Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
26.08.2026 / FULDA -Manchmal verändert ein einziger Augenblick das ganze Leben. Ein Mensch entdeckt etwas, womit er nie gerechnet hat: eine Berufung, eine große Liebe, eine Aufgabe, die seinem Leben Sinn gibt. Plötzlich erscheint vieles, was vorher wichtig war, in einem neuen Licht.
Genau davon sprechen Gleichnisse Jesu (Mt. 13, 44-46). Da ist ein Mann, der einen Schatz im Acker findet. Da ist ein Kaufmann, der eine außergewöhnlich kostbare Perle entdeckt. Beide handeln auf dieselbe Weise: Sie verkaufen alles, um das eine zu gewinnen. Von außen betrachtet mag das verrückt erscheinen. Doch wer den Wert des Gefundenen erkannt hat, weiß: Es lohnt sich.
Jesus erzählt diese Gleichnisse nicht, um uns zu einem leichtfertigen Umgang mit Besitz zu bewegen. Er will uns vielmehr fragen: Was ist der größte Schatz unseres Lebens? Wofür lohnt es sich, Zeit, Kraft und Herz einzusetzen? Im Alten Testament gibt es eine mögliche Antwort. König Salomo steht am Anfang seiner Herrschaft. Gott erfüllt ihm einen Wunsch. Salomo bittet nicht um Reichtum, Macht oder ein langes Leben. Er bittet um ein hörendes Herz – um die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und gerecht zu handeln (1. Kg. 3,7–12).
Das ist bemerkenswert. Salomo erkennt: Der größte Schatz ist nicht das, was ich besitze, sondern das, was Gott in meinem Herzen wirken kann. Ein hörendes Herz ist kostbarer als Gold. Denn nur ein hörendes Herz erkennt den Willen Gottes und den Wert dessen, was wirklich zählt. Auch wir leben in einer Welt voller Angebote und Möglichkeiten. Jeden Tag wird uns gesagt, was wichtig sei: Erfolg, Ansehen, Konsum, Selbstverwirklichung. Vieles davon hat seinen Platz. Aber nichts davon kann unserem Leben den letzten Sinn geben.
Jesus lädt uns ein, tiefer zu schauen. Das Reich Gottes ist kein ferner Ort. Es beginnt dort, wo Gott in unserem Leben Raum bekommt. Es wächst in der Liebe, die sich verschenkt; in der Vergebung, die neue Wege eröffnet; in der Hoffnung, die auch schwere Zeiten trägt; im Vertrauen, dass Gott uns niemals fallen lässt.
Der Schatz des Reiches Gottes wird oft unscheinbar entdeckt. Nicht spektakulär, sondern mitten im Alltag: im Gebet, in einer Begegnung, in der Feier der Eucharistie, in einem Wort der Heiligen Schrift, das plötzlich das Herz berührt. Manchmal merken wir erst im Rückblick, dass Gott schon lange an unserem Leben gearbeitet hat. Im Evangelium spricht Jesus noch vom Netz, das Fische aller Art sammelt (Mt. 13, 47-48). Das Reich Gottes ist offen für alle Menschen. Doch jeder muss sich entscheiden, wie er auf Gottes Einladung antwortet. Der Schatz wird niemandem aufgezwungen. Er will entdeckt und angenommen werden.
Vielleicht lohnt es sich heute, sich selbst eine einfache Frage zu stellen: Was ist mein größter Schatz? Woran hängt mein Herz? Worauf vertraue ich wirklich?
Wenn wir ehrlich antworten, werden wir wahrscheinlich merken, dass unser Herz oft zwischen vielen Dingen hin- und hergerissen ist. Umso wichtiger ist die Bitte Salomos: "Herr, schenke mir ein hörendes Herz." Denn nur wer auf Gott hört, erkennt den Schatz, den keine Krise zerstören und kein Tod nehmen kann. Bitten wir den Herrn, dass wir den Mut haben, immer wieder neu das Wesentliche zu suchen, das Reich Gottes an die erste Stelle zu setzen und mit Freude zu entdecken: Wer Christus gefunden hat, hat für sich den wahren Schatz seines Lebens gefunden. (Stefan Buß) +++