Aktionstage: Erinnerung, Forschung und Friede

Jugendliche machen Geschichte sichtbar - Kriegsgräber auf dem Zentralfriedhof

Aktionstage auf dem Zentralfriedhof verbinden Erinnerungskultur, Forschung und Friedensarbeit.
Fotos: Nicolas Kraus

19.08.2026 / FULDA - Geschichte bewahren, Verantwortung übernehmen und aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen: Unter diesem Leitgedanken fand am 17. und 18. August 2026 erneut eine besondere Aktion auf dem Fuldaer Zentralfriedhof statt.



Schülerinnen und Schüler der 12FOS3 der Richard-Müller-Schule Fulda setzten sich gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Katholischen Akademie des Bistums Fulda mit den dort erhaltenen Kriegsgräbern auseinander.

Grabfelder aus dem Ersten Weltkrieg

In diesem Jahr standen zwei Grabfelder aus dem Ersten Weltkrieg im Mittelpunkt. Die Jugendlichen übernahmen Reinigungs- und Pflegearbeiten und recherchierten zugleich die Geschichte der dort bestatteten Menschen. Damit wird das Ergebnis ihrer Arbeit unmittelbar vor Ort sichtbar: Die Grabfelder werden nicht nur gepflegt, sondern durch die historische Recherche mit konkreten Lebensgeschichten verbunden.

Das Projekt führt eine mittlerweile etablierte Zusammenarbeit fort. Seine Anfänge reichen in das Jahr 2023 zurück. Damals stand die Gedenkveranstaltung "Kriegsgräber in Fulda – Erinnerung, Mahnung und Erbe" im Mittelpunkt.
Die Veranstaltung am 20. Juli 2023 auf dem Zentralfriedhof Fulda wurde gemeinsam mit dem Rotary Club Fulda, der Katholischen Akademie des Bistums Fulda, der Richard-Müller-Schule Fulda und der Stadt Fulda durchgeführt.

In den vergangenen Jahren beschäftigten sich die Jugendlichen insbesondere mit den Opfern des Zweiten Weltkriegs. Bereits dreimal standen deren Lebensgeschichten im Mittelpunkt des Projekts.
Über zwei Tage hinweg setzten sich Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule der Richard-Müller-Schule unter pädagogischer Begleitung ihres Klassenlehrers Rolf Pauthner mit unterschiedlichen Opfergruppen auseinander, die auf dem Zentralfriedhof bestattet sind.

Quellenarbeit und historische Einordnung

Historische Quellen und Zeitzeugenberichte ermöglichten es den Jugendlichen, sich intensiv mit den Lebenswirklichkeiten der Urgroßelterngeneration auseinanderzusetzen. Dabei ging es unter anderem um ausländische Kriegsopfer, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter,
aber auch um Bombenopfer und gefallene Soldaten. Für die historische Einordnung und die praktische Arbeit steht der Volksbund den Jugendlichen fachlich zur Seite.
Der Regionalbeauftragte des Volksbundes für Nordhessen, Daniel Schrimpf, begleitet das Projekt und unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei ihren Recherchen und beim Umgang mit den Kriegsgräbern.

Dass die Aktionswoche inzwischen bereits im vierten Jahr in Folge stattfindet, erfüllt Gunter Geiger mit besonderer Freude und Stolz. Geiger hatte das Projekt zu Beginn seiner Tätigkeit als Präsident des Rotary Clubs Fulda, als Leiter der Katholischen Akademie des Bistums Fulda
und zugleich als Delegierter im Vertretertag des Landesverbandes Hessen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge angestoßen.

Von Anfang an war es Geiger ein Anliegen, jungen Menschen einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Stadt Fulda, der Richard-Müller-Schule – insbesondere dem engagierten Lehrer Rolf Pauthner –
und dem Landesverband Hessen des Volksbundes entstand daraus eine Zusammenarbeit, die inzwischen fest etabliert ist.

"Erinnern ist wichtig" – diese Botschaft steht über dem gesamten Projekt. Denn für junge Menschen sind der Erste und Zweite Weltkrieg sowie die Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zeitlich weit entfernt.
Gerade deshalb kommt der politischen Bildung und der persönlichen Auseinandersetzung mit den Folgen von Krieg, Gewalt und Ausgrenzung eine besondere Bedeutung zu.

Die Arbeit an den Grabfeldern schafft dabei eine konkrete Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wenn Schülerinnen und Schüler Gräber reinigen, Namen recherchieren und Lebensgeschichten rekonstruieren, wird Geschichte greifbar.
Aus anonymen Grabstätten werden Schicksale von Menschen, deren Leben durch Krieg und Gewalt geprägt oder beendet wurde.

Kooperation nicht einzig für Pflegeeinsatz

Die Kooperation versteht sich deshalb nicht allein als Pflegeeinsatz. Sie ist zugleich ein Beitrag zur Erinnerungskultur, zur politischen Bildung und zur Friedenserziehung. Die Katholische Akademie und die Richard-Müller-Schule
unterstützen seit dem Start des Projekts auch den Volkstrauertag in Fulda und stehen der Stadt bei weiteren Gedenkveranstaltungen als verlässliche Partner zur Seite.

Dass die Aktionswoche nun dauerhaft etabliert werden konnte, ist für die Beteiligten ein wichtiges Signal. Sie soll Auftakt und Ansporn für weitere Schulprojekte in Fulda sein – für die Pflege und den Erhalt historischer Grabstätten, für eine lebendige Erinnerungskultur und vor allem für die Arbeit am Frieden.

Denn die Botschaft der Kriegsgräber bleibt aktuell: Erinnerung ist Mahnung. Und Mahnung kann Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft schaffen. (pm/nk) +++

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