So reagiert der Versorger

Im Wasserwerk: Wenn selbst 500.000 Liter pro Stunde nicht mehr reichen

Eine halbe Million Liter Wasser pro Stunde - mehr schafft das Wasserwerk in Fulda nicht. Und ausgerechnet jetzt reicht das nicht aus. Seit Freitag gilt in Petersberg, Fulda, Ebersburg und Eichenzell offiziell Wassernotstand.
Fotos: Carina Jirsch

22.08.2026 / FULDA - Eine halbe Million Liter Wasser pro Stunde – so viel Trinkwasser pumpt das Wasserwerk in Fulda zu den Verbrauchern – privaten Haushalten wie Unternehmen. Doch jetzt reicht selbst diese große Menge nicht aus. Und das liegt nicht am Fuldaer Wasserwerk. Es ist das größte von mehreren Wasserwerken der RhönEnergie in der Region. Denn Brunnen und Quellen liefern nicht mehr so viel, wie in der Region verbraucht wird. Der Verbrauch lag in den vergangenen Tagen 40 Prozent höher als sonst.

Seit Freitag vergangener Woche gilt in Fulda, Ebersburg und Eichenzell deshalb offiziell der Wassernotstand. Petersberg hat diesen Schritt schon am Montag vor einer Woche ergriffen. "Wir können nicht mehr aus dem Boden holen, als da ist", bringt es Dr. Arnt Meyer auf den Punkt, Geschäftsführer der RhönEnergie. An der prekären Situation ändert auch der Regen in diesen Tagen nichts. Zum Gespräch bittet Meyer ins Wasserwerk. Seit 1957 wird hier aus Rohwasser Trinkwasser gemacht, rund um die Uhr, auch nachts, auch am Wochenende.

Über 95 Prozent des Frischwassers in Deutschland werden gar nicht getrunken, sondern verduscht, weggespült, verkühlt oder eben versprengt. "Dafür braucht man nicht zwingend Frischwasser", sagt Meyer. Dazu kommt ein Sommer, der zu lange zu trocken und zu heiß war. Kein Einzelfall, wie er betont - ein Muster, das sich in den vergangenen zehn Jahren wiederholt hat. Und künftig eher häufiger als seltener auftreten dürfte.

Noch soll es bei Appellen bleiben: weniger gießen, kürzer duschen, aufs Baden verzichten, den Pool leer lassen. Die Aufforderungen dazu laufen über die Notstandsfeststellung der Kommunen - die RhönEnergie selbst kann niemanden zu etwas verpflichten. Reicht das nicht, drohen technische Eingriffe. "Das kann heißen, dass wir die Liefermenge zu reduzieren", so Meyer.

Filter in drei Schritten - dann laufen die Megapumpen

Damit überhaupt Wasser aus dem Hahn kommt, braucht es einiges an Technik - das zeigt sich bei einem Blick ins Innere des Werks. Bis das Wasser dort ankommt, durchläuft es drei Stufen: Zuerst wird es entsäuert, dann durch halbgebrannten Dolomit gefiltert und am Ende mit UV-Licht von Keimen befreit - "vergleichbar mit dem Abkochen zu Hause, nur eben als letzte Sicherheitsschicht", erklärt Stefan Bleuel, Leiter der Wasseranlagen. Von hier aus befördern drei enorm leistungsstarke Pumpen das Wasser in sogenannte Hochbehälter - etwa am Aschenberg.

Über allem wacht eine Leitwarte, die Tag und Nacht bis zu 1.500 Meldungen verarbeitet. Trotzdem kann es schnell ernst werden, wie sich im Januar 2025 zeigte: Ein Rohrbruch an einer Sonderleitung sorgte für einen brenzligen Freitagabend.


Ob sich die Lage bald entspannt? Darüber will Meyer nicht spekulieren. Klar sei: Ein einzelner Schauer reicht überhaupt nicht. Nötig wäre wochenlanger, gleichmäßiger Regen, der tatsächlich bis ins Grundwasser vordringt. Langfristig denkt die RhönEnergie größer - über eine bessere Vernetzung der vielen kleinen Wasserversorger in der Region, ähnlich wie beim Strom- oder Gasnetz. (mmb) +++

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