700 Kräfte bekämpften Großbrand
Einer der größten Waldbrände Hessens seit 30 Jahren: Jung besucht Forstamt
Fotos: Edgar Backmann
14.08.2026 / RODENBACH -
Hessens Forstminister Ingmar Jung hat sich bei einem Besuch im Forstamt Hanau-Wolfgang über die Schäden informiert, die der große Waldbrand vom 10. August (OSTHESSEN|NEWS berichtete bereits) in Rodenbach im Staatswald verursacht hat. Vor Ort machte er sich ein Bild von der Lage und tauschte sich mit zahlreichen Beteiligten aus. Jung dankte den Feuerwehren, Brandschutzdienststellen sowie den Beschäftigten des Forstamts Hanau-Wolfgang für ihren Einsatz.
Der Waldbrand war am Montag, 10. August, gegen 11.45 Uhr ausgebrochen. Zunächst wurden zwei Brandherde zwischen Rodenbach und der bayerischen Landesgrenze gemeldet, später kam ein weiterer Brandherd in Oberrodenbach hinzu. Nach Angaben von HessenForst wurden rund 30 Hektar Wald beschädigt. Das von den Einsatzkräften überwachte Gebiet umfasste hingegen knapp 50 Hektar, um eine weitere Ausbreitung durch Funkenflug zu verhindern. Auch Tage nach dem Brand waren Nachlöscharbeiten und Kontrollen erforderlich.
Enorme Schäden im Wald
Die Schäden im betroffenen Waldgebiet sind erheblich. Betroffen sind unter anderem Kiefern-, Buchen- und Baumhaselbestände sowie weitere Mischwälder. Auch eine rund sechs Jahre alte Aufforstungsfläche wurde zerstört. Teilweise fielen sogar etwa 80 Jahre alte Kiefern dem Feuer zum Opfer. Das Brandgebiet liegt auf sandigen und trockenen Böden, die ohnehin als schwierig für die Wiederbewaldung gelten. Nach Angaben des Forstministeriums hat die Waldbrandvorsorge deshalb einen hohen Stellenwert. Dazu setzt das Land auf verschiedene Maßnahmen. Waldumbau als vorbeugender Brandschutz
Im Staatswald soll der Umbau von nadelholzgeprägten Beständen zu artenreichen Mischwäldern das Waldbrandrisiko langfristig senken. "Das reduziert langfristig die Waldbrandgefahr. Auch für die Minimierung des Waldbrandrisikos benötigen unsere hessischen Forstleute vollen Zugriff auf die breite Palette möglicher Baumarten. Eingebrachte Laubbäume müssen gleichermaßen resistent gegen Trockenstress und weniger anfällig gegen Waldbrände sein", erklärte Jung. Als Beispiel nannte er die ursprünglich aus Nordamerika stammende Roteiche. Zudem verschafft die Aussetzung der FSC-Zertifizierung den Forstexperten mehr Handlungsspielraum. Auch die 2025 beschlossenen Waldentwicklungsziele sollen den Waldumbau unterstützen. Mehr Wasserrückhalt im Wald
Eine zentrale Rolle spielt darüber hinaus die Förderung des Wasserrückhalts. Durch die Renaturierung von Waldmooren und Gewässern, die Anlage von Teichen und Versickerungsmulden sowie das Verschließen oder Umleiten von Gräben sollen feuchtere und damit weniger brandanfällige Waldbereiche entstehen. Für diese Maßnahmen wurden 2024 und 2025 nach Angaben des Ministeriums rund 3,6 Millionen Euro aus Mitteln des Klimaplans Hessen investiert. Für 2026 stehen weitere 1,5 Millionen Euro bereit.
Technische Ausrüstung ausgebaut
HessenForst hat seine technische Ausstattung zur Waldbrandbekämpfung in den vergangenen Jahren erweitert. Alle Revierleiterinnen und Revierleiter verfügen inzwischen über Löschwasserrucksäcke. Zudem wurden spezielle Forstschlepper beschafft, die Einsätze im Wald erleichtern. Seit 2025 verfügt HessenForst über ein Waldbrandpräventionskonzept. Ziel ist es, besonders gefährdete Waldgebiete zu identifizieren und dort Maßnahmen wie Waldumbau oder die Reduzierung von Totholz vorrangig umzusetzen. Das Konzept steht den Waldbesitzern auf der Internetseite von HessenForst zur Verfügung. Regelmäßige Übungen mit Feuerwehren
Gemeinsame Waldbrandübungen von Forstämtern und örtlichen Feuerwehren finden regelmäßig statt. Darüber hinaus werden Führungskräfte der Forstämter an der Landesfeuerwehrschule fortgebildet. "Diese gemeinsamen Übungen und Fortbildungen mit den Feuerwehren sind besonders wichtig, um auch in der Krise die richtigen Ansprechpartner zu kennen", sagte Jung. Digitale Waldbrandeinsatzkarten
Landesweit einheitliche digitale Waldbrandeinsatzkarten liefern wichtige Informationen zu Wegen und Infrastruktur im Wald. Sie ermöglichen den Einsatzkräften im Ernstfall einen schnellen Lageüberblick und erleichtern die Planung der Löscharbeiten. Gerade in abgelegenen Waldgebieten stellt die Löschwasserversorgung eine besondere Herausforderung dar. Deshalb werden geeignete Standorte für mobile Wasserbehälter gemeinsam von Forstämtern und Feuerwehren erfasst und in den Karten hinterlegt. Waldbrandvorsorge nun gesetzlich gestärkt
Mit der Novelle des Hessischen Waldgesetzes im Mai 2026 wurde auch die Waldbrandvorsorge gestärkt. "Damit haben wir gesetzgeberisch auf die zunehmenden Gefahren durch Waldbrände in unserem Land reagiert", erklärte Jung. Demnach können die unteren Forstbehörden waldbrandrelevante Informationen, etwa zu Waldwegen, bei Waldbesitzern anfordern oder selbst erheben. Hintergrund
Nach Angaben des Forstministeriums gab es in Hessen im laufenden Jahr rund 140 Waldbrände mit einer Schadfläche von knapp 55 Hektar. Davon entfallen etwa 30 Hektar auf den Brand bei Rodenbach. Die Feuerwehr beziffert die Einsatzfläche dort auf rund 51 Hektar. Diese liegt erfahrungsgemäß über der tatsächlich beschädigten Waldfläche, die von den Forstämtern erfasst wird. (pm/jk) +++