Verkehrs-Ärger in der Stadt

B279-Sperrung: Bürgermeister spricht von "sehr unbefriedigender Lage"

Die aktuelle Sperrung der B279 in Gersfeld sorgt für teils großes Chaos auf den Straßen - vor allem für Lkw.
Fotos: Marvin Myketin

31.08.2026 / GERSFELD (RHÖN) - Lkw, die vor der Unterführung im Stadtteil Rodenbach stehen bleiben, zurücksetzen müssen oder sich in den Stadtteilen verirren und wenden - seit die B279 durch Gersfeld gesperrt ist, kommt es immer wieder zu chaotischen Szenen abseits der eigentlich vorgesehenen Umleitung. Am Mittwoch krachte es schließlich: Ein Lkw blieb an der Ecke Schlossstraße/Karlstraße am Zaun hängen.



Seit fast drei Wochen ist die Ortsdurchfahrt Gersfelds - ein Teil der B279 - voll gesperrt. Die Sperrung soll nach aktueller Planung bis mindestens Dezember andauern, im Fall einer witterungsbedingten Winterpause sogar bis Mai 2027. Grund ist eine umfassende Erneuerung der Straße: Hessen Mobil saniert gemeinsam mit der Stadt Gersfeld nicht nur die Fahrbahn, sondern nutzt die Gelegenheit auch, um Kanal- und Wasserleitungen sowie Gehwege zu erneuern.

Die Baumaßnahme im Detail

Die Arbeiten laufen in zwei Bauabschnitten. Im ersten Abschnitt, der von der Avia-Tankstelle bis zur Wiesenstraße reicht, sind rund vier bis sechs Wochen Bauzeit veranschlagt. Anschließend, voraussichtlich ab Mitte September, folgt der zweite Abschnitt von der Wiesenstraße bis zur Kreuzung B279/B284 an der Wasserkuppenstraße. Dieser soll bis Mitte November in Teilbereichen fertiggestellt werden, bevor die Maßnahme witterungsbedingt über den Winter ruht und im Frühjahr 2027 bis voraussichtlich Mai fortgesetzt wird. Sollte es die Witterung erlauben, auch im Dezember zu bauen, könnte die Baustelle laut Hessen Mobil sogar noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Der Verkehr wird währenddessen großräumig umgeleitet - in beide Richtungen über die B284 Obernhausen, weiter über die B278 durch Wüstensachsen und Batten, auf die B458 über Dietges und Steinwand sowie über die L3330 durch Poppenhausen und Gackenhof. Für Busse gibt es zusätzlich eine innerörtliche Umleitung. Wie sich jedoch zeigt, hält sich nicht jeder an diese ausgeschilderte Strecke.

Erste Bilanz nach einer Woche Sperrung

Für die Geschäfte direkt an der Berliner Straße, die erst wenige Wochen zuvor neu eröffnet oder saniert hatten, fällt die erste Zwischenbilanz unterschiedlich aus. Bei Rewe gibt man sich auf Anfrage betont gelassen. Junior Communication Managerin Annika Pföß teilt mit: "Die Kundenfrequenz hat sich seit der Sperrung nicht verändert." Auch bei der Anlieferung gebe es keine Änderungen - "der Markt wird wie gewohnt angefahren." Personal und Öffnungszeiten blieben ebenfalls unangetastet. Immerhin eine kleine Anpassung gab es: Der Markt hat vom Ordnungsamt eine zusätzliche Beschilderung genehmigt bekommen. Von Fulda kommend weist nun, neben der eigentlichen Absperrung bei Maiersbach, ein Schild mit der Aufschrift "Frei bis Rewe" auf die weiterhin mögliche Zufahrt hin. An größeren Maßnahmen wie Aktionen oder einem Lieferservice hält man aktuell nicht fest: "Aktuell ist nichts geplant, da der Markt für die Kund:innen wie gewohnt anfahrbar ist", so Pföß.

Für die Bäckerei ordnet Michael Happ die Lage mit einem gewissen Pragmatismus ein, auch wenn der Zeitpunkt denkbar ungünstig ist: "Nur acht Wochen nach der Eröffnung so eine Vollsperrung tut erstmal weh. Wir verlieren an dem Standort Kunden und Kundenfrequenz, ein gutes Viertel bleibt weg." Klagen helfe an dieser Stelle jedoch wenig, findet er. "Wichtig ist, dass es irgendwann wieder vorbei ist, und darauf freuen wir uns." Bis dahin gelte es, darauf aufmerksam zu machen, dass der Standort auch weiter gut erreichbar sei.

Deutlich kritischer klingt es bei Norma. Der Markt äußert sich öffentlich mit spürbarem Unmut: "Wir sind keineswegs begeistert, hier eine Vollsperrung hinnehmen zu müssen." Besonders schwer wiegt aus Sicht des Unternehmens der Zeitpunkt: "Mit entsprechenden Umsatzeinbußen müssen wir rechnen, gerade im Hinblick darauf, dass die Filiale erst neu eröffnet hat und die Kundenfrequenz sich erst finden muss."

Verkehrssituation in der Stadt

Während sich der Handel noch vergleichsweise gefasst zeigt, bereitet die Verkehrssituation in der Innenstadt deutlich größere Sorgen. Bürgermeister Dr. Steffen Korell beschreibt die Lage unmissverständlich: "Die Erfahrung der letzten Tage, seit Einrichtung der Baustelle, zeigt uns, dass viele Verkehrsteilnehmer die Umleitungsbeschilderung ignorieren." Die Folge: "Wir hatten zeitweilig eine enorme Verkehrsbelastung in der Innenstadt Gersfelds", etwa im Bereich Schlossstraße - Karlstraße - Ebersberger Platz - Ursinusstraße oder Henneberger Straße - Brembacher Weg, aber auch in Stadtteilen wie Rodenbach, Mosbach, Gichenbach oder rund um Maiersbach und Wachtküppel.

Besonders ärgerlich sei, so Korell, dass sich viele Lkw nicht an die Beschilderung halten und mit ihren 40-Tonnern mitten durch die Innenstadt fahren - "vorbei am Seniorenwohnheim, Gaststätten, Geschäften, aber auch vielen Wohnhäusern." Zum Teil kam es dabei zu regelrechten Verkehrsproblemen: "Wir hatten Lkw, die etwa vor der Unterführung der Bundesstraße bei Rodenbach standen, nicht weiterkamen und zurücksetzen mussten oder in den Stadtteilen "herumirrten', wendeten und so weiter." Die Beschwerden der Anwohner reißen entsprechend nicht ab: "Ich habe die letzten Tage sehr viele Beschwerden von Anliegern bekommen, die entnervt ihre enorme Belastung zum Ausdruck brachten."

Die Stadt versucht gegenzusteuern, stößt dabei aber an ihre Grenzen. "Die Polizei und die Ordnungskräfte der Stadt kontrollieren nach ihren Möglichkeiten und nehmen Verkehrsverstöße auf", so Korell. "Teilweise haben wir bis zu drei Kräfte im Einsatz. Mehr können wir nicht aufbieten und dies auch nicht dauerhaft leisten." Erschwerend komme hinzu, dass darunter auch etliche ausländische Lkw-Fahrer seien, "mit denen die Verständigung schwierig ist." Immerhin: Der Austausch zwischen den Beteiligten laufe kontinuierlich, auch über mögliche Nachbesserungen bei der Beschilderung - "was auch schon zum Teil geschehen ist."

"Die Situation ist unbefriedigend und für viele Anlieger sehr belastend"

Trotz aller Bemühungen bleibt die Bilanz nach den ersten Tagen ernüchternd: "Die Situation ist sehr unbefriedigend und für viele Anlieger sehr belastend", räumt der Bürgermeister ein. "Wir werden sie weiter beobachten und Kontrollen durchführen." Immerhin gibt er sich vorsichtig optimistisch, dass sich die Lage bald normalisiert: "Ich hoffe, dass sich die Lage, nachdem die Sperrung nun ein paar Tage gilt und nun auch bekannt sein dürfte, entspannt."

Bis die B279 durch Gersfeld wieder frei befahrbar ist, dürfte es dauern: Im besten Fall ist die Maßnahme noch vor Weihnachten 2026 abgeschlossen, im wahrscheinlicheren Szenario mit Winterpause ziehen sich die Arbeiten bis Mai 2027. Bis dahin bleibt es für Anwohner, Pendler und den örtlichen Handel bei einem Balanceakt zwischen Verständnis für die notwendige Sanierung und dem Ärger über eine Umleitung, die - zumindest in der Praxis - noch nicht so funktioniert, wie sie sollte. (mmb) +++

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