Grausame Tat in Fulda

"Mach die Alte kalt" - Der brutale Mord an Dorit Botts vor 25 Jahren

Die Florengasse im Jahr 2001. In der Hausnummer 51 kam es hier vor 25 Jahren zu einem grausamen Mord. Opfer wurde die 54-jährige Geschäftsinhaberin Dorit Botts.
Fotos (2): Stadtarchiv Fulda/Stadt Fulda

17.08.2026 / FULDA - Am 17. August 2026 jährt sich ein grausames Verbrechen in der Fuldaer Innenstadt. Vor genau 25 Jahren wurde in der Florengasse Dorit Botts in ihrem Geschäft brutal ermordet. Wenig später zeigt ein Prozess, dass der Täter Verbindungen in die rechtsextreme Szene hatte.



Wer heute durch die Fuldaer Florengasse schlendert, findet keinen Hinweis mehr auf die schreckliche Tat, die hier vor 25 Jahren stattfand. Mit Kopfstein gepflastert verbindet sie die Dalberg- und die Künzeller Straße. Wohngebäude nebst kleineren Geschäften und Cafés säumen sich am Wegesrand – es ist beschaulich in der engen Straße.

Als die Einsatzkräfte am 17. August 2001 den Military Shop in der Hausnummer 51 betraten, bot sich ihnen hingegen ein grausamer Anblick. Die Geschäftsinhaberin, eine 54-Jährige, war brutal mit einem Messer attackiert worden – an ihrem Geburtstag. Der Täter flieht mit Bargeld und verschiedenen Bekleidungsstücken, wird aber wenig später bereits gefasst. Ganze 13-mal stach er auf die Ladenbesitzerin ein, schnitt ihr anschließend die Kehle durch. Dorit Botts verblutete.

Beim Täter handelte es sich um Frank R., einen zur Tatzeit 18-Jährigen aus Thüringen. Informationen über sein Leben sind in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Im März 2002 verurteilt das Landgericht Erfurt unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Anwendung des Jugendstrafrechts Frank R. wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge zu neun Jahren und zwei Monaten Haft. Der Fall schien relativ schnell abgeschlossen.

Verbindungen in die rechtsextreme Szene

Erneute Bewegung im Fall gab es dann über zwei Jahre später. Die Staatsanwaltschaft Erfurt brachte den Fall erneut vor das Landgericht – diesmal um vorrangig über das tatherrschende Motiv zu verhandeln. Demnach waren neue Erkenntnisse ans Tageslicht gelangt, nachdem der verurteilte Täter Frank R. eine weitere Person der Anstiftung beschuldigte. Auch OSTHESSEN|NEWS berichtete über den zweiten Prozess. Bei dem neuen Beschuldigten handelte es sich um einen zum Zeitpunkt der Verhandlung 23-Jährigen, der zur Tatzeit ein vermeintlicher Freund des Täters war. Dieser soll Kontakte in die rechte Szene gehabt haben und gehörte "der 'Gruppe der Heiden' an, deren Mitglieder Anhänger der 'Nordischen Mythologie' waren."

"Er (der Freund des Täters) habe bei den Zusammenkünften der Gruppe Reden über Göttermythologie, Rituale, Odin und Thor sowie zu den Wikingern verbreitet. Der Angeklagte (das heißt der Mörder der Dorit Botts) habe sich hiervon beeinflussen lassen und habe ebenfalls zur "Gruppe der Heiden" dazugehören wollen. Er sei vom Zusammenhalt der Gruppe begeistert gewesen und habe einer der "Jünger" dieser Person sein wollen. Aus den Urteilsgründen wird deutlich, dass die "Gruppe der Heiden" eine deutliche Nähe zur rechten Szene hatte", heißt es im Schreiben der Staatsanwaltschaft Erfurt an O|N.

Die Verbindungen in die rechte Szene wurden ersichtlich, das Tatmotiv wurde jedoch im persönlichen Bereich verortet. So soll der Täter Frank R. durch den Anstifter persönlich unter Druck gesetzt worden sein, der ihn und die Anhänger "mit seinen Reden über Göttermythologien beherrscht" habe, wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Weder das Gericht noch die Staatsanwaltschaft vertraten demnach die Meinung, dass ein neonazistisches Motiv vorherrschend für die Tat war. "Warum gerade Frau Botts sterben musste, konnte in der Hauptverhandlung letztlich nicht geklärt werden", wie es auf Nachfrage von O|N heißt. Der wegen Anstiftung zum Mord Angeklagte wurde letztendlich von den Vorwürfen freigesprochen.

Die politische Debatte um öffentliches Gedenken

In Fulda erinnert heute nichts mehr an den schrecklichen Mord an der damals 54-Jährigen. Über die Anbringung einer Gedenktafel wurde auf lokaler Ebene diskutiert. Ein Antrag im Stadtparlament aus dem Jahre 2019 zur Ermöglichung eines öffentlichen Gedenkens an den Mordfall wurde jedoch abgelehnt. In den ehemaligen Räumen des Military Geschäfts befindet sich heute das Café Auszeit.

Seit der Tat gab es wiederholt politische Bestrebungen, Dorit Botts als Opfer rechtsextremer Gewalt anzuerkennen. Im Jahr 2011 stellte die Partei Die Linke auf Bundesebene eine Anfrage, in der sie auf 137 Tötungsdelikte seit 1990 mit rechtsextremem Hintergrund verwies, die keinen Eingang in die Statistik politisch rechts motivierter Straftaten fanden. Darin auch enthalten der Mordfall Dorit Botts:

"Wird von der Bundesregierung die Tötung der 54-jährigen Dorit B. durch den Rechtsextremen Frank R. am 17. August 2001 in Fulda (Hessen) gemäß den Kriterien der PMK-rechts als politisch motivierte Straftat erfasst? Falls nein, wie begründet die Bundesregierung, dass dieser Fall nicht als politisch rechts motivierte Straftat kategorisiert wird?" (Große Anfrage DIE LINKE, Drucksache 17/5303 Bundesebene)

Verfahrenserkenntnisse wurden nicht übermittelt

Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf den Antrag inhaltlich richtig zu Protokoll gibt, ist es Aufgabe der jeweiligen Bundesländer, eine Straftat als politisch motiviert zu bewerten. Aus dem Schreiben der Staatsanwaltschaft wird deutlich, dass es keinen Erkenntnisaustausch mit den hessischen Behörden gab: "Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat nach Abschluss der Verfahren keine Verfahrenserkenntnisse an die hessischen Sicherheitsbehörden übermittelt."

Nach gut 25 Jahren ist der Mordfall nun weitestgehend in Vergessenheit geraten. Seit dem Antrag im Stadtparlament vor sieben Jahren gab es keine Bestrebungen mehr, ein öffentliches Gedenken zu ermöglichen. (Nikolas Krudewig) +++

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