Professorin Dr. Henny Annette Grewe

Bundesverdienstkreuz am Bande für Fuldaer Gesundheitswissenschaftlerin

Professorin Dr. Henny Annette Grewe (i.R.) mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande
Foto: privat

15.08.2026 / FULDA - Wenn das Thermometer tagelang über 30 Grad klettert, bedeutet das für viele Menschen eine ernsthafte Gesundheitsgefahr. Chronisch Kranke, Ältere, Pflegebedürftige, Kinder, Schwangere und Ungeborene sind besonders gefährdet. Gleiches gilt für Menschen, die im Freien arbeiten, die keinen festen Wohnsitz haben oder körperlich arbeiten, wie viele Beschäftigte im Gesundheitswesen.



Professorin Dr. Henny Annette Grewe (i.R.) hat früh auf die gesundheitlichen Folgen extremer Wetter- und Umweltbedingungen aufmerksam gemacht. Für ihre wegweisende Arbeit zum Gesundheitsschutz bei Hitze ist die Fuldaer Gesundheitswissenschaftlerin am vergangenen Freitag in ihrem Heimatlandkreis Uelzen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.

Die Medizinerin lehrte und forschte von 1995 bis 2023 als Professorin am Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hochschule Fulda. 2008 gründete sie gemeinsam mit Professorin Dr. Beate Blättner die Arbeitsgruppe "Klimawandel und Gesundheit" und baute den Forschungsschwerpunkt an der Hochschule Fulda auf. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Gesundheitsschutz, Prävention und Versorgung an die zunehmenden Hitzeextreme angepasst werden können. Im Blick hatte sie dabei insbesondere die vulnerablen Bevölkerungsgruppen. Auch ein System zur Beobachtung hitzebedingter Sterblichkeit entwickelte sie mit ihrem Team, um Risiken besser sichtbar zu machen und Maßnahmen gezielter planen und umsetzen zu können.

Aus Forschung werden Lösungen

Neben ihrer Forschungstätigkeit setzte sich Professorin Grewe dafür ein, aus den Forschungsergebnissen konkrete Lösungen für die Praxis zu entwickeln. Sie beriet zahlreiche Kommunen, Länder und Einrichtungen bei der Entwicklung von Hitzeschutzmaßnahmen und Hitzeaktionsplänen. Aktuell lotet sie mit einem interdisziplinären Team die Machbarkeit von Regelungen und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz bei Hitze auf Ebene des Bundes aus.

2024 veröffentlichte sie das Handbuch "Vor Hitze schützen. Ein Handbuch für Pflege- und Gesundheitseinrichtungen", ein unentbehrliches Nachschlagewerk für Beschäftigte, Entscheiderinnen und Entscheider. Es liefert konkrete Empfehlungen zum Schutz von Patientinnen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohnern in Pflegeeinrichtungen sowie zum Eigenschutz der Beschäftigten. Und es hilft zu verstehen, warum bereits die heutigen Wetterbedingungen gefährlich sind und diese Gefahr künftig noch deutlich größer werden wird.

Über regionale Grenzen hinaus

"Professorin Dr. Grewe hat mit ihrer Arbeit Maßstäbe für die angewandte Forschung gesetzt", würdigt Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar das Wirken der Wissenschaftlerin. "Mit ihrer Forschung und ihrem unermüdlichen Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu bringen, hat sie das Profil der Hochschule maßgeblich geprägt. Wir gratulieren Frau Professorin Grewe zu dieser bedeutsamen Auszeichnung."

Der Dekan des Fachbereich Gesundheitswissenschaften, Professor Dr. Benjamin Ewert, unterstreicht: "Professorin Dr. Grewe hat Pionierarbeit geleistet und mit ihrem Wirken die dringend notwendigen Anpassungen an extreme Hitzeperioden beschleunigt. Mit ihrem Einsatz hat sie zugleich unserem Fachbereich eine bundesweite Sichtbarkeit verliehen. Wir freuen uns sehr, dass sie uns auch nach ihrem Wechsel in den Ruhestand mit ihrer Expertise in der Forschung zur Verfügung steht."

Weiterhin aktiv für Hitzeschutz

So wirkt Professorin Grewe im Forschungsprojekt HABITAT als Expertin im Advisory Board mit. HABITAT ist ein durch das Hessische LOEWE-Programm finanzierter Forschungsverbund aus den Fachbereichen Medizin und Geographie der Universität Marburg und dem Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Hochschule Fulda. Die Forschenden wollen bis 2027 ein funktionierendes Prognosesystem zur Vorhersage individueller Risiken bei Hitze und schnellen Wetterwechseln für Menschen mit chronischen Krankheiten entwickeln mit dem Ziel, die Risiken akuter Verschlimmerungen des Gesundheitszustandes zu verringern bzw. die gezielte Zuordnung knapper Ressourcen im Gesundheitsversorgungssystem vorhersagbar und planbar zu machen. (nia/pm) +++

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