Deutsche Luftfahrtgeschichte

"Willkommen zu Hause": Historische Ka 3 wird auf den Namen "Hessen" getauft

Auf der Wasserkuppe hat der Oldtimer-Segelflug-Club Wasserkuppe (OSC) sein restauriertes historisches Segelflugzeug vom Typ Ka 3 feierlich getauft.
Fotos: Marvin Hucke

16.08.2026 / POPPENHAUSEN (WAKU) - Ein Stück deutsche Luftfahrtgeschichte ist an seinen Ursprungsort zurückgekehrt: Auf der Wasserkuppe hat der Oldtimer-Segelflug-Club Wasserkuppe (OSC) sein restauriertes historisches Segelflugzeug vom Typ Ka 3 feierlich getauft. Als Taufpate wirkte Staatssekretär Michael Ruhl aus dem Hessischen Heimatministerium mit – das Flugzeug trägt künftig den Namen des Landes Hessen. Unter den Gästen war auch Hans-Georg Kaiser, Sohn des legendären Konstrukteurs Rudolf Kaiser.



"Heute ist ein besonderer Tag", eröffnete der Vereinsvorsitzende Marcus Diehl die Feierstunde vor Vereinsmitgliedern, Gästen und Freunden des Segelflugs. Mit großer Freude und ein wenig Stolz heiße man ein Flugzeug in der eigenen Mitte willkommen, das wie kaum ein anderes für die Geschichte des deutschen Segelflugs stehe. "Ein bisschen unscheinbar – aber auch dieses kleine Flugzeug hat eine große Geschichte." Dass ein so hochrangiger Taufpate gewonnen werden konnte, wertete der Verein als besondere Auszeichnung. Der Dank galt Staatssekretär Ruhl ausdrücklich dafür, sich die Zeit genommen zu haben, den historischen Kleinsegler auf den Namen Hessen zu taufen.

Der größte Oldtimer-Segelflugverein Deutschlands

Der OSC hat sich seit seiner Gründung der Pflege, dem Erhalt und dem aktiven Flugbetrieb historischer Segelflugzeuge verschrieben. Mit über 300 Mitgliedern, davon 84 aktiven Pilotinnen und Piloten, ist er heute nach eigenen Angaben der größte Verein seiner Art. Die Mitglieder kommen aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland – verbunden durch die Begeisterung für die Geschichte und die Faszination des lautlosen Fliegens.

Besonderer Dank galt dem Vereinsmitglied Marcus Keller, dessen außergewöhnliches Engagement das Restaurierungsprojekt maßgeblich ermöglicht hat. Der Einsatz sei beispielhaft, hieß es: Die Mitglieder engagierten sich nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell – "ein Beleg für die Gesundheit dieses Vereins".

Zurück an den Ort ihrer Entstehung

Die "Ka 3" ist untrennbar mit der Region verbunden. Entwickelt wurde sie vom legendären Konstrukteur Rudolf Kaiser, dessen Schaffen eng mit dem Segelflugzeugbau Alexander Schleicher im nahen Poppenhausen verknüpft ist. Generationen von Segelfliegern sammelten auf diesem Muster ihre ersten Erfahrungen und erlebten unzählige Stunden über der Rhön.

"Heute kann dieses Stück Luftfahrtgeschichte dorthin zurück, wo seine Wurzeln liegen: auf die Wasserkuppe, die Wiege des Segelflugs", so der Vereinsvorsitzende Diehl. Das Flugzeug sei mehr als Holz, Stahl und Bespannstoff – es sei ein Symbol für die Leidenschaft der Mitglieder. Viele hundert ehrenamtliche Arbeitsstunden, handwerkliches Können, technische Erfahrung und erheblicher persönlicher finanzieller Einsatz seien nötig gewesen, um das Projekt zu verwirklichen.



Einen besonderen Moment bescherte der Auftritt von Hans-Georg Kaiser, der stellvertretend für seine Familie sprach und die Technik des Flugzeugs erläuterte. Zehn Meter Spannweite messe die Maschine - im Grunde handele es sich um eine Ka 1, denn Flügel und Höhenleitwerk seien identisch – nur der Rumpf bestehe aus Stahlrohr. Kaiser zeichnete die Entstehungsgeschichte nach: Sein Vater habe 1952 die Ka 1 auf der Wasserkuppe eingeflogen. Damals lernten sich Alexander Schleicher und Rudolf Kaiser kennen – der Beginn einer lebenslangen Zusammenarbeit. Es folgte der Doppelsitzer Ka 2, ehe aus der Ka 1 mithilfe der damals neuen Stahlrohr-Technologie ein vereins- und privattauglicher Einsitzer entstand: die Ka 3. Sie war etwas leichter als das reine Holzflugzeug und ausdrücklich für den Eigenbau konzipiert – die Metallteile und Beschläge wurden zugeliefert, den Rest konnten Amateure zu Hause zusammenbauen.
Ein technisches Detail hob Kaiser besonders hervor: das V-Leitwerk, das im Segelflug eine Seltenheit darstellt. Die meisten Maschinen verfügten über Kreuz- oder T-Leitwerke. Mit Blick auf die Zuladung schmunzelte er: Anfangs sei das Flugzeug auf 85 Kilogramm ausgelegt gewesen, später auf 100 Kilogramm aufgestockt – "das wird bei mir nichts."

"Wissen, das sonst verloren ginge"

Kaiser dankte dem Verein ausdrücklich – und zwar nicht nur für den Erhalt der Flugzeuge selbst: "Sie halten damit auch eine Technologie am Leben, die sonst aussterben würde." Ein heute Zwanzigjähriger könne mit Kunststoff umgehen, komme aber kaum noch mit Holzbau, Bespannen und Lackieren in Berührung. Alles, was heute als modern gelte, sei irgendwann historisch: "Und das zu pflegen, ist eine der Kernaufgaben des OSC – das finde ich toll." Genau darin sieht auch der Verein seinen Auftrag. Man betreibt eine eigene zertifizierte Werkstatt, in der Restaurierungen durchgeführt und Lehrgänge veranstaltet werden. Hinzu kommen jährlich zehn bis elf Lehrgänge, zu denen unter anderem Luftsportgruppen aus ganz Deutschland anreisen. Die jungen Teilnehmer erleben dort hautnah, wie der Segelflug einst begann: mit Muskelkraft, Teamgeist und Begeisterung.



Bewegende Worte fand Marcus Keller, der die Restaurierung entscheidend vorangetrieben hat. Er erzählte, wie ihn schon als 14-Jähriger die Literatur über die Wasserkuppe fasziniert habe – jene Aufbruchstimmung der frühen Wettbewerbsjahre. Vor gut 26 Jahren habe er erstmals einen Fuß auf den Berg gesetzt. Als er später in der Zeitung las, dass der Verein die Ka 3 möglicherweise abgeben wollte, sei seine Reaktion eindeutig gewesen: "Kommt gar nicht infrage." Das Flugzeug bleibe hier. Aus diesem Impuls wurde ein Projekt, das ihn viele Stunden Arbeit kostete – und ihn zurück auf die Wasserkuppe führte. Lobend erwähnte er die Unterstützung durch das Luftfahrt-Bundesamt, das etwa eine Genehmigung für die historisch korrekte Kennzeichnung erteilte. Sein Fazit: "Ich bin froh, dass ich hier bin, ich werde hier bleiben – wir werden noch viele Dinge gemeinsam erledigen."

Bitte an die Landespolitik

Bei aller Feierlaune richtete der Verein auch einen deutlichen Blick nach vorn. Die Zukunft hänge entscheidend von einer verlässlichen Perspektive auf der Wasserkuppe ab. Die langfristige Sicherung der Räumlichkeiten im Gebäude 202 sei die Grundlage dafür, die ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen, die Werkstatt zu betreiben, junge Menschen auszubilden und historische Flugzeuge zu erhalten.

Entsprechend bat der Vorsitzende Diehl Staatssekretär Ruhl, sich in Abstimmung mit Finanzminister Lorz für ein langfristiges Erbbaurecht einzusetzen. Diese Planungssicherheit wäre weit mehr als Unterstützung für einen Verein: "Sie wäre ein Bekenntnis zum Erhalt eines einzigartigen Kulturgutes und zur Zukunft der historischen Segelfliegerei an ihrem Ursprungsort." Ruhl sagte zu, das Anliegen mit den zuständigen Kollegen zu besprechen.



In seinem Grußwort zeigte sich Michael Ruhl beeindruckt von der technischen Leistung, die hinter der Konstruktion steckt. Man müsse sich die Zeit kurz nach dem Krieg vergegenwärtigen, als Material knapp und teuer war – und dennoch ein Erfindergeist am Werk gewesen sei, der mit minimalem Materialeinsatz ein funktionierendes Flugzeug hervorbrachte. Bemerkenswert findet er, dass die Maschine selbst kaum 100 Kilogramm wiegt, aber mehr als ihr eigenes Gewicht tragen kann.

Der Staatssekretär unterstrich zudem die hessische Dimension des Segelflugs: Die deutsche und internationale Segelfliegerei sei ohne Hessen nicht denkbar – von den Konstruktionen in Darmstadt bis hin zur Fliegerei auf der Wasserkuppe, wo bereits in den 1920er-Jahren die berühmten Rhön-Segelflugwettbewerbe stattfanden und Geschichte geschrieben wurde.

Besonders hob Ruhl hervor, worin sich der Verein von einem Museum unterscheide: "Es geht nicht darum, ein Flugzeug zu restaurieren und auszustellen – Sie halten die Flugzeuge in der Luft." Damit zeige man nicht nur, wie die Maschinen aussahen, sondern auch, wie man mit ihnen tatsächlich geflogen ist. "Da gehört sehr viel Herzblut dazu." Sein Dank galt allen, die die vielen ehrenamtlichen Stunden investiert haben. Als kleine Anerkennung brachte er zudem eine Unterstützung für die weitere Vereinsarbeit mit.

Allzeit glückliche Landungen

Mit den besten Wünschen wurde die Ka 3 schließlich auf den Namen "Hessen" getauft. Vereinsvorsitzender Diehl brachte den Gedanken des Tages zum Abschluss auf den Punkt: Historische Flugzeuge würden nicht dadurch zu lebendiger Geschichte, dass man sie bewahre und ausstelle – sondern erst dann, wenn sie in ihr angestammtes Element zurückkehrten und wieder flögen. Sein Wunsch: viele sichere Flüge, allzeit glückliche Landungen und viele Jahre als fliegende Botschafterin des Landes Hessen und der Segelfluggeschichte der Wasserkuppe. Und dann, mit einem Lächeln: "Herzlich willkommen zu Hause, Ka 3." (Marvin Hucke) +++

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