Sperre verhängt

Millionenloch im Haushalt: Die Kreisstadt muss jetzt den Gürtel enger schnallen

Millionendefizit, Haushaltssperre und Streit um Informationen: Die finanzielle Lage von Bad Hersfeld sorgt im Stadtparlament weiter für intensive Diskussionen.
Symbolbild: O|N

21.08.2026 / BAD HERSFELD - Die Haushaltslage in Bad Hersfeld spitzt sich weiter zu - und die aktuellen Zahlen machen wenig Hoffnung! Die Stadt muss sparen: Eine zehnprozentige Haushaltssperre ist bereits verhängt - und das Defizit dürfte das Stadtparlament auch kommendes Jahr beschäftigen. Vor allem bei der Gewerbesteuer bleibt die Kurstadt hinter den Erwartungen zurück. Unterm Strich zeichnet sich ein Minus von rund einer Million Euro ab - mit erheblichen Folgen.



In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag wurde klar: Der ursprünglich geplante Haushaltsausgleich für dieses Kalenderjahr wird wohl nicht zu schaffen sein. Ursprünglich hatte die Stadt mit einem deutlich besseren Ergebnis gerechnet. Deshalb zog der Magistrat bereits im Juli die Reißleine und verhängte eine Haushaltssperre von zehn Prozent. Alle Fachbereiche sind nun angehalten, Ausgaben auf das niedrigste herunterzuschrauben oder zu verschieben. Geplante Schulungen werden teilweise gestrichen.

Eine Komplettlösung ist das aber keineswegs. Das Minus wird zumindest teilweise in den Haushalt 2027 weitergetragen - und erhöht dort den ohnehin schon bestehenden Spardruck erheblich.

"Tropfen auf den heißen Stein"

Michael Barth (FWG) hält die bereits verhängte Haushaltssperre für folgerichtig. Viel werde sie am Ende aber wohl nicht retten. "Die Haushaltssperre ist konsequent. Das ist für uns aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein", so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Auch er ist der Überzeugung: "Wir werden das Defizit mit in das nächste Jahr schleppen."

Ähnlich nüchtern fasste der SPD-Fraktionsvorsitzende Karsten Vollmar die Situation zusammen: "Keiner, der hier sitzt, macht mutwillig Schulden." Trotzdem müssten sich die Fraktionen des Stadtparlaments auf eine schwierige Zeit einstellen: "Dieser Haushaltsplan wird uns auch in den kommenden Wochen und Monaten keine Freude bereiten."

Streit um Informationen

Doch nicht nur die finanzielle Lage der Kreisstadt sorgte für Diskussionen, sondern auch die Frage, wann die ehrenamtlichen Stadtverordneten darüber informiert wurden. Hintergrund ist ein Schreiben der Kommunalaufsicht, in dem ausdrücklich die Empfehlung für eine Haushaltssperre ausgesprochen wurde. Wie bereits bekannt, folgte der Magistrat dieser Empfehlung. Im vergangenen Haupt- und Finanzausschuss war anschließend die Kritik laut geworden, weil das Schreiben der Kommunalaufsicht den Stadtverordneten erst mit Verzögerung vorgelegt worden war. Dieser Vorwurf spielte nun auch in der Stadtverordnetenversammlung eine große Rolle.

Bürgermeisterin Hofmann wies den Vorwurf zurück, die Informationen bewusst zurückgehalten zu haben. Sie verwies zudem darauf, das Schreiben in einer Vorlage aufgeführt zu haben. Wenn ich Ihnen etwas hätte verheimlichen wollen, dann hätte ich das Schreiben dort nicht erwähnt." Gleichzeitig räumte sie ein: "Transparenz ist ganz entscheidend."

Die Frage um die Gewerbesteuer

Bernd Böhle (FDP) richtete den Blick auf die grundsätzliche Finanzlage der Kreisstadt. "Wir haben ein Liquiditätsproblem", ist sich der Fraktionsvorsitzende sicher. Vor allem bei der Gewerbesteuer müsse vorsichtiger geplant werden. "Wir müssen uns alle städtischen Ausgaben anschauen - Seite für Seite." Am Ende wurde der Bericht zum Haushaltsvollzug zur Kenntnis genommen. Die eigentliche Arbeit beginnt damit aber erst - spätestens bei den nächsten Haushaltsberatungen. (Constantin von Butler) +++

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