Energiewende hautnah
MIT-Vortragsabend: KSE Energietechnik zeigt Gewerbebetrieben neue Wege
Fotos: Tizia Wegfahrt
13.08.2026 / EICHENZELL - Energie ist für viele Betriebe längst zu einer zentralen Zukunfts- und Überlebensfrage geworden. Vor diesem Hintergrund hat die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Eichenzell zu einem Vortragsabend bei der KSE Energietechnik GmbH geladen. Im Mittelpunkt standen moderne Energielösungen für Gewerbe und die Chancen der sogenannten Sektorenkopplung. Als Referent führte Geschäftsführer Klaus Schleicher durch den Abend – mit einer klaren Botschaft: Deutschland kann längst mehr, als vielen bewusst ist.
Gastgeber im Rahmen der Firmentour
Zustande kam der Abend über die Firmenkennenlern-Tour der MIT, in deren Rahmen das Unternehmen angesprochen wurde. "Wir sind heute Gastgeber für die MIT und stellen im Rahmen dieser Tour unseren Betrieb vor", erklärte Schleicher. Zahlreiche Gäste waren der Einladung gefolgt. Ziel des Vortrags sei es, aufzuzeigen, was Photovoltaik und erneuerbare Energien heute für Gewerbetreibende in der Region bedeuten – und was sich in diesem Feld in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat.Den Rahmen bildete das energiepolitische Zieldreieck aus Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Klimaneutralität. Schleicher selbst umriss seinen Anspruch an den Abend so: "Der Vortrag heute Abend soll in entspannter Atmosphäre ermöglichen, dass wir uns mit einem Thema auseinandersetzen, das uns alle heute und auch in den nächsten Jahren beschäftigen wird – die Energiewende."
Vom Stromerzeuger zum Stromhändler
Dass sich mit Photovoltaik Strom erzeugen lässt, ist inzwischen Allgemeinwissen. Doch genau hier setzte Schleicher an, um deutlich zu machen, wie weit die Technik mittlerweile darüber hinausgeht. "Wir sind heute mehrere Schritte weiter und können mit dem Strom handeln", so der Geschäftsführer. Möglich machten dies moderne Batteriespeichersysteme, mit denen sich der erzeugte Strom gezielt dorthin lenken lässt, wo er gebraucht wird.Das Stichwort lautet Sektorenkopplung: Der Strom lässt sich als flexibles Medium in ganz unterschiedliche Bereiche steuern – in die Mobilität, etwa für Pkw und Lkw, ebenso wie in die Wärmeversorgung. "Das muss gemanagt werden, und das ist genau der Punkt, an dem heute viele noch nicht wissen, wie weit wir da eigentlich sind", betonte Schleicher.
Ein Pionier mit Erfahrung
Das gastgebende Unternehmen selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück: Seit 22 Jahren ist die KSE Energietechnik am Markt und zählt damit zu den absoluten Pionieren der Branche – mit entsprechend viel Erfahrung. Schleicher verwies auf einen besonderen Status, der weit über Osthessen hinausreiche: Man sei European Key Account bei Weltmarktführern und gerade dann erster Ansprechpartner, wenn es für ein Problem keine fertige Standardlösung gebe. Klartext zur Klimakrise und zur Öl-Abhängigkeit
Deutliche Worte fand Schleicher mit Blick auf den aktuellen Hitze- und Dürresommer. Zwar profitiere die Photovoltaik von den vielen Sonnenstunden, doch sei das kein Grund zur Freude: "Ehrlich gesagt ist es ja genau das, was wir mit unserer Photovoltaik bekämpfen wollen – denn es sind die Folgen des Klimawandels." Umso unverständlicher sei es für ihn, dass fossile Energieträger teils noch günstiger gemacht würden: "Das ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was nötig wäre. Ich möchte heute Abend zeigen, dass das der falsche Weg ist." "Wir haben international den Anschluss verloren"
Kritisch äußerte sich der Fachmann auch zum Stand der Energiewende in Deutschland und Europa. Beim Ausbau erneuerbarer Energien hinke man international hinterher: "Wir haben komplett den Anschluss verloren", sagte Schleicher. Die Zubau-Mengen seien andernorts – auch pro Kopf betrachtet – deutlich höher als hierzulande.Zugleich räumte er mit einem verbreiteten Selbstbild auf. Die Vorstellung, Deutschland sei der einsame Vorreiter, der die Welt rette, während der Rest kein Interesse zeige, halte der Realität nicht stand: Außerhalb der aktuellen Entwicklungen etwa in den USA fielen die Pro-Kopf-Werte teils sogar besser aus als bei uns. Sein Fazit fiel dennoch optimistisch aus: "Wir sind deutlich weiter mit der Energiewende, als das vielleicht auch in den sozialen Medien gepredigt wird."
Austausch bei Imbiss und kühlen Getränken
Nach Vortrag und Diskussion klang der Abend bei einem Imbiss und kühlen Getränken aus – Gelegenheit für die zahlreichen Gäste, die gewonnenen Impulse in vielen persönlichen Gesprächen zu vertiefen. Eingeladen hatte MIT-Vorsitzender Christopher Penzel, der sich einen anregenden Abend mit Blick auf die richtigen Weichenstellungen in den Betrieben gewünscht hatte. (Marvin Hucke) +++