Unsägliche Entgleisung
Pfarrer Abel rechtfertigt Attentat auf dem Berliner CSD als "Zeichen Gottes"
Pfarrer Abel hat sich mit seinem unsäglichen Leserbrief in der Fuldaer Zeitung selbst ins Abseits gestellt. Dabei geht es um den Anschlag auf dem CSD in Berlin.
Collage: O|N
01.08.2026 / FULDA/BERLIN -
Fast auf den Tag vor einem Jahr ist der in Fulda bekannte Winfried Abel, der bis 2014 Pfarrer von St. Andreas in Fulda-Neuenberg war, schon einmal mit einem homophoben Kommentar negativ aufgefallen. Seinen offenen Brief im Online-Magazin kath.net von damals hat er jetzt in der Freitagsausgabe der Fuldaer Zeitung mit einem unsäglichen Leserbrief noch weit übertroffen. Wie im Bild unten im Wortlaut nachzulesen, versteigt sich der 87-Jährige zu der Behauptung, das terroristische Attentat auf den Berliner Christopher-Street-Day, bei dem eine Frau ermordet und zahlreiche Teilnehmer schwer verletzt wurden, sei "ein Signal des Himmels und ein Aufruf zur Besinnung und Umkehr."
Abels unheiligen Zorn hat die schlichte Tatsache hervorgerufen, dass sein Glaubensbruder, der Berliner Erzbischof Heiner Koch, den brutalen islamistischen Anschlag in seiner Heimatstadt mitfühlend kommentierte: "Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest brutal zu zerstören!" Darüber, dass ein Bischof den CSD froh und bewegend nennt, empört sich Abel besonders, denn für ihn ist es "eine Parade der Schamlosigkeit und eine zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion". Des Weiteren befürchtet Pfarrer Abel, "die einst so prächtige, nun arg zusammengeschrumpfte Fronleichnamsprozession werde in Fulda künftig durch "die Parade halbnackter Leiber" verdrängt werden. Dann muss man in Abels kruder und unchristlicher Logik wohl auch hier mit den tödlichen "Zeichen Gottes" rechnen? Diese Argumentation ist zutiefst menschenverachtend und disqualifiziert den 87-Jährigen als Mensch und als Seelsorger.
Auch vor einem Jahr war der Anlass für die verbale Entgleisung des vermeintlichen Gottesmannes die Fuldaer Ausrichtung des CSD, die Abel jetzt noch mit der angeblich göttlichen Rechtfertigung des Berliner Attentats verschlimmert hat. Das Bistum Fulda hatte 2025 erstmals ein Grußwort an die Teilnehmer des Christopher-Street-Day in Fulda gerichtet, in dem Generalvikar Martin Stanke deutlich eine tolerante Haltung Homosexuellen gegenüber formuliert hatte: "Als Kirche sind wir dazu berufen, jedem Menschen in seiner Würde und Einzigartigkeit mit Achtung und Respekt zu begegnen." Die Katholische Kirche verstehe sich als Teil einer offenen und solidarischen Gesellschaft. "Wir wissen, dass die Geschichte unseres Umgangs mit queeren Menschen auch von Verletzungen geprägt ist. Umso mehr wollen wir heute Zeichen setzen für Wertschätzung, Dialog und Versöhnung. Allen, die am CSD teilnehmen, wünschen wir einen kraftvollen und friedlichen Tag – getragen von dem gemeinsamen Wunsch nach einer Welt, in der alle Menschen ihren Platz finden dürfen", so Dr. Stanke.
Warum die Fuldaer Zeitung die redaktionelle Entscheidung getroffen hat, den kompletten Hasskommentar von Pfarrer Abel abzudrucken, ist kaum nachvollziehbar. Immerhin findet Chefredakteur Tobias Farnung in seinem "Rückspiegel" in der Samstagsausgabe unter der Überschrift "Ein Pfarrer nimmt den Opfern ihre Würde" deutliche Worte für die "zutiefst verstörende Argumentation". (Carla Ihle-Becker) +++