Rechtsanspruch auf Ganztag startet

Hessen startet mit neuen Projekten ins Schuljahr 2026/2027

Hessen startet mit neuen Projekten ins Schuljahr 2026/2027
Symbolbild: Pixabay

10.08.2026 / REGION - Hessen geht mit einem Bündel an Neuerungen ins Schuljahr 2026/2027. Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) betont dabei den Spagat zwischen Innovation und Verlässlichkeit – auch in herausfordernden Zeiten. "Wir verbinden Innovation und Dynamik mit einem realistischen Blick und der Verantwortung für die bestmögliche Bildung unserer Kinder. Auf uns können sich die Eltern auch in herausfordernden Zeiten verlassen", so Schwarz. Dass Hessen inzwischen das Bundesland mit den wenigsten Schulabbrechern ist, wertet der Minister als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses.



Bereits in den vergangenen Monaten wurden erste Weichen gestellt: Eine zusätzliche Deutschstunde in allen zweiten Klassen, die Einführung von Smartphone-Schutzzonen und eine verstärkte Werte- und Demokratiebildung greifen bereits im laufenden Schulbetrieb. Das neue Schuljahr baut darauf auf – und setzt weitere Akzente.

Datengestützte Förderung in Mathematik

60 Pilotschulen erproben ab sofort ein neues Konzept zur individuelleren Förderung: Statt bisher zwei verpflichtenden Lernstandserhebungen werden künftig fünf Erhebungen in den Klassen drei, vier, fünf, acht und neun in Mathematik durchgeführt. Ergänzt wird das durch digitale Diagnose- und Förderinstrumente wie das Lernsystem "bettermarks" oder den "Mathe sicher können – Online-Check". Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulaufsicht werden derzeit in der Datennutzung qualifiziert. Die Pilotphase läuft bis Ende des Schuljahres 2026/2027 – eine begleitende Evaluation soll die Grundlage für eine flächendeckende Einführung bilden. Seit dem 1. August ist die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung im Schulgesetz verankert.

Tägliche Lesezeit ab dem zweiten Halbjahr

100 Grundschulen testen ab dem zweiten Schulhalbjahr eine feste tägliche Lesezeit von 20 bis 25 Minuten für die Klassen drei und vier. Die Lesezeit findet fächerübergreifend statt – ist also nicht auf den Deutschunterricht beschränkt – und soll sowohl Lesefertigkeiten als auch Lesemotivation der Kinder stärken. Den Lehrkräften werden dafür gesonderte Materialien zur Verfügung gestellt. Die Schulen können selbst festlegen, wann die Lesezeit in den Schulalltag integriert wird.

Parallel dazu wird das intelligente Online-Lernsystem "bettermarks" für Mathematik weiter ausgebaut: Es ermöglicht nun auch Erhebungen zum Lernstand und kann ab diesem Schuljahr auch im Referendariat eingesetzt werden. Das System bietet maßgeschneiderte Aufgaben für jeden Lernstand und gibt Schülerinnen und Schülern unmittelbare Rückmeldungen – in ihrem eigenen Tempo.

Rechtsanspruch auf Ganztag startet

Ab diesem Schuljahr gilt der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Erstklässler. Hessen ist dank des frühzeitigen Ausbaus gut gerüstet: 96 Prozent aller Schulen nehmen am Ganztagsprogramm des Landes teil, 97 Prozent der Grundschulen gehören einem der Ganztagsprofile an. Das Land bringt dafür 5.750 Lehrkräftestellen – davon 370 neu zum kommenden Schuljahr – und rund 300 Millionen Euro ein. Im Ganztag stehen Kernkompetenzen in Deutsch und Mathematik, Medienbildung, KI-Kompetenz, Wertevermittlung, Antisemitismusbekämpfung sowie Sport und Gesundheit im Mittelpunkt. Das erprobte Pilotprojekt "Digitale Welt" wird ab diesem Schuljahr in den Ganztag überführt und damit allen Schulen zugänglich gemacht.

Unterrichtsversorgung bleibt stabil

Fast 67.000 Lehrkräfte arbeiten an hessischen Schulen. 1.200 neu ausgebildete Lehrkräfte starten in diesem Jahr in den Schuldienst, weitere 3.850 befinden sich im Referendariat. Durch Einstellungen von Pensionären, Verlängerungen der Dienstzeit und Aufstockungen der Teilzeit konnten zusätzlich über 820 erfahrene Lehrkräfte gewonnen werden. Die Bildungsinvestitionen stiegen um 370 Millionen Euro auf insgesamt 6,2 Milliarden Euro. Insgesamt 15.750 zusätzliche Stellen – ein Aufschlag von 38,5 Prozent – fließen in ein breites Netz an Fördermaßnahmen, darunter 3.400 Stellen für Deutschförderung, 3.050 für sonderpädagogische Unterstützung und 1.140 für sozialpädagogische Begleitung. Das Finanzvolumen dieses Fördernetzes beträgt mehr als eine Milliarde Euro im Jahr. (mp/pm) +++

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