"Zusammenhalt statt Spaltung"

SPD-Sommerfest: Tanja Hartdegen wirbt für demokratischen Zusammenhalt

Am Samstag feierte die SPD ihr Sommerfest in Fulda.
Fotos: Maja Geisen


16.08.2026 / FULDA - Beim Sommerfest des SPD-Stadtverbands Fulda am Samstag war die Landtagsabgeordnete Tanja Hartdegen zu Gast. Die Sozialdemokratin, die den Wahlkreis Hersfeld im Hessischen Landtag vertritt und zugleich die beiden Fuldaer Wahlkreise betreut, nutzte den Besuch für eine Bilanz der Landespolitik – und für einen eindringlichen Appell an die demokratischen Parteien wie an die Wählerinnen und Wähler.



"Da bin ich immer zu Gast, wenn es möglich ist, und freue mich, hier sein zu dürfen", sagte Hartdegen zu ihrer Teilnahme am Sommerfest. Den Termin verband sie mit einem weiteren Auftritt am selben Tag: Bereits am Vormittag hatte sie an einem Lesemarathon teilgenommen.

Für die Abgeordnete hat diese Sichtbarkeit einen tieferen Sinn. "Mir ist es wichtig, dass wir die demokratischen Parteien in den Städten sichtbar machen", betonte sie. Den Menschen müsse deutlich werden, dass Politik nicht aus einzelnen radikalen Forderungen bestehe, sondern aus Kompromissen: "Man muss immer versuchen, im Einklang mit den anderen demokratischen Parteien einen Kompromiss zu finden und das Beste für die Menschen vor Ort herauszuholen."

Bilanz zur Halbzeit der Wahlperiode

Nach eigener Einschätzung ist der SPD das im Land bislang gut gelungen. Auf dem Hessentag habe die Partei ihr Halbzeitprogramm verteilt, in dem nachzulesen sei, was man in der Koalition bereits erreicht habe. Hartdegen nannte beispielhaft den kostenfreien Meister sowie das jüngst verabschiedete Vergabe- und Tariftreuegesetz, das nun zur Anwendung komme.

Letzteres bewertet sie als doppelten Gewinn: "Das ist sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut als auch für die Verwaltungen in den Kommunen, weil es viel einfacher ist, Aufträge zu vergeben." Zugleich belohne das Gesetz Firmen vor Ort, die Tariflöhne zahlten und damit gute Arbeitsplätze böten.

Ein weiteres Steckenpferd der Partei sei die Bildungspolitik. Als rechtspolitische Sprecherin ihrer Fraktion verwies Hartdegen zudem auf Fortschritte bei der Sicherheit von Frauen: Mit dem Frauensicherheitspaket sei unter anderem die elektronische Fußfessel nach spanischem Modell in Hessen eingeführt worden.

"Das ist das Wesen einer Koalition"

Deutliche Worte fand die Abgeordnete zum verbreiteten Vorwurf, die SPD verwässere in der Regierungsarbeit ihre eigenen Positionen. "Wir können in einer Koalition natürlich keine reine SPD-Politik machen", stellte sie klar. SPD und CDU seien verschiedene Parteien mit unterschiedlichen Ausrichtungen, Grundsatzprogrammen und Grundwerten. "Da muss jeder ein bisschen von seinen Überzeugungen abgeben, um zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Das ist das Wesen einer Koalition."

Ähnlich ordnet sie die Auseinandersetzungen auf Bundesebene ein, die von vielen als Dauerstreit wahrgenommen würden: "Das ist kein Streit, das sind Diskussionen um das beste Ergebnis – und das gehört in einem demokratischen Miteinander dazu."

Sorge vor dem Erstarken radikaler Kräfte

Sichtlich bewegt zeigte sich Hartdegen mit Blick auf die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt. Die demokratischen Parteien müssten gemeinsam dafür sorgen, dass radikale Kräfte kleiner würden – bei gleichzeitiger Wahrung der eigenen Identität. "Das ist schwierig, das ist nicht einfach", räumte sie ein.

Ihr Appell richtete sich ausdrücklich auch an die Wählerschaft: Man möge bei der Wahlentscheidung berücksichtigen, dass es immer darauf ankomme, Kompromisse zu finden – und dass dafür jeder von seinen Maximalforderungen zurücktreten müsse.

Auf die Frage, was ein Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und im Osten für die Bundespolitik bedeuten würde, antwortete die Abgeordnete: "Dann muss man sich wirklich etwas einfallen lassen." Man könne einen solchen Ausgang nicht abtun – für die Menschen vor Ort wäre er ein großes Problem. Besonders gefährlich findet sie die Haltung, man solle radikale Parteien einfach einmal regieren lassen: Schon am Programm der AfD lasse sich ablesen, dass tiefgreifende Umbauten geplant seien, etwa am Rechtssystem, beim Rundfunkstaatsvertrag oder in der Bildungspolitik samt Inklusion. "Solche Dinge lassen sich hinterher nur sehr schwer wieder zurückdrehen." Hinzu komme, dass eine AfD-geführte Landesregierung im Bundesrat mitentscheiden würde.

"Zusammenhalt statt Spaltung"

Ihre Schlussfolgerung für die Bundespolitik formulierte Hartdegen als Auftrag an alle demokratischen Kräfte: Man müsse die Menschen noch stärker davon überzeugen, dass nur sie die Probleme wirklich angehen und einen Ausgleich schaffen könnten – zwischen Arm und Reich, Jung und Alt, zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte sowie zwischen queeren Personen und allen anderen. Eine radikale Partei leiste das aus ihrer Sicht nicht: "Die will die Menschen eher aufeinander hetzen, als sie miteinander zu verbinden."

Ihr Fazit fiel entsprechend grundsätzlich aus: Eine Zukunft für ein Deutschland, in dem man in Freiheit und Frieden leben könne, sei nur mit demokratischen Parteien möglich. (Marvin Hucke) +++

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