Drei Künstlerinnen

Mehr als Stoff und Faden: "Textile Narrative - drei Positionen" begeistert

Mehr als Stoff und Faden
Fotos: Anne Härtel

11.08.2026 / FULDA - Bei strahlendem Sonnenschein feierten weit über 100 Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit den drei Künstlerinnen die Eröffnung der Ausstellung "Textile Narrative - drei Positionen". Die besondere Atmosphäre, anregende Gespräche und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm machten die Vernissage zu einem gelungenen Auftakt.



Für die musikalische Begleitung sorgten die drei jungen Musiker von The Rockin’ Beagles, die mit ihrem vielseitigen Repertoire aus Rock und Jazz für beste Stimmung sorgten. Wolf Mihm begrüßte die zahlreichen Gäste und führte mit Humor und informativen Einblicken durch die Vernissage.

Die Laudatio hielt Traudi Schlitt aus Alsfeld. Mit viel persönlichem Wissen gab sie Einblicke in die Lebenswege der drei Künstlerinnen und erläuterte die unterschiedlichen Intentionen und Hintergründe ihrer textilen Arbeiten. Dabei machte sie deutlich, welche besondere Rolle der Stoff als künstlerischer Werkstoff einnimmt: "Stoff wird mehr als bei vielen anderen Trägern Teil des Werkes. Die Stoffe verschmelzen mit den Materialien, mit Texten, Botschaften und Energie – Energie nicht nur aus dem Material und der Umwelt, sondern auch aus den Künstlerinnen selbst." Zugleich betonte sie die schier unendliche Kreativität und Findigkeit, mit der die drei Künstlerinnen textile Techniken einsetzen und immer wieder neue Ausdrucksformen entwickeln.

Drei Künstlerinnen, drei eigenständige textile Positionen: Tanja Abeln-Bil, OssieBee und AnnE Härtel-Geise verbindet die intensive Auseinandersetzung mit Stoff, Faden, Struktur und Material – und doch könnte ihre künstlerische Sprache kaum unterschiedlicher sein.

Tanja Abeln-Bil arbeitet in ihrem Outdoor-Atelier mit den Kräften der Natur. Ihre Stoffe waren über Wochen und Monate Sonne, Wind, Regen, Erde und Pflanzen ausgesetzt. Mit Asche, Erde, Blumen, Stöcken, Tusche, Acryl- und Neonfarben entstehen vielschichtige Arbeiten, in denen sich Naturerfahrungen und persönliche Gedanken verbinden.

Wie eng Kunst und persönlicher Lebensweg bei Tanja Abeln-Bil miteinander verbunden sind, zeigte sie während der Vernissage eindrucksvoll in einer Performance im Dahliengarten. Im Mittelpunkt stand die Botschaft von Würde, die aus einem langen persönlichen Prozess hervorgegangen ist. Unter dem Titel "Re-Connecting" beschreibt die Modedesignerin und Autodidaktin ihren Weg der Rückverbindung mit sich selbst und ihrem Inneren. In Bildern und Kleidern sowie in der Verbindung mit persönlich bedeutsamen Liedtexten hat sie diesen Prozess künstlerisch festgehalten.

OssieBee, in Großbritannien geboren und in Nigeria aufgewachsen, verbindet in ihren Arbeiten unterschiedliche Techniken wie Filz, Nähen, Siebdruck, Collage und Schrift. Die Künstlerin studierte Mode, Textilien und Kunst in London und lebt heute in Nordhessen.

In ihrer Laudatio beschrieb Traudi Schlitt die Filzarbeiten von OssieBee als kraftvolle, fast wie Naturgewalten wirkende Arbeiten, die von der Wand herabzufließen scheinen und unmittelbar Neugier auf ihre Entstehung wecken. Besonders faszinierte sie das Zusammenspiel verschiedener Techniken und Materialien. Auch wenn die Werke mit Titeln wie "Nice for a Price", "Lying Lips" oder "What do you see when you look at me?" zunächst eindeutige Botschaften zu vermitteln scheinen, lasse OssieBee die Bedeutung bewusst offen. Die Interpretation überlässt sie den Betrachterinnen und Betrachtern.

AnnE Härtel-Geise arbeitet seit Jahrzehnten mit textilen Techniken. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen fragilen Strukturen, expressiven Formen, Humor und spielerischer Irritation. In ihrer Laudatio widmete sich Traudi Schlitt besonders der rund 70 Arbeiten umfassenden Tierwelt der Künstlerin. Vögel, Käfer sowie Wald- und Jagdtiere, die aus überstickten Gobelins hervorgegangen sind, bereichern die Ausstellung und werfen zugleich Fragen auf: Wohin verschwindet der Wald, wenn er nicht kunstvoll weggestickt wird? Und wo sind die bunten Vögel in unseren heimischen Gärten geblieben? Auch bei den "Kugelspielen der Sinne" zeigt sich die Vielfalt ihrer textilen Ausdrucksmöglichkeiten. Textile Kugeln aus Seide, Baumwolle und Satin korrespondieren farblich mit großen Wandinstallationen auf Metallgittern – ein Zaubergarten, ein orangefarbener Blütenrausch oder eine "Nature morte" in Violett. Blüten aus Seide, Wolle, Chiffon, Perlen und Abacá, einer Naturfaser, zeigen die außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit textiler Materialien.

Eine besondere Figur ist Pelé, die Feuergöttin, die im Kamin ihren Platz gefunden hat. Mit ihrem geheimnisvoll leuchtenden Haar zieht sie die Blicke auf sich – und trägt einen "ArtBra". Der Büstenhalter, eines der weiblichsten Kleidungsstücke überhaupt, wird hier selbst zum Kunstobjekt und damit zu einem ganz eigenen textilen Narrativ. Mit "Die Blüten des Krieges" zeigt AnnE Härtel-Geise eine florale und zugleich irritierende Installation. "Keine netten Röschen", wie die Künstlerin selbst sagt. Die teilweise vom Schrottplatz stammenden Materialien verleihen der Arbeit eine besondere Spannung. Daneben schweben die "Fliegenden Steine" leicht und luftig im Raum. Sie sind die einzigen Arbeiten der Ausstellung, die ausdrücklich angefasst werden dürfen – und laden dazu ein, über ihre überraschende Leichtigkeit zu staunen.

"Textile Narrative – drei Positionen" ist noch bis 4. Oktober zu sehen und hat donnerstags bis sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Für Gruppen besteht nach vorheriger Anmeldung auch die Möglichkeit, die Ausstellung außerhalb der regulären Öffnungszeiten im Rahmen eines persönlichen Rundgangs zu besuchen. Begleitend zur Ausstellung bietet der Verein verschiedene Workshops, eine Lesung und weitere Veranstaltungen an. Das aktuelle Programm und weitere Informationen finden sich unter www.kunstvereinfulda.de. (mp/pm) +++

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