Trump, Macht und Unterwerfung
"Wer sich benimmt wie ein Wurm, wird zertreten": USA-Experte warnt
Foto: Katholische Akademie Fulda
05.08.2026 / FULDA -
Unterwürfigkeit, Schutzgelderpressung und ein übersteigertes Ego im Weißen Haus: Der USA-Experte und Publizist Dr. Josef Braml hat bei einem Akademieabend in Fulda ein schonungsloses Bild der aktuellen Vereinigten Staaten gezeichnet. Rund 120 Zuhörer erlebten einen Vortrag, der weit über die Person Donald Trump hinausging - und zugleich als deutlicher Appell an Europa verstanden werden konnte, sich nicht länger auf alte Gewissheiten zu verlassen.
Die Veranstaltung der Katholischen Akademie Fulda fand in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung statt. Sie war Teil der Reihe "250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika - Demokratie, Macht und Gesellschaft".
"Ich versuche seit 30 Jahren, Amerika zu verstehen"
Akademiedirektor Gunter Geiger erinnerte zu Beginn daran, dass der Vortrag auf den 65. Geburtstag des früheren US-Präsidenten Barack Obama fiel. Anschließend stellte er Bramls beruflichen Weg vor.Der Politikwissenschaftler war unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, Congressional Fellow der American Political Science Association und legislativer Berater im US-Abgeordnetenhaus. Später arbeitete er als USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Heute ist er European Director der Trilateral Commission. In etwa einem Monat soll sein neues Buch "USA - Die narzistische Nation" erscheinen.
Warnung vor unterwürfigem Verhalten
Als Beispiel für das Verhältnis zwischen den USA und Europa verwies Braml auf eine Äußerung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte über Trumps Kritik an den europäischen Partnern: "Papa muss halt mal böse werden, wenn die Kinder auf dem Hof streiten."Braml stellte dem die Frage gegenüber, wie Europa reagieren müsse, wenn sich ein US-Präsident gegenüber Verbündeten wie ein Schutzgelderpresser verhalte. Gerade im Umgang mit einem Narzissten und "Big Ego" sei Unterwürfigkeit nach seiner Analyse die falsche Strategie. Seine Warnung formulierte er deutlich: "Wer sich benimmt wie ein Wurm, wird zertreten wie ein Wurm." Als Gegenbeispiel führte er den Zollstreit an. Nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz mit europäischen Gegenmaßnahmen gedroht habe, sei Trump zurückgerudert.
"Es geht ihm immer darum, der Gewinner zu sein"
Braml führte Trumps Verhalten auf dessen Kindheit und familiäre Prägung zurück. Fehlende Mutterliebe habe nach seiner Analyse Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl gehabt. Unsicherheit werde durch ein besonders großes Ego kompensiert. Trumps Vater habe von seinen Söhnen zudem Erfolg um jeden Preis verlangt - entweder Killer oder Verlierer. Der US-Präsident spreche häufig von Geschäften und Vereinbarungen. Dabei gehe es jedoch nicht um Kompromisse zwischen gleichberechtigten Partnern. "Es geht ihm immer darum, der Gewinner zu sein."Gefolgschaft aus Politik und Wirtschaft
Auch Trumps Umfeld nahm Braml in den Blick. Vizepräsident J. D. Vance habe sich vom Kritiker zum loyalen Gefolgsmann entwickelt. Trump selbst habe seine Entscheidung für Vance mit den Worten begründet: "Er küsst mir den Hintern." Dass auch Milliardäre wie Elon Musk den Präsidenten unterstützten, erklärte Braml knapp: "Sie wollen beim Sieger sein."Diese Denkweise wirke sich zugleich auf die internationale Politik aus. Die Vereinigten Staaten verstünden sich als führende Weltmacht, würden in dieser Position aber zunehmend von China herausgefordert. Konflikte mit Venezuela und dem Iran zielten nach Bramls Analyse vor allem auf die Volksrepublik, die insbesondere bei ihrer Energieversorgung verwundbar sei. Ob diese Strategie tatsächlich Erfolg habe, bleibe offen.
Appell an die Stärke Europas
Die Zuhörer erlebten einen kurzweiligen, aber zugleich düsteren Blick auf die Entwicklung der USA. Nach den Rückmeldungen aus dem Publikum wurde der Vortrag als Weckruf wahrgenommen - fernab von Wunschdenken und verbunden mit der Aufforderung, die bisherigen transatlantischen Gewissheiten kritisch zu hinterfragen.Im Mittelpunkt stand am Ende nicht allein Donald Trump. Vielmehr ging es um die Frage, wie Europa auf eine veränderte amerikanische Politik reagieren sollte. Bramls Antwort war eindeutig: nicht mit Unterwürfigkeit, sondern mit Selbstbewusstsein und dem Vertrauen in die eigene Stärke. (pm/cb) +++