Liegt hier ein mittelalterliches Rathaus?
Historisch bedeutend - Stadt kauft Gebäude in der Friedrichstraße 24
Von historischer Bedeutung: Das Gebäude der Hausnummer 24 in der Friedrichstraße wurde von der Stadt Fulda für weitere Forschungen gekauft - und hängt wohl mit dem Nachbargebäude der Hausnummer 26 zusammen.
Fotos: Rene Kunze
28.08.2026 / FULDA -
Seit Jahren ist das Gebäude in der Friedrichstraße Nummer 26 in der Fuldaer Innenstadt von besonderem historischem Interesse für die Stadt. Wie sich herausgestellt hatte, wird aber nur eine gemeinsame Betrachtung mit der Hausnummer 24 zielführend sein.
Für Stadtbaurat Daniel Schreiner bleibt es eine kleine Sensation. Begeistert hantiert er mit mehreren alten Bauplänen und Blaupausen der Gebäude in der Friedrichstraße und berichtet im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS von den aktuellen Entwicklungen vor Ort. Nach jahrelangen Forschungen im Gebäude der Nummer 26 wird weiterhin vermutet, dass es sich um ein mittelalterliches Rathaus gehandelt haben könnte – vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Nun hat sich herausgestellt: Die Hausnummer 24 könnte in dieser Geschichte genauso wichtig werden.
Mittelalterliches Rathaus aus dem 14. Jahrhundert?
Schon 2018 hatte die Stadt Fulda das Gebäude in der Friedrichstraße 26 erworben. Als möglicherweise ältestes profanes Steingebäude Fuldas ist das Haus seit vielen Jahren Untersuchungsgegenstand für Stadthistoriker und Denkmalschützer. Viel Historie wurde seitdem zutage gefördert, darunter spannende Relikte und Reliefs aus vergangenen Jahrhunderten. 2019 wurde erstmals die Vermutung geäußert, dass es sich bei der Hausnummer 26 um ein mittelalterliches Rathaus gehandelt haben könne.
Für die Stadt Fulda ist klar, dass dieses besondere historische Zeugnis bewahrt werden muss. Viele Planungen haben seitdem stattgefunden, jedoch fehlen noch Puzzlestücke für die Gesamtbewertung. Der Grund dafür ist die Entdeckung, die man während der Begutachtung gemacht hatte: Die Gebäude der Hausnummer 26 und Hausnummer 24 teilen sich eine gemeinsame Wand.
"Im Obergeschoss gibt es Türen zum Nachbargebäude, die lediglich vermauert sind. Das hat uns gezeigt, dass es keine zwei Fassaden gab, sondern beide Häuser zusammengehören müssen", erklärt Daniel Schreiner. "Die Gebäude hängen mit dem ehemaligen Dienstsitz des Verwalters des Fürstabts zusammen und das macht es so bedeutsam. Auch die Benediktinerinnen hatten hier vermutlich kurzzeitig ihr Quartier. Die Gebäude zeigen eine sehr heterogene Nutzung, was aus historischer Perspektive sehr spannend ist." Mit der Annahme, dass die beiden Gebäude zusammenhängen, müssen nun weitere Begutachtungen der Zwischenwand gemacht werden.
Das Problem: Während die Hausnummer 26 nun schon viele Jahre im Besitz der Stadt Fulda ist, war das Gebäude der Nummer 24 noch in privatem Besitz. "Wir konnten die Nummer 26 nicht vollständig erforschen. Auch brandschutztechnisch ist die gemeinsame Wand für eine separate Nutzung der Hausnummer 26 sehr schwierig. Das war letztendlich der Grund, warum wir die 24 überhaupt erworben haben", so Daniel Schreiner im Gespräch mit O|N. Derzeit befindet sich der Pop-Up-Store Moretti im Gebäude, der jedoch nur einen befristeten Vertrag über den Sommer besitzt.
Der Asia Wok muss weichen
Schwieriger gestaltete es sich mit dem Restaurant Asia Wok, der einzigen dauerhaften Vermietung im Haus. Diesem wurde schon vor geraumer Zeit wegen Eigenbedarfs gekündigt. "Aus eigenen städtischen Immobilien konnten wir keine neue Räumlichkeit für den Asia-Wok anbieten. Wir haben den Kündigungszeitpunkt nochmal bis zum Jahreswechsel hinausgestreckt, um dem Betreiber genügend Zeit einzuräumen, sich andere Räumlichkeiten zu suchen", wie Stadtbaurat Schreiner erzählt. Nach aktuellen Informationen hat der Asia Wok bisher noch keine neuen Räumlichkeiten finden können.
Hauptgrund für die Kündigung sei es, dass man keine weiteren Untersuchungen am Objekt durchführen könne, solange das Haus nicht freigezogen ist. "Solange die Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Hausnummer 24 genutzt werden, kann ich keine weiteren Untersuchungen durchführen. Auch können wir keine Sanierungskonzepte für beide Gebäude erarbeiten, solange Räume vermietet sind", erklärt Daniel Schreiner mit Blick auf die Eigenbedarfskündigung.
Wann und wie es mit den Gebäuden weitergeht, steht erst einmal in den Sternen. Fakt ist, dass eine mögliche Sanierung und der damit einhergehende langfristige Plan für diese Immobilien noch in weiter Ferne liegen. Viele Ideen habe man schon, zuvor müssen jedoch erst die Untersuchungen des Gebäudes abgeschlossen werden. Man möchte die Geschichte der Gebäude erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Langfristig soll ein Ort entstehen, der der Stadtgeschichte Fuldas ein neues Kapitel hinzufügt. Die nächsten Arbeitsschritte - wie zum Beispiel die genaue Untersuchung der gemeinsamen Wand aus Richtung der Hausnummer 24 - sollen nun im kommenden Jahr beginnen und könnten weitere spannende Details der Fuldaer Stadtgeschichte zutage fördern. (kru) +++