202 Märkte vor Übernahme
Edeka-Deal mit Tegut wackelt: Kartellamt sieht massive Probleme
Archivfotos: O|N
31.07.2026 / REGION -
Der geplante Milliarden-Deal im deutschen Lebensmittelhandel gerät ins Wanken: Edeka will 202 Tegut-Märkte, sämtliche 41 Teo-Standorte, eine Bäckerei und ein Logistikzentrum übernehmen - doch das Bundeskartellamt sieht erhebliche Gefahren für den Wettbewerb. Besonders in Nord- und Osthessen könnte die Auswahl für Verbraucher deutlich schrumpfen. Die bisherigen Zugeständnisse von Edeka reichen den Wettbewerbshütern nicht aus.
Das Bundeskartellamt übermittelte den beteiligten Unternehmen am 27. Juli einen Entwurf seiner wettbewerblichen Bewertung, eine sogenannte Abmahnung. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen. Die vorläufige Einschätzung fällt für Edeka allerdings deutlich aus: In seiner derzeitigen Form wirft der Zusammenschluss erhebliche wettbewerbliche Bedenken auf.
202 Märkte und 41 Teo-Standorte betroffen
Edeka plant die Übernahme von 202 tegut-Lebensmittelmärkten. Hinzu kommen 41 automatisierte Teo-Verkaufsstellen, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum. Angemeldet wurde das Vorhaben am 23. März. Bereits am 21. April leitete das Bundeskartellamt wegen möglicher Wettbewerbsprobleme ein Hauptprüfverfahren ein.Probleme in 37 regionalen Märkten
Besonders kritisch bewertet das Kartellamt die Auswirkungen auf den lokalen Wettbewerb. Für Kunden entscheidet sich die Auswahl an Lebensmitteln vor allem im direkten Umfeld ihres Wohnortes. Die Behörde untersuchte deshalb die jeweiligen Einzugsgebiete der betroffenen Märkte. In 37 regionalen Markträumen könnte sich der Wettbewerb nach der Übernahme erheblich verschlechtern. Betroffen sind insbesondere Gebiete in Nord- und Osthessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg.Edeka und die weiteren Verfahrensbeteiligten können nun zu der Bewertung Stellung nehmen. Auch die Verhandlungen über mögliche weitere Zugeständnisse werden fortgesetzt.
Vier Konzerne erzielen mehr als 90 Prozent der Umsätze
Die Ermittlungen bestätigen zugleich die enorme Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Edeka, REWE, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie ALDI Nord und ALDI Süd erzielen zusammen inzwischen mehr als 90 Prozent der Umsätze. Allein diese starke Marktstellung reicht nach Einschätzung des Bundeskartellamtes allerdings nicht aus, um die Übernahme zu verbieten. Zukauf bei Lieferanten kaum spürbar
Neben der Situation für die Verbraucher prüfte das Kartellamt auch, welche Folgen der Zusammenschluss für Hersteller und Lieferanten hätte. Dafür wurden neun Produktgruppen genauer untersucht und rund 150 Unternehmen befragt. Edeka verfügt auf den Beschaffungsmärkten bereits über eine starke Position. Der Konzern kommt dort insbesondere bei Herstellermarken regelmäßig auf einen Anteil von rund 30 Prozent.Entscheidend bleiben damit die regionalen Auswirkungen auf die Einkaufsmöglichkeiten der Verbraucher. Das Bundeskartellamt will nun die Stellungnahmen der Beteiligten und den weiteren Verlauf der Zusagenverhandlungen abwarten. Spätestens bis zum Ende der verlängerten Prüffrist soll über die geplante Übernahme entschieden werden. (jk/Constantin von Butler/pm) +++