Weniger Schleifen, mehr Direktverbindung

"Ärger-Linie-5" fährt endlich Direktroute - doch nicht mehr lange

Seit Anfang Mai ist die Georg-Stieler-Straße im Zuge umfangreicher Tiefbauarbeiten abschnittsweise voll gesperrt. Eine überraschend positive Folge: Die Buslinie 5 fährt in Künzell derzeit ohne die sonst übliche Schleife - und das kommt gut an.
Symbolfoto: O|N-Archiv/Felix Weigl

01.09.2026 / KÜNZELL - Seit Anfang Mai ist die Georg-Stieler-Straße im Zuge umfangreicher Tiefbauarbeiten abschnittsweise voll gesperrt. Eine überraschend positive Folge: Die Buslinie 5 fährt in Künzell derzeit ohne die sonst übliche Schleife - und das kommt gut an.



Die Linie 5 gehörte zu denjenigen Linien, zu denen unsere Redaktion die meisten Leserbeschwerden erhielt. Ein Grund: nicht nachvollziehbare Fahrtwege und daraus resultierende Wegzeiten. Wie Mobilitätsmanager Malte Horrer im Frühjahr 2025 im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch erklärte, war ein Grund die historisch gewachsene Schleifenführung durch Künzell, die zwar kurze Fußwege zu den Haltestellen ermöglichte, aber lange Fahrzeiten zur Folge hatte.

Vorbild aus der Hessentags-Zeit

Einen Vorläufer der aktuellen Lösung gab es bereits während des Hessentags: Um dem gesteigerten Fahrgastaufkommen und den zusätzlichen Fahrten gerecht zu werden, wurden die Schleifen der Linie 5 in Künzell damals gestrichen und so die Fahrzeiten verkürzt. Das Prinzip - schleifenfreie Führung, um die Linie schneller und leistungsfähiger zu machen - ist also nicht neu. Anders als beim Hessentag ist die jetzige Lösung allerdings nicht durch erhöhtes Fahrgastaufkommen motiviert, sondern schlicht durch die Vollsperrung erzwungen.

Für die Haltestellen "Künzell Eisenacher Straße", "Künzell Sieben Welten" und "Künzell Harbacher Weg" wurden jeweils Ersatzhaltestellen gegenüber eingerichtet. Die Haltestellen "Künzell Dirloser Straße" und "Bachrain Sportplatz" entfallen für die Dauer der Sperrung. So fährt die Linie 5 stadteinwärts aktuell denselben Linienweg wie stadtauswärts. Die Strecke wird also in beide Richtungen identisch befahren, ohne den früheren Umweg über die Schleife.

Für Fahrgäste dürfte das vor allem eines bringen: mehr Übersichtlichkeit. Eine Linie, die in beide Richtungen denselben Weg nimmt, lässt sich leichter merken und einschätzen als eine verschlungene Schleife mit unterschiedlichen Hin- und Rückwegen. Das dürfte die Linie 5 - zumindest für die Dauer der Bauphase - attraktiver und verständlicher machen, auch wenn es sich zunächst um eine baustellenbedingte Übergangslösung und keine dauerhafte Neuplanung handelt.

Die neue Linienführung hat sich im Alltag bewährt

Bürgermeister Timo Zentgraf schildert dazu seine persönliche Erfahrung - nicht als offizielle Position der Gemeinde, sondern als Fahrgast: Die vereinfachte Linienführung hat sich im Alltag bewährt und funktioniert in der Praxis erstaunlich reibungslos - eine Einschätzung, die sich aus seinen wiederholten eigenen Fahrten mit der Linie 5 während des Hessentags ergeben hat. Sollte man nach Baustellenschluss also wirklich zur alten Route zurückkehren?

Die Baumaßnahme an der Georg-Stieler-Straße ist in drei Bauabschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt (Einmündung Dirloser Straße bis Kreuzungsbereich Hahlweg) läuft nach aktuellem Stand vom 19. August 2026 planmäßig bis Ende August. Anschließend folgt vom 1. September bis 20. Dezember 2026 der Abschnitt zwischen Hahlweg und Friedrich-Fröbel-Straße. Der letzte Bauabschnitt ist für 2027 vorgesehen.

Die aktuelle Umleitung ist rein bautechnisch bedingt und keine strategische Neuplanung - aber: Die Erfahrungen aus der Bauphase könnten künftig auch dauerhaft in die Linienplanung einfließen. Mit Blick über die Baustelle hinaus richtet sich der Fokus nun nämlich auf den neuen Nahverkehrsplan für die Region. Verkehrsexperten fordern seit Längerem grundsätzlich direktere Linienverbindungen ohne Schleifen - ein Ziel, dem die aktuelle Erfahrung aus Künzell zusätzlichen Rückenwind geben dürfte. (mmb) +++

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