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Zwei Kandidaten, viele Ideen: So wollen die Kandidaten Wartenberg gestalten

Norbert Wienold und Karsten Ittmann gemeinsam mit den Moderatorinnen Annika Rausch und Claudia Kempf nach der Podiumsdiskussion im Wartenberger-Oval.
Fotos: Justin Klenner

14.08.2026 / WARTENBERG - Nach zwölf Jahren endet in Wartenberg eine Ära: Der amtierende Bürgermeister Olaf Dahlmann (SPD) scheidet im Januar 2027 aus dem Amt. Am 30. August wählen die Bürgerinnen und Bürger seinen Nachfolger. Für das Bürgermeisteramt kandidieren Karsten Ittmann (parteilos) und Norbert Wienold (parteilos). Die beiden Bewerber stellten sich am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion des Lauterbacher Anzeigers im gut besetzten Wartenberg-Oval vor.



Die Moderatorinnen Annika Rausch (Redakteurin) und Claudia Kempf (Redaktionsleiterin) führten die zahlreichen Besucher gewohnt humorvoll, zugleich aber professionell durch den Abend. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde beantworteten die Kandidaten Fragen der Moderatorinnen sowie der Bürgerinnen und Bürger.

Zwei unterschiedliche Kandidatenprofile

Die Wege der beiden Bewerber zur Bürgermeisterkandidatur könnten kaum unterschiedlicher sein. Wienold bezeichnete sich selbst als "Überraschungskandidaten". Seine späte Kandidatur erklärte er offen: "Ich habe die Abgabefrist verpennt, so ehrlich bin ich." Dennoch wolle er sich für die Gemeinde engagieren, Veränderungen anstoßen und keine unrealistischen Versprechen machen. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen hat der Lokführer seinen Wahlkampf vor allem im direkten Austausch mit Bürgern sowie über soziale Medien geführt. Den Arbeitsaufwand des Bürgermeisteramtes scheue er als langjähriger Vorsitzender eines Schützenvereins nicht.

Ittmann ist seit vielen Jahren kommunalpolitisch aktiv und zeigte sich überzeugt, der richtige Kandidat für das Bürgermeisteramt zu sein. Er habe sich bewusst zur Wahl gestellt, um eine weitere Amtszeit des bisherigen Bürgermeisters zu verhindern. "Ich bin mit der Arbeit in den letzten zwölf Jahren nicht zufrieden", erklärte er. Als langjähriger Kritiker der bisherigen Kommunalpolitik wolle er nicht nur Missstände benennen, sondern auch Verantwortung übernehmen und konkrete Lösungen umsetzen.

Ortsumgehung bleibt zentrales Streitthema

Die geplante Ortsumgehung beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger seit Jahren und hat die Gemeinde stark polarisiert. Bei den beiden Kandidaten herrscht allerdings weitgehend Einigkeit. Wienold sprach sich klar für die Umsetzung des Projekts aus. Zwar halte er ein Bürgerbegehren grundsätzlich für möglich, gehe aber davon aus, "dass die Mehrheit der Bürger die Umgehung befürwortet".

Auch Ittmann unterstützt das Vorhaben. Die grundsätzliche Entscheidung für den Bau sei gefallen, nun müsse die Gemeinde darauf vorbereitet sein. "Als Bürgermeister spielt meine persönliche Meinung keine Rolle", betonte er und erhielt dafür viel Applaus aus dem Publikum.

Unterschiedliche Vorstellungen für die Ortsentwicklung

Beim ungenutzten Gelände des ehemaligen Gasthofs "Zum Löwen" gingen die Vorstellungen der Kandidaten auseinander. Ittmann kritisierte, dass die Gemeinde das Gebäude ohne ein klares Nutzungskonzept erworben habe. Er sieht dort Potenzial für eine neue Gastronomie, Freizeitangebote und zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten. "Wir haben viele Monteure, die zu uns kommen. Die haben aber kaum Möglichkeiten, in Wartenberg zu übernachten", sagte er. Die Umsetzung sei jedoch nur gemeinsam mit Investoren möglich.

Wienold setzt dagegen stärker auf öffentliche Begegnungsräume. Er kann sich auf dem Gelände einen zentralen Treffpunkt mit Grünflächen, Bäumen und Sitzgelegenheiten vorstellen. Auch beim Klimaschutz sieht Ittmann Handlungsbedarf. Angesichts steigender Temperaturen müssten öffentliche Gebäude künftig besser an Hitzebelastungen angepasst werden.

Sportzentrum und Gemeindefinanzen im Fokus

Zum geplanten Sportzentrum bekannten sich beide Kandidaten. Ittmann unterstrich die Bedeutung von Fördermitteln und kündigte an, alle verfügbaren Programme ausschöpfen zu wollen. "Als Bürgermeister muss man dranbleiben", sagte er. Gleichzeitig sei ein gewisser Eigenanteil der Gemeinde unvermeidbar. Steuererhöhungen schloss er dabei aus. Wienold verwies darauf, dass bereits Förderanträge mit einem Volumen von 800.000 Euro auf den Weg gebracht worden seien.

Mit Blick auf die angespannte Finanzlage der Kommunen erwarten beide schwierige Jahre. Für Ittmann bleiben Steuererhöhungen nur das letzte Mittel. Stattdessen setzt er auf weitere Fördermittel, die Entwicklung des Gewerbegebiets und mögliche Einnahmen aus zusätzlichen Windkraftanlagen. Wienold sieht hingegen nur begrenzte Spielräume und brachte als möglichen Ansatz eine stärkere Nutzung des Wartenberg-Ovals für Veranstaltungen ins Gespräch.

Ideen für Verkehr, Bahnhof und Gesundheitsversorgung

Zur Entlastung der Verkehrssituation schlug Ittmann unter anderem nächtliches Tempo 30 sowie bauliche Verbesserungen an der Ortsdurchfahrt vor. Wienold forderte mehr Druck auf Hessen Mobil, um bestehende Probleme schneller anzugehen. Für das ehemalige Bahnhofsgebäude in Angersbach brachte Wienold erneut die Idee eines Cafés oder einer Fahrradwerkstatt ins Spiel. Ittmann sieht für solche Konzepte jedoch nur begrenzte wirtschaftliche Perspektiven und sprach sich stattdessen für die Ansiedlung eines Facharztes aus, um die medizinische Versorgung in der Gemeinde zu stärken.

Schwerpunkte bei Senioren, Familien und Tourismus

Beide Kandidaten sehen bei Angeboten für Senioren weiteren Handlungsbedarf. Ittmann möchte altersgerechtes Wohnen fördern und entsprechende Investoren gewinnen. Gleichzeitig verwies er auf bestehende Angebote wie den Bürgerbus. Für junge Familien sieht er Wartenberg mit Kindergärten, Grundschule, Freibad und medizinischer Versorgung bereits gut aufgestellt. Wienold erkennt insbesondere in Landenhausen Entwicklungspotenzial und verweist auf freie Kitaplätze. Im Bereich Tourismus sehen beide zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten als wichtigen Ansatzpunkt. Darüber hinaus sprach sich Ittmann für den Ausbau des Radwegenetzes sowie weiterer Wohnmobilstellplätze aus.

Bürgernähe als gemeinsames Wahlversprechen

Bei der Frage nach ihrem Führungsstil versprachen beide Kandidaten, als Bürgermeister nah an den Menschen zu bleiben. Ittmann kündigte regelmäßige Bürgersprechstunden an und möchte weiterhin auf Vereinsveranstaltungen und Festen präsent sein. Wienold betonte, Bürger könnten jederzeit mit ihren Anliegen auf ihn zukommen.

Kritische Nachfragen aus dem Publikum

Im Anschluss stellten sich beide Kandidaten den Fragen der Besucher. Wienold musste dabei seine fehlende kommunalpolitische Erfahrung thematisieren. Er räumte ein, keine spezielle fachliche Ausbildung für das Bürgermeisteramt zu besitzen, betonte jedoch seinen sparsamen Umgang mit öffentlichen Geldern.

Ittmann wurde unter anderem zu seinem Bürgermeister-Lehrgang und seiner Parteilosigkeit befragt. Er erklärte, Kommunalpolitik benötige keine Ideologie. Entscheidend seien Lebenserfahrung, soziale Kompetenz, eine enge Verbundenheit zur Gemeinde und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Auch die Wasserversorgung wurde diskutiert. Beide Kandidaten betrachten die Entwicklung der Grundwasserstände mit Sorge, betonten jedoch, dass derzeit keine akute Versorgungskrise in Wartenberg bestehe.

In ihren Schlussworten warben beide Bewerber um das Vertrauen der Wähler. Während Wienold vor allem seine Bereitschaft hervorhob, zuzuhören und der Gemeinde zu dienen, verwies Ittmann auf seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung und seine konkreten Vorstellungen für die Weiterentwicklung Wartenbergs. (jk) +++

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