Der Stadtpfarrer bei O|N

Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

15.08.2026 / FULDA - Am heutigen Tag feiert die katholische Kirche das Fest Maria Himmelfahrt. Es gibt dabei den Brauch, Kräutersträuße mit in die Kirche mitzubringen und sie werden gesegnet. Sie duften nach Sommer, nach Wiesen und Gärten. Sie erinnern uns an die Schönheit der Schöpfung. Aber warum segnen wir ausgerechnet an Mariä Himmelfahrt Kräuter?



Weil diese Kräuter etwas künden: Alles Leben kommt von Gott. Alles Leben ist auf Vollendung hin geschaffen. Was heute blüht, wird einmal welken. Aber Gott lässt sein Werk nicht vergehen. Er schenkt neues Leben. Genau das feiern wir auch mit diesem Fest heute.

Mariä Himmelfahrt ist deshalb nicht zuerst ein Marienfest. Es ist ein Fest der Hoffnung.

Wir leben in einer Welt, in der vieles vergänglich ist. Menschen werden krank. Beziehungen zerbrechen. Kriege erschüttern ganze Länder. Viele sorgen sich um die Zukunft der Kirche oder um ihre eigene Zukunft. Manchmal fragen wir uns: Hat am Ende wirklich das Leben das letzte Wort? Das heutige Fest antwortet mit einem klaren Ja.

Maria ist der erste Mensch, an dem sichtbar wird, was Gott mit uns allen vorhat. Was Christus durch seine Auferstehung begonnen hat, ist an Maria bereits vollendet. Deshalb schreibt Paulus im Korintherbrief: "Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen." Maria verdankt ihre Herrlichkeit also nicht sich selbst. Sie ist ganz Frucht der Erlösung ihres Sohnes. Alles, was an ihr geschieht, verweist auf Christus.

Der Weg Gottes beginnt immer mit dem Dienst am Mitmenschen

Im Evangelium wird uns berichtet, dass Maria sich als junge Frau, auf den Weg macht (Lk 1,39-56). Sie eilt zu ihrer Verwandten Elisabeth. Maria denkt nach der Botschaft des Engels nicht zuerst an sich selbst. Sie fragt nicht: Was bedeutet das alles für mich? Sondern sie geht dorthin, wo Hilfe gebraucht wird. Das ist bemerkenswert.

Der Weg Gottes beginnt immer mit dem Dienst am Mitmenschen. Gerade deshalb wird Maria zum Vorbild aller Christen. Glaube zeigt sich nicht zuerst in großen Worten, sondern in offenen Augen, helfenden Händen und einem liebenden Herzen. Im Magnificat singt Maria dann ihr großes Loblied. Es gehört zu den schönsten Gebeten der ganzen Bibel.

Doch dieses Lied ist kein romantisches Marienlied. Es ist ein mutiges Glaubensbekenntnis. Maria singt von einem Gott, der die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht. Sie singt von einem Gott, der Hungernde beschenkt und den Armen Hoffnung gibt. Sie glaubt daran, dass Gottes Maßstäbe anders sind als die Maßstäbe dieser Welt. Wie aktuell dieses Lied doch ist!

Wir erleben eine Welt, in der Macht oft wichtiger erscheint als Wahrheit, Geld wichtiger als Menschlichkeit und Erfolg wichtiger als Barmherzigkeit. Maria erinnert uns daran: Gott bewertet unser Leben anders. Nicht Ansehen zählt vor Gott. Nicht Titel. Nicht Besitz. Entscheidend ist, ob unser Herz für ihn offen ist.

Maria will uns den Weg zu Christus zeigen. Sie sagt uns dasselbe, was sie schon bei der Hochzeit zu Kana sagte: "Was er euch sagt, das tut." Mehr will sie gar nicht. Sie möchte nicht im Mittelpunkt stehen. Sie möchte, dass wir ihren Sohn finden. Deshalb ist Mariä Himmelfahrt letztlich ein Christusfest. Denn wo Christus ist, dort ist auch Maria. Und wo Maria ist, dort weist sie immer auf Christus. Die gesegneten Kräuter am heutigen Tag erinnern uns noch an etwas anderes.

Seit Jahrhunderten gelten Heilkräuter als Zeichen der heilenden Kraft Gottes. Der Duft der Kräuter erinnert daran, dass Gottes Liebe unser Leben durchdringen möchte wie ein guter Duft einen ganzen Raum erfüllt.

Paulus schreibt an einer Stelle: "Wir sind Christi Wohlgeruch." Vielleicht ist das eine schöne Aufgabe für uns. Dass Menschen durch unser Leben etwas von Gottes Güte wahrnehmen. Dass sie Hoffnung riechen, wenn so vieles nach Resignation riecht. Dass sie Vertrauen erleben, wenn Angst um sich greift. Dass sie Liebe erfahren, wo Gleichgültigkeit herrscht. Maria hat genau so gelebt. Darum ist sie uns vorausgegangen.

Sie ist nicht fern von uns. Sie ist vielmehr das Bild dessen, was Gott mit jedem von uns vollenden möchte. Das Fest Mariä Himmelfahrt sagt uns: Unser Ziel ist nicht das Grab. Unser Ziel ist die Gemeinschaft mit Gott. Der Himmel ist keine ferne Welt hinter den Sternen. Der Himmel ist dort, wo Gott alles in allem ist, wo keine Tränen mehr fließen, wo Liebe niemals endet.

Darauf dürfen wir hoffen. Mit Maria dürfen wir glauben: Gott lässt keinen Menschen fallen. Er führt das Leben zur Vollendung. Und deshalb können wir unseren Weg mit Zuversicht gehen – als Pilger der Hoffnung, getragen von Christus und begleitet von seiner Mutter. (Stefan Buß) +++

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