Auch Kerzell stellt Bewässerung ein

"Sport scheint wichtiger als der Bürger": Warum Plätze bewässert werden

Trotz Trinkwassernotstand und anhaltender Trockenheit werden einzelne Sportplätze in Osthessen weiterhin bewässert.
Fotos: Maurice Schumacher

14.08.2026 / REGION - "Der Trinkwassernotstand ist ausgerufen: Scheint aber nicht jeden zu interessieren!": So zumindest die Meinung einiger O|N-Leser. Braune Wiesen, trockene Gärten, Appelle zum Wassersparen - und dazwischen einige auffällig grüne Fußballplätze. Das sorgt derzeit für Fragen. Warum werden einzelne Anlagen weiterhin bewässert, obwohl Trinkwasser vielerorts knapp ist? Wie ist das mit dem Trinkwassernotstand, der auch in Teilen Osthessens ausgerufen wurde, kompatibel? OSTHESSEN|NEWS geht der Sache auf den Grund.


Eines vorab: Ein Blick in die Region zeigt, dass nicht jeder grüne Platz am Trinkwassernetz hängt. Und manchmal geht es bei der Bewässerung weniger um die Optik als um den Erhalt der Spielfläche.

Warum gibt es einige Sonderfälle in der Stadt?

Die Stadt Fulda geht konsequent mit der aktuell extremen Trockenheit um: Die städtischen Sportplätze werden derzeit grundsätzlich nicht mehr bewässert. Auch größere Grünflächen bleiben trocken, sofern aus betrieblicher Sicht nichts zwingend dagegenspricht. Anders ist die Situation aber im Stadion der Stadt, in dem Fußball-Regionalligist SG Barockstadt Fulda-Lehnerz seine Heimspiele bestreitet. Dort läuft die Bewässerung weiter - mit Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz.

"Und das wundert mich extrem", schreibt ein O|N-Leser. Die Stadt begründet diese Ausnahme mit der besonderen Beschaffenheit und Belastung des Rasens. "Die Bewässerung ist nicht als Maßnahme zur Herstellung eines lediglich optisch ansprechenden 'grünen' Rasens zu verstehen", erklärt die Stadt. Vielmehr gehe es darum, die Funktionsfähigkeit und Nutzbarkeit der Fläche zu erhalten. Wirtschaftlich betrachtet mache diese Sonderregelung Sinn, so die Stadt. Denn stirbt die Grasnarbe komplett ab, so könne es später richtig teuer und aufwendig werden. Im schlimmsten Fall müsse dann sogar die komplette Fläche umfassend saniert werden. Dafür wären dann wiederum Material, Arbeitszeit und unter Umständen sogar noch größere Wassermengen nötig.

"Die Stadt Fulda unterstützt ausdrücklich den Appell, angesichts der anhaltenden Trockenheit und des Wassernotstands sparsam und verantwortungsvoll mit der Ressource Wasser umzugehen", heißt es aus dem Rathaus. Das zeigt sich auch an anderer Stelle: Zahlreiche Brunnenanlagen werden inzwischen abgeschaltet. Eine Ausnahme bilden die Brunnen im Schlossgarten, die mit einem geschlossenen Umwälzsystem betrieben werden.

"Sport scheint wichtiger zu sein als der Bürger"

Ganz anders ist die Lage in Petersberg. In der Gemeinde wurde am Montag der Trinkwassernotstand ausgerufen - ähnlich wie in den Fuldaer Stadtteilen Bernhards und Dietershan. Und dennoch: Das Waidesgrundstadion und der Sportplatz in Steinhaus dürfen weiterhin bewässert werden. "Sport scheint also wichtiger zu sein als der Bürger", heißt es aus einer anderen Zuschrift an die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS. Ganz so ist es aber natürlich nicht. Für die Bewässerung der beiden Sportplätze wird kein Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz genutzt.

Sonderregelung - auch in der Gemeinde Eichenzell

Auch der Sportplatz in Kerzell war zuletzt Thema bei O|N. Ein Leser hatte sich darüber gewundert, dass die Anlage trotz der Trockenheit weiterhin mit Wasser aus dem Döllbach beregnet wird. Nach Angaben von Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund verfügt der Verein dafür aber über eine entsprechende Genehmigung. "Zugunsten des Vereins existiert ein Wasserentnahmerecht, welches von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Fulda bewilligt wurde", erklärt Rothmund. Bestehende Wasserentnahme- und Brunnenrechte seien nach Kenntnis der Gemeinde von den derzeitigen Einschränkungen nicht betroffen. Ob die jeweiligen Vorgaben eingehalten werden, kontrolliert die Untere Wasserbehörde des Landkreises.

Update: Nachdem der Wasserstand des Döllbachs am Freitag an der niedrigsten Stelle unter die geforderten zehn Zentimeter abgefallen ist, wurde die Bewässerung sofort eingestellt.

Eines ist also klar: Auch wenn sich viele Menschen aktuell darüber wundern, dass Sportplätze bewässert werden, obwohl Haushalte ihren Trinkwasserverbrauch auf ein Minimum herunterschrauben sollen, ist die Begründung dafür nicht aus der Luft gegriffen. (Constantin von Butler) +++

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