Altes Handwerk im Vordergrund
Backhausfest begeistert: Wenn der Holzofen die Tradition am Leben hält
Fotos: Rene Kunze
23.08.2026 / PETERSBERG -
Duftendes Brot aus dem Holzbackofen, Zwibbelsploatz nach Omas Rezept und ein Rhöner Comedian als Höhepunkt: Der Heimatverein Petersberg hat am Wochenende zum Backhausfest am Alten Weiher geladen. Zwei Tage lang drehte sich dabei alles um altes Handwerk, gelebte Gemeinschaft und den Erhalt regionaler Traditionen – mit einer echten Premiere im Programm.
Ein Backhaus, das wieder auferstand
Wo heute der Holzbackofen befeuert wird, stand lange Zeit nichts mehr. "Die alten Backhäuser wurden in Petersberg abgerissen", berichtet Michael Kircher vom Heimatverein. Vor rund 14 Jahren fasste der Verein deshalb einen Entschluss: Man wollte das Backhaus neu errichten – und zwar so, wie es früher einmal war. Auch im Inneren setzte man auf Authentizität: Ein alter Schamotte-Backofen wurde hergerichtet, in dem heute regelmäßig Brot gebacken wird.Aus dem Projekt entwickelte sich rasch mehr als ein Gebäude. Direkt nebenan entstand die sogenannte Kulturscheune, in der der Verein kleinere Kulturveranstaltungen anbieten kann. "Wir haben quasi zwei Bereiche", erklärt Kircher: den eigentlichen Backraum und die angrenzende Scheune.
Alle zwei Jahre ein Fest für die Bürger
Das Backhausfest selbst hat bereits Tradition und findet alle zwei Jahre statt. "Seit es das Backhaus gibt, machen wir eigentlich immer ein Fest – damit die Bürger auch mal sehen, was wir hier anbieten und wie wir die Traditionen pflegen", so Kircher. Brot und Zwibbelsploatz werden dabei so zubereitet, wie es früher üblich war, teils nach alten Rezepten.Das Programm: Von Stockbrot bis Freilandmesse
Los ging es am Samstag um 14 Uhr. Die Besucher erwarteten Kaffee und hausgemachte Kuchen, Backhausbrot, Schmalzbrot sowie Zwibbelsploatz frisch aus dem Holzbackofen, dazu Bratwurst und Klops mit Brot oder Brötchen. Auch an die jüngsten Gäste war gedacht: Von 15 bis 16 Uhr gab es Glitzertattoos und Spiele auf dem Gelände, ab 17 Uhr konnte Stockbrot gebacken werden. Bei den Spielen setzte der Verein bewusst auf Klassiker von früher – etwa das Gummistiefelweitwerfen. "Bekömmlich, hält länger, sättigt mehr"
Eine Schlüsselrolle im Vereinsleben spielt Backhauschefin Petra Schmitt. Einmal im Monat wird gebacken – ein Termin, der längst auch für das gesellige Miteinander steht. Rund 20 Bäckerinnen und Bäcker sind dabei aktiv, und immer wieder schnuppern Interessierte herein, um das alte Handwerk kennenzulernen.Warum sich der Aufwand lohnt, bringt Schmitt mit Blick auf das Brot aus dem Holzbackofen kurz und knapp auf den Punkt: "Es ist besonders gut bekömmlich, hält länger und sättigt mehr."
Ein Verein mit vielen Projekten
Mit rund 200 Mitgliedern ist der Heimatverein breit aufgestellt – und in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv. "Unser Vereinszweck ist eine Mischung aus Tradition verbinden, Geschichte bewahren und Vielfältigkeit leben", beschreibt es Kircher. Neben der Backhaus-Gemeinschaft gibt es eine Gruppe, die sich der Mundart widmet, sowie eine Truppe, die alte Fahrzeuge restauriert. Ein besonderes Schmuckstück ist dabei eine fahrbare Bandsäge, die einst einem Petersberger Schreiner gehörte und inzwischen 80 bis 90 Jahre alt sein dürfte. Zudem hat der Verein bereits mehrere Bücher herausgebracht. Restaurierte Kirchturmuhr und ein Besuch der "Sendung mit der Maus"
Von einem weiteren Projekt berichtet Manfred Spiegel, Kassierer des Vereinsvorstands: Vor einigen Jahren restaurierte der Verein die Turmuhr der Lioba-Kirche. "Die war abgeschaltet, weil sie nicht mehr funktionsfähig war. Wir haben sie wieder originalgetreu hergerichtet." Das Vorhaben zog sogar überregionale Aufmerksamkeit auf sich: Ein Team der "Sendung mit der Maus" besuchte den Verein und besichtigte die Uhr.QR-Codes bringen Geschichte aufs Handy
Ganz aktuell verbindet der Verein Tradition mit moderner Technik. An mehreren Gebäuden im Ort wurden QR-Codes angebracht, über die Interessierte per Smartphone historische Hintergrundinformationen abrufen können – etwa an der Lioba-Kirche oder am Friedhof."Uns geht es bei dem Projekt darum, dass man vor einem Gebäude steht und wissen kann, was dahintersteckt", erläutert Spiegel. Gerade Ortsfremde erhielten so ein Stück Orientierung und historischen Hintergrund. Nebenbei entsteht daraus eine Art Schnitzeljagd durch Petersberg.
Gemeinschaft für Alteingesessene und Zugezogene
Bei allem Engagement geht es dem Verein letztlich um mehr als um Brot und alte Maschinen. "Es geht viel um Bewahrung – Traditionen und Brauchtum den Leuten wieder näherzubringen und die Gemeinschaft zu fördern", fasst Kircher zusammen. Der Ort dürfe zusammenwachsen, und auch Zugezogene sollten sich wohlfühlen und die örtlichen Traditionen kennenlernen.Gerade das Backhaus ist dabei vielen noch unbekannt: "Wer neu zuzieht, kennt das Backhaus gar nicht – es liegt ja auch ein bisschen versteckt." Umso wichtiger sei ein Fest wie dieses, bei dem man alles in Aktion erleben kann. Oder, wie Kircher es formuliert: um den Menschen zu zeigen, wie gut ein richtiges Brot und ein echter Zwibbelsploatz schmecken können. (Marvin Hucke) +++