Eine Woche sticht besonders heraus
Mehr Hitzetote als zunächst vermutet: RKI korrigiert Schätzungen nach oben
Trockenheit und Hitze können stark an der Gesundheit des Menschen zerren.
Symbolbild: Pixabay
09.08.2026 / REGION -
Deutschland ächzt unter wiederkehrenden Hitzewellen. Besonders im Juni waren die Temperaturen extrem. Wetteraufzeichnungen der vergangenen Jahre zeigen einen eindeutigen Trend: Die Sommer in Deutschland werden heißer, und nahezu jedes Jahr werden neue Temperaturrekorde gebrochen.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) korrigiert nun seine Schätzung der Hitzetoten deutlich nach oben. In seinem Wochenbericht vom 06.08.2026 für die Kalenderwoche 30 geht das RKI von geschätzten 11.900 hitzebedingten Sterbefällen im Jahr 2026 aus. Etwa 9.600 davon entfallen auf die besonders heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni. In der Woche vom 22. bis 28.06.2026 kletterte das Thermometer zeitweise auf über 40 Grad Celsius.
Als kritischer Schwellenwert, ab dem es in der Regel zu einem Anstieg der hitzebedingten Sterbefälle kommt, gilt eine bundesweite Wochenmitteltemperatur von mehr als 20 Grad Celsius. Im Jahr 2026 sind damit bereits jetzt mehr Menschen hitzebedingt gestorben als in jedem einzelnen vollständigen Jahr seit 2016. Die Zahlen werden erst mit zeitlicher Verzögerung veröffentlicht, da die Sterbefallmeldungen aus den Bundesländern zunächst vollständig erfasst und ausgewertet werden müssen. Dadurch ergibt sich ein Meldeverzug von etwa fünf Wochen.
Aus diesem Grund veröffentlicht das Robert-Koch-Institut lediglich Schätzungen zur Zahl der hitzebedingten Todesfälle. Diese basieren auf statistischen Verfahren, die eine hitzebedingte Übersterblichkeit in der Bevölkerung berechnen. Hierfür vergleicht das RKI die Sterbefallzahlen der Sommermonate der Jahre 2016 bis 2025 mit den Sterbefallzahlen während aktueller Hitzeperioden und ermittelt so die zusätzliche Zahl der Todesfälle, die mit extremer Hitze in Zusammenhang steht.
Hitze verstärkt die Gefährdung durch Vorerkrankungen
Extreme Hitze kann bei einzelnen Menschen im Rahmen eines Hitzschlags unmittelbar zum Tod führen. Deutlich häufiger trägt sie jedoch dazu bei, dass insbesondere ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen oder andere vulnerable Gruppen an bestehenden Erkrankungen versterben, die durch die Hitzebelastung verschlimmert werden. Die überwiegende Mehrheit der Hitzetoten war über 65 Jahre alt. Die meisten Toten verzeichneten die Statistiker in der Gruppe über 85.
Die Politik in Deutschland wird vulnerable Bevölkerungsgruppen künftig besser vor extremer Hitze schützen müssen. Noch immer sind Pflegeheime und Krankenhäuser nicht flächendeckend mit Klimaanlagen oder anderen wirksamen Hitzeschutzmaßnahmen ausgestattet. Zudem reicht der Arbeitsschutz für viele Menschen, die im Freien oder unter hoher körperlicher Belastung arbeiten, häufig nicht aus. Auch Städte müssen sich besser auf zunehmende Hitzeperioden vorbereiten und geeignete Maßnahmen ergreifen, um deren gesundheitliche Folgen zu begrenzen. (ab) +++