5. Branchentreff bei der IHK

Zwischen Fachkräftemangel und Geopolitik: Branche blickt nach vorne

Die Referenten des 5. Branchentreffen bei der IHK.
Foto: Karl-Josef Haß

12.08.2026 / FULDA - Fachkräftemangel, Weiterbildung und geopolitische Entwicklungen standen im Mittelpunkt des 5. Branchentreffens der Versicherungs- und Finanzwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda. Rund 50 Teilnehmer kamen am Dienstag zusammen, um über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Branche zu diskutieren.



Karl-Josef Haß, Vorsitzender des Berufsbildungswerks der Versicherungswirtschaft Fulda (BWV), betonte die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements und der Nachwuchsförderung. Bundesweit engagieren sich nach seinen Angaben mehr als 1.000 Ehrenamtliche im BWV-Netzwerk. Darüber hinaus arbeiten zahlreiche Vertreter der Versicherungswirtschaft eng mit den Industrie- und Handelskammern zusammen.

Trotz der aktuellen Herausforderungen zeigte sich Haß optimistisch. Der Branchenvertreter, der seit 45 Jahren in der Versicherungswirtschaft tätig ist, erlebte nach eigenen Angaben im Juli den erfolgreichsten Monat seiner Karriere. Von einer Krisenstimmung könne daher keine Rede sein. "Es gibt keine Jammerstimmung", sagte Haß. Besonders wichtig sei nun, ausreichend Auszubildende zu gewinnen und zu qualifizieren, um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern.

Fachkräftesicherung und Reformen als Zukunftsthemen

Johannes Keller, Mitglied der IHK-Vollversammlung, verwies auf die dynamischen Veränderungen, die der Branche bevorstehen. Neben internationalen Entwicklungen sowie politischen Entscheidungen in Berlin und Brüssel würden insbesondere die Altersvorsorge und Reformen der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung die Versicherungs- und Finanzwirtschaft beschäftigen.

Zudem spiele die zunehmende Regulierung eine wichtige Rolle. Keller hob hervor, wie wichtig kontinuierliche Weiterbildung und Zertifizierung seien. Die Angebote des BWV könnten dabei helfen, Fachkräfte und insbesondere Quereinsteiger für die Branche zu gewinnen und zu qualifizieren. "Uns steht einiges bevor", sagte Keller.

Geopolitik und neue Erwartungen der Generation Z

Zu den Referenten gehörte auch Ralf Schuster, geopolitischer Experte der Helaba - der Landesbank Hessen-Thüringen. In seinem Vortrag "Großmacht-Poker: Wenn zwei sich streiten …" beleuchtete er gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen. Mit Blick auf die häufig diskutierte Generation Z plädierte er dafür, Vorurteile abzubauen. Junge Menschen seien leistungsfähig, hätten jedoch andere Erwartungen an die Arbeitswelt als frühere Generationen. "Wir haben sie benebelt mit der Generation Z", sagte Schuster. Unternehmen seien gut beraten, ihre Denkweisen anzupassen und neue Arbeitsmodelle stärker zu berücksichtigen.

Auch die wirtschaftlichen Verschiebungen der vergangenen Jahre standen im Fokus seines Vortrags. Schuster verwies auf den tiefgreifenden Wandel seit 2019, geprägt von der Corona-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Besonders hob er die wachsende wirtschaftliche Bedeutung Chinas hervor, das für viele Staaten inzwischen zu den wichtigsten Handelspartnern zählt. "Den Wandel durch Handel haben wir in die Welt gebracht, bis wir den Zeigefinger entdeckt haben", sagte der Experte.

Weitere Referenten waren Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), mit seinem Vortrag "Neues aus Bonn, Berlin und Brüssel" sowie Gerhard Schaaf, Informationsbroker und ehemaliger Eishockey-Profi. Er sprach zum Thema "Wir sind Steuerzahlweltmeister und Steuersparweltmeister". (jk) +++

X