"China, Silicon Valley und Hünfeld"
"Ein Mensch hat die Welt verändert": Bouffier würdigt Konrad Zuses Erbe
Fotos: Bernd Vogt
21.08.2026 / HÜNFELD -
Seit zwei Jahrzehnten trägt Hünfeld (Landkreis Fulda) den Namen "Konrad-Zuse-Stadt". Möglich gemacht hat dies ein Erlass des damaligen hessischen Innenministers Volker Bouffier (CDU). Am Freitag wurde dieses Jubiläum im Rathaus gefeiert – gemeinsam mit dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten.
Mit seiner Entscheidung als Innenminister schuf Bouffier den Anlass für das Jubiläum. 2006 unterzeichnete er die Urkunde, mit der Hünfeld offiziell den Namenszusatz "Konrad-Zuse-Stadt" erhielt. Seitdem trägt die Stadt diese Bezeichnung im amtlichen Verkehr, auf Landkarten und an den Ortseingängen. Damit erinnert Hünfeld an seinen Ehrenbürger Konrad Zuse, dessen Erfindungen die Computertechnik nachhaltig geprägt haben.
Bouffier würdigt Zuses Bedeutung für die Technikgeschichte
In seiner Festrede blickte Bouffier auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. "In einer Zeit, in der man das Gefühl hat, dass sie sich immer schneller dreht, ist es gut, wenn man gelegentlich auch einmal zurückschaut", sagte er. Dabei erinnerte er an die Zeit vor dem heutigen technologischen Fortschritt und hob hervor, welche Bedeutung Konrad Zuse nicht nur für Hünfeld, sondern für die weltweite technische Entwicklung habe.Viele Menschen würden bei technologischen Innovationen sofort an China, Kalifornien oder das Silicon Valley denken, dabei werde Hünfeld oft übersehen. "Es muss eigentlich China, Silicon Valley und Hünfeld heißen. Denn genau da gehört die Stadt hin", betonte Bouffier.
"Ein Mensch mit einer Vision hat die Welt verändert"
Konrad Zuse entwickelte mit der Z3 den ersten funktionsfähigen, frei programmierbaren Rechner mit binärer Gleitkommarechnung. Dieses Prinzip gilt bis heute als eine der Grundlagen moderner Computertechnik. Zudem gründete er 1949 nahe Hünfeld die erste kommerzielle Computerfirma der Welt. "Ein Mensch mit einer Idee und einer Vision, an die er geglaubt hat, hat die Welt verändert", bewunderte Bouffier. Zugleich betonte er, dass große Erfolge oft mit Rückschlägen verbunden seien. "Er hat sich nicht entmutigen lassen und war von seiner Vision überzeugt." Persönliche Erinnerungen an Hünfeld
Für den ehemaligen Ministerpräsidenten ist Hünfeld ein besonderer Ort, der ihn auch an schwierige Entscheidungen erinnert. So verwies er auf den Hessentag 2000, als er sich entgegen mancher Empfehlungen dafür aussprach, die Veranstaltung der Vereinigung junger Polizeibeamter mitten im Festgeschehen und nicht abgeschirmt in einer Kaserne stattfinden zu lassen. Konrad Zuses Vermächtnis prägt das Stadtbild
Konrad Zuse ist in Hünfeld bis heute allgegenwärtig. Sein Name begegnet Bürgern und Besuchern an vielen Stellen. "Sei es am Bahnhof, im Zuse-Hotel, in der Konrad-Zuse-Schule, am Konrad-Zuse-Platz oder in Gestalt der Zuse-Rose, die eigens für ihn gezüchtet wurde", erklärte Bürgermeister Tschesnok. Als Dank für den Besuch überreichte er Bouffier ein druckfrisches Exemplar des Buchs "Hünfeld – viele Orte, meine Stadt", das anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Konrad-Zuse-Stadt erschienen ist, sowie eine Flasche Hünfelder Aha. (jk) +++