"Sterben ist schwere Arbeit"
Humor am Lebensende - wie Palliativclowns den letzten Weg erleichtern
Fotos: Felix Weigl
12.08.2026 / FULDA -
In den Ausstellungsräumen des Fuldaer Künstlers Walter Steinbeck fand am Dienstagabend ein besonderer Abend statt. Unter dem Motto "Gute Clowns in der Palliativversorgung. Humor und Sterben, passt das überhaupt?!" erzählten die beiden Begegnungsclowns Hanna Münch und Katrin Jantz von ihrer Arbeit auf Demenzstationen, Hospizen, Palliativstationen und Wachkomastationen.
"Die rote Nase hat einen direkten Draht zum Herzen", erzählt uns Hanna Münch vom Duo "Gute Clowns". Ihre Arbeit wird auf den Stationen von Pflegern, Ärzten, Angehörigen und natürlich den Patienten selbst sehr gut aufgenommen. Man dürfe sich keinen McDonalds-Clown vorstellen, die Begegnungsclowns sind stilvoll und schlicht gekleidet. Gearbeitet wird viel mit Musik, alles ist spontan, in jedem Zimmer wird geschaut, was gerade angebracht ist.
Clown als Ausbildung
Clown wird man nicht über Nacht. Tatsächlich steckt eine Ausbildung dahinter, beide machen es nicht ehrenamtlich. Und bei Katrin Jantz steckt eine sehr persönliche Geschichte dahinter. Ihr damals 2-jähriger Sohn war in einer Klinik und gerade im MRT. "Ich saß im Flur auf dem Krankenhausboden, habe gewartet. Plötzlich kam ein Clown. Er hat sich neben mich gesetzt, mir aus einer Serviette eine Rose gemacht, sie mir gegeben, hat meine Hand gedrückt, ist aufgestanden und ist gegangen. Hat kein Wort gesprochen. In dem Moment wusste ich: Alles wird gut. Und ich wusste: Das will ich auch machen", verrät sie uns im Interview mit OSTHESSEN|NEWS.Zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tun, das ist es, was Hanna und Katrin sich vorgenommen haben. Als Palliativclowns leisten sie Pionierarbeit, so Katrin Jantz, da viele noch ein falsches Bild von einem Clown haben. "Wenn ein Pfleger kommt und sagt: Vor der Tür steht ein Clown, darf der reinkommen?, dann sagen die meisten erstmal nein." Das wird leider noch etwas dauern. Aber ein Clown ist für alle Emotionen da. Lachen, Trauer, Freude, Wut - in jeder Situation kann ein Clown die richtige Person sein.
Das Schlimmste, was man tun könnte, wäre, über Patienten im Zimmer zu sprechen, als wären sie gar nicht da. Oder würden nichts mehr mitbekommen. So etwas brechen Clowns auf, denn die dürfen das. Es geht nicht um Mitleid, sondern um Wertschätzung, Respekt und Demut. "Manchmal müssen wir zu weit gehen, um zu wissen, wie weit wir gehen dürfen."
Wünsche an die Politik
Dass der Abend überhaupt stattfinden konnte, war eine spontane Idee, erzählt Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung. "Wir haben kurz überlegt und gedacht, da machen wir etwas ganz Außergewöhnliches, weil das Thema Humor und Sterben, Unsinn und Sterben ganz viel Sinn macht. Das ist etwas, wo man ja eigentlich mit ganz spitzen Fingern rangeht. Aber was viel entspannen kann, wenn man weiß, dass da mehr erlaubt ist, als man eigentlich glaubt."Auch die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva M. Welskop-Deffaa, ist froh, dass der Deutsche Caritasverband an dem Abend mitwirken darf. "Der Tod ist viel zu ernst, als dass man nicht über ihn lachen sollte. Wir freuen uns heute Abend hier zusammenzukommen, wollen aber auch politische Themen ins Gespräch bringen", so Welskop-Deffaa gegenüber O|N. "Die Rahmenbedingungen müssen passen. Wenn ein Suizidpräventionsgesetz geplant wird, dann sollte man nicht nur schauen, was in der Beratung getan werden kann, sondern auch solche Angebote wie Humor in die Hospizarbeit hineintragen."
Ebenfalls vor Ort war Michael Brand (CDU), Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär. Als Politiker in der ersten Reihe wurde er natürlich direkt in den Vortrag der beiden Clowns eingebunden. Und wenn es nur darum ging, dass Katrin ihm zügig den Weg zum stillen Örtchen zeigt.