Der Notstand ist ausgerufen

"Ein einfacher Appell bringt nichts mehr": Die Region kämpft ums Trinkwasser

Trinkwassernotstand in Petersberg: Bürgermeisterin Claudia Brandes erklärt, warum die Wasserversorgung derzeit an ihre Grenzen kommt.
Fotos: Constantin von Butler

13.08.2026 / REGION FD - Ausnahmesituation in Osthessen: Die Wasserversorgung kommt an ihre Grenzen. Die anhaltende Trockenheit hat die Region fest im Griff. Am Montag dann der Paukenschlag: Die Gemeinde Petersberg (Landkreis Fulda) hat den Trinkwassernotstand ausgerufen - ein absolutes Novum. Auch die Fuldaer Stadtteile Dietershan und Bernhards sind betroffen. Für die Bürger gelten zahlreiche Einschränkungen, Pumpen und Tiefbrunnen laufen währenddessen praktisch ohne Pause.



OSTHESSEN|NEWS hat sich mit Claudia Brandes, Bürgermeisterin der Gemeinde Petersberg, und Dr. Volker Nies, Pressesprecher der RhönEnergie, getroffen, um mehr über die kritische Lage zu erfahren.

Was passiert, wenn Quellen kein Wasser mehr liefern?

Anders als viele Nachbarkommunen ist Petersberg auf Quellen angewiesen. Aus diesen zieht die Gemeinde einen Großteil ihres Trinkwassers. "Aktuell fördern die Quellen aber nicht einmal mehr die Hälfte der Wassermenge, die sonst üblich ist", so Brandes. Folglich muss die Gemeinde auf Tiefbrunnen ausweichen, die inzwischen im Dauerbetrieb laufen.

Trotzdem reicht die eigene Förderung längst nicht mehr aus, um die Hochbehälter auf einem zuverlässigen Niveau zu halten. "Wenn unsere Systeme schon melden, dass der Mindestpegel nicht mehr gehalten wird, und gleichzeitig die Zulieferung aus anderen Kommunen nicht sicher ist, müssen wir vorsorgen, bevor es zu spät ist", erklärt die Bürgermeisterin.

Dass der Trinkwassernotstand ausgerufen wurde, ist aber längst nicht die erste Reaktion der Gemeinde Petersberg. Schon zuvor rief Claudia Brandes mehrfach zum Wassersparen auf: über Pressemitteilungen, in den sozialen Medien und auch auf der eigenen Homepage der Gemeinde. Einen spürbaren Effekt habe dies allerdings kaum gebracht. "Ein einfacher Appell bringt einfach nichts mehr", ist sich die Bürgermeisterin sicher. Teilweise sei sogar das Gegenteil passiert: "Es gab Leute, von denen wir wissen, dass sie sich noch schnell die Zisterne vollgemacht haben, weil es ja bald vorbei sein könnte."

Die Gemeinde rüstet sich für trockene Jahre

Eine Entwarnung ist zwar noch nicht in Sicht, doch seit dem Ausruf des Trinkwassernotstands zeigen sich erste Entwicklungen. Die Spitzen des Wasserverbrauchs liegen längst nicht mehr auf dem Niveau der vergangenen Woche. Dabei reagiert Petersberg nicht erst jetzt auf die zunehmenden Probleme. In den vergangenen Jahren wurde das Leitungsnetz nach Angaben der Gemeinde so modernisiert, dass Wasserverluste möglichst gering gehalten werden. Hinzu kommen Vorgaben zur Nutzung von Zisternen und Maßnahmen zur sogenannten Trinkwassersubstitution - also dazu, wertvolles Trinkwasser beispielsweise bei der Gartenbewässerung durch anderes Wasser zu ersetzen. "Es ist wichtig für die Bürger zu wissen, dass wir hier nicht untätig sind und die Situation einfach hinnehmen", betont Brandes. Nun gehe es langfristig darum, die Wasserversorgung widerstandsfähiger und unabhängiger zu machen.

RhönEnergie-Pumpen laufen rund um die Uhr

Und auch die RhönEnergie beobachtet die Situation ganz genau. Pressesprecher Volker Nies spricht gegenüber O|N von einer "angespannten Lage".

Mehrere Faktoren kämen gleichzeitig zusammen und beeinflussten die Trinkwasserversorgung: deutlich weniger Wasser aus den Quellen, sinkende Grundwasserstände und ein stark erhöhter Verbrauch. "Unsere Pumpen laufen rund um die Uhr und sind inzwischen an ihrer Kapazitätsgrenze", so Dr. Nies. Die Zahlen sprechen für sich: An besonders warmen Tagen liege der Verbrauch mehr als 40 Prozent über dem üblichen Niveau.

Besonders ärgerlich sei, dass hochwertiges Trinkwasser - aus Sicht des Versorgers - auf Bereiche entfalle, für die es nicht verwendet werden sollte. Beispielsweise zum Kühlen oder zur umfangreichen Bewässerung von Grünflächen. "Dafür ist es einfach nicht da. Wenn eine sinkende Förderung auf einen gleichzeitig stark steigenden Verbrauch trifft, führt das zwangsläufig zu einer sehr angespannten Situation", macht der RhönEnergie-Sprecher deutlich.

Versorger und Kommunen ziehen an einem Strang

Auch deshalb sei es nun besonders entscheidend, die Einschränkungen konsequent einzuhalten. Unter anderem sind die Bewässerung von Rasenflächen, das Befüllen von Pools und das Waschen privater Fahrzeuge mit Wasser aus dem öffentlichen Netz stark eingeschränkt beziehungsweise untersagt.

Die RhönEnergie steht nach eigenen Angaben in engem Austausch mit den betroffenen Kommunen. Ziel sei es, die vorhandenen Reserven zu schonen und den Verbrauch so weit zu reduzieren, dass die Versorgung auch bei anhaltender Hitze stabil bleibt. "Gemeinsam mit den Kommunen wollen wir diese Situation bewältigen", sagt Nies. "Man kann sich auf die RhönEnergie verlassen." (Constantin von Butler) +++

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