jedoch ist an vielen Stellen der Normalzustand noch lange nicht erreicht.

Weniger Gewässertiere im Dammersbach

Weiter unten wird ersichtlich, dass der eigentlich gut fünf Kilometer lange Dammersbach teilweise trockengelaufen ist. "Seit mehreren Jahren haben wir das Problem, dass nicht mehr genug Wasser fließt. Es gibt viele Gewässer rund um den Ort, die mittlerweile jeden Sommer trockenfallen. Im Prinzip ist Bachwasser anstehendes Grundwasser. Wenn jetzt viel Wasser verdunstet durch Bäume und Hitze, sackt der Grundwasserspiegel ab. Dann fehlt der Grundwasserdruck von unten und das Wasser versickert von oben nach unten", erklärt uns der Ranger, während wir im ausgetrockneten Bachlauf stehen.

Besonders dramatisch sind die Folgen für die hier angesiedelten Gewässertiere, die an den unteren Stellen des Flusses die Sommerhitze nicht überlebt haben. "Die können bei Trockenheit kurz überleben, wenn sie sich in den Boden eingraben. Aber bei der anhaltenden Trockenheit ist hier vermutlich alles verendet", erklärt der Ranger. Im oberen Gewässer leben noch viele Tierarten, jedoch wird es einige Zeit dauern, bis sie auch die trockenen Stellen wieder besiedelt haben. An Stellen, wo der Bach mittlerweile wieder etwas Wasser führt, konnten sich noch keine neuen Tiere ansiedeln, wie der Ranger vor Ort überprüft.

Stark gelitten hat die Population des deutschen Edelkrebs. Mit viel Mühe hatte man vor 23 Jahren begonnen, ihn in verschiedenen Bächen anzusiedeln. Durch Gewässerverschmutzung und Fressfeinde war er stark bedroht. "Durch die Staudämme des Bibers konnte der deutsche Edelkrebs besser überleben. Im Oberlauf des Baches, der nicht trockengefallen war, werden die Edelkrebse wohl überlebt haben. Die Krebse aus dem Unterlauf sind verendet oder in die Haune abgewandert, allerdings gibt es da auch mehr Fressfeinde", wie der Ranger erklärt.

Der Klimawandel verändert die Bedingungen

"Die Regenereignisse haben sich verändert. Vor 30 Jahren hatten wir regelmäßig Niederschlag, Schnee und Nebel. Wir haben zwar heute immer noch Niederschlag, allerdings kommt der häufig in Starkregenereignissen. Das führt aber dazu, dass das meiste dann oberirdisch direkt wegläuft in die großen Gewässer und gar nicht versickern kann. Und dieses Wasser fehlt dann zur Grundwasserneubildung", so Joachim Walter.

Die Ursache liegt erwiesenermaßen im Klimawandel. Wie Joachim Walter berichtet, nehmen die Extremwetterereignisse zu, die einen starken Einfluss auf das komplexe Zusammenspiel der Natur haben. Natürlich gab es diese auch früher, doch kommen sie in den vergangenen Jahren immer häufiger vor. "Es gab trockene Jahre, es gibt warme Jahre und es gibt auch wieder nasse Jahre. Die vergangenen Jahrzehnte zeigen jedoch eine eindeutige Tendenz." (Nikolas Krudewig) +++

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