"Starke Marken in Osthessen" (2)
Vorzeigebeispiel der Markenführung: Das ist das Erfolgsgeheimnis von Papperts
Archivfotos: ON/ Carina Jirsch
26.09.2026 / EICHENZELL -
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten profitieren Unternehmen zunehmend von einer starken Markenidentität. Klar ist: Eine konsistente Markenführung schafft Vertrauen - das führt zu einer langfristigen Kundenbindung. Dadurch werden starke Unternehmen widerstandsfähiger und schaffen es leichter, Krisen zu überwinden. In unserer Serie "Starke Marken in Osthessen" stellen wir Unternehmen vor, die mit ihrer klaren Positionierung weit über die Region hinaus Strahlkraft entwickeln.
In unserer Serie sprechen wir mit den Geschäftsführern starker Marken in Osthessen unter anderem darüber, was ihre Marke besonders erfolgreich macht, welche Rolle eine konsistente Strategie für langfristigen Erfolg spielt und darüber, was andere Unternehmen von ihnen lernen können. Heute Teil 2 der Serie. Im Interview: Papperts-Geschäftsführer Manfred Klüber.
Entstanden sind bis heute über 180 Standorte und ein Wiedererkennungswert, der weit über die Region Fulda hinausgeht – die Geschichte der Bäckerei Papperts ist ein Vorzeigebeispiel in Sachen Markenführung.
"Wir haben mit der Backware eine Marke geprägt und versucht, sie überall in den Vordergrund zu stellen. Das ist eine Entwicklung über eine ganz lange Zeit hinweg", sagt Manfred Klüber. Trotz kleiner Veränderungen sei der Kern dabei über Jahrzehnte derselbe geblieben: gleichbleibende Qualität – im Produkt, im Service und im Erscheinungsbild. Heute reicht das Liefergebiet bis in einen Radius von rund 100 Kilometern – von Nordhessen bis Schweinfurt und Würzburg.
Einen entscheidenden Wendepunkt in der Markengeschichte stellte vor rund 20 Jahren die Logoänderung dar. Weg vom klassischen "Pappert Bäckerei"-Schriftzug in Gelb, hin zu einem plakativen Rot – ohne den Zusatz "Bäckerei". Die Inspiration kam an einem unerwarteten Ort: dem Einkaufszentrum Kaiserwiesen in Fulda. "Da war Obi, da stand nirgendwo, dass es ein Baumarkt ist. Da war Adler, da stand nirgendwo, dass sie Mode verkaufen. Und dann haben wir gesagt: Das machen wir auch."
Damals war das mutig – vielleicht sogar gewagt. Heute ist das Ergebnis eindeutig: Das kräftige Rot von papperts ist im gesamten Einzugsgebiet unverwechselbar. Neben der visuellen Identität hat Papperts auch eigene Produktmarken geschaffen – "Handwerk", "Rhöner Korn" oder das Brot "1928" sind Beispiele, die über das einzelne Produkt hinaus zur Markenbildung beitragen. "Das schönste Kompliment ist, wenn Leute nicht mehr sagen, sie gehen zum Bäcker – sondern zu Pappert", so Klüber.
Was viele unterschätzen: Auch die Mitarbeitermarke ist bei Papperts bewusst aufgebaut worden. Faire Entlohnung, Fitnessstudio, monatliche Verzehrgutscheine, ein Weihnachtsfest mit Christbaum für jeden Mitarbeiter und ein Oktoberfest als feste Institution – all das gehört dazu. "Wir wollten zeigen, dass es ein saugeiles, modernes Berufsfeld ist", sagt Küber. Der Erfolg gibt ihm recht: Die Loyalität der Belegschaft ist hoch, viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten dabei.
"Das ist gelebte Regionalförderung für die Landwirte. Wir haben kurze Lieferwege und Wertschöpfung in der Region bei toller Qualität. Besser geht es nicht." Aber beim Kunden zählt vor allem etwas anderes: "Ich bin immer der Meinung: Entweder es schmeckt oder es schmeckt nicht. Wenn es nicht schmeckt, dann ist den Kunden das auch wurscht, ob der Mohn aus Eschwege kommt oder der Kümmel aus der Rhön."
Starke Marken brauchen Investitionen und den Mut dazu. Den hat Papperts zuletzt mit dem Neubau des Backhauses in Eichenzell-Rönshausen bewiesen – sichtbar von der A 7, direkt an der Kernregion. "Wenn wir der Marke kein Wachstum geben können, stirbt sie", erklärt Klüber die Entscheidung. Wer stehen bleibt, wird kleiner – weil alle anderen wachsen. "Die Schnellen fressen die Langsamen. Und wir wollten immer schnell sein." (Moritz Pappert) +++
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