"Meine Kamera ist meine Sprache"
Eröffnung der Fotoausstellung "Jüdisches Leben in Deutschland"
Fotos: Katholische Akademie Fulda
14.08.2026 / FULDA -
Rafael Herlich begleitet mit seiner Kamera seit vielen Jahrzehnten jüdisches Leben in Deutschland. Einige seiner eindrucksvollen Bilder werden derzeit in einer Ausstellung der Katholischen Akademie im Fuldaer Bonifatiushaus gezeigt.
"Wir wollen heute über jüdisches Leben sprechen. Rafael Herlich hat das wunderbar in seinen Bildern eingefangen", betont Akademiedirektor Gunter Geiger bei seiner Begrüßung. Die Aufnahmen laden dazu ein, genauer hinzusehen. Dies könne Nähe schaffen. Geiger weist zudem darauf hin, dass Herlichs Fotos auch das Miteinander der Religionen aufzeigen. So ist in der Ausstellung eine Aufnahme mit drei Bundeswehrangehörigen zu sehen: ein Jude, ein Christ und ein Muslim, jeweils mit den Heiligen Büchern in der Hand, auf denen ihre jeweilige Religion gründet.
Geiger begrüßte besonders Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Fulda. Deren Vorbeter Roman Melamed freute sich über die "tollen Fotos". Er werde die Ausstellung auch gerne gemeinsam mit Mitgliedern der Gemeinde besuchen.
Ein besonderes Erlebnis für einen jüdischen Jungen ist die Bar Mizwa. Mit 13 Jahren erreicht er die religiöse Volljährigkeit. In der Synagoge wird er dazu aufgerufen, aus der Tora vorzulesen. Es ist ein großes Familienfest mit Eltern und Großeltern. Dass auch über einem solchen Familienfest der Schatten der Vergangenheit liegen kann, zeigt ein Foto der Ausstellung. Darauf ist ein Junge mit seinen stolzen Großeltern zu sehen. An ihren Armen sind die Tätowierungen mit den Häftlingsnummern aus Auschwitz zu erkennen.
Der Fotograf wurde 1954 in Tel Aviv, Israel, geboren. Sein Vater verließ die Familie kurz nach seiner Geburt. 1975 ging Herlich nach Deutschland und lebt seitdem in Frankfurt. In Polen wollte er mehr über seine Familie erfahren. Vergeblich: Er fand keine Bilder, keine Gesichter. Sinnbildlich dafür steht für ihn eine Fotografie, die in Auschwitz entstand. Am Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" machte er eine Aufnahme von einer Gruppe. Dann bat er die Fotografierten, sich umzudrehen, und nahm sie von hinten auf – gesichtslos.
Ein Bild der Ausstellung zeigt einen Juden mit Kippa in einer Kneipe beim Feiern mit anderen. Rafael Herlich ist sich dabei im Klaren, dass die Realität für Juden hierzulande anders aussieht und eher von Angst geprägt ist – besonders seit dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel.
In der Zeit nach dem Anschlag ging Herlich an die Universität in Frankfurt. Er stellte sich den Studenten vor und fragte sie, ob er von ihnen ein Porträt machen dürfe – als Statement gegen Antisemitismus. Einige hätten auch erläutert, weshalb sie sich an dem Projekt beteiligten. Das gibt ihm Hoffnung.
Wichtig ist Rafael Herlich auch das Miteinander der Religionen. Bei einem "Fest der Religionen" in Frankfurt kam ihm die Idee zu einem Projekt. Er machte an den Ständen der verschiedenen Religionen Fotos. Auch besuchte er eine Moschee, sprach mit dem Imam und fotografierte. Er betont, dass er sich den Beteiligten immer vorstellt und erklärt, wer er ist.
Besonders gefreut hat ihn, dass die Stadt Frankfurt die Fotos für das Projekt auf einer U-Bahn anbrachte, die damit durch die Mainmetropole fuhr – und so in die breite Öffentlichkeit gelangte. Die Ausstellung "Jüdisches Leben in Deutschland" ist noch bis zum 11. September 2026 in der Katholischen Akademie im Bonifatiushaus in Fulda zu sehen.
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag: 9:00 bis 18:00 Uhr
Freitag: 9:00 bis 12:00 Uhr
Interessierte sind herzlich eingeladen, die Ausstellung während der Öffnungszeiten zu besuchen. (mp/pm) +++