Glutnester, Wassermangel, steiles Gelände

Nach dem Großbrand: Wie gut sind unsere Feuerwehren vorbereitet?

Rund 160 Einsatzkräfte kämpften am Sonntagmittag gegen einen schweren Waldbrand in Osthessen.
Archivfotos: O|N/Hans-Hubertus Braune/Marvin Myketin

28.07.2026 / REGION - Flammen mitten im Wald, dichter Rauch und ein Großeinsatz für die Feuerwehren: Rund 160 Einsatzkräfte kämpften am Sonntagmittag gegen einen schweren Waldbrand in Osthessen. Etwa 10.000 Quadratmeter standen in einem nur schwer erreichbaren Gebiet in Flammen. Zwar gelang es den Helfern, die Ausbreitung schnell zu stoppen - doch der Einsatz wirft eine entscheidende Frage auf: Wie gut sind unsere Feuerwehren auf immer häufiger drohende Waldbrände vorbereitet?



Die Gefahr großer Waldbrände für Mensch und Umwelt wird angesichts der aktuellen Situation in Südfrankreich und Spanien einmal mehr deutlich. Nach dem schweren Waldbrand am Sonntagmittag in unmittelbarer Nähe des Herzbergfestivals ist das Thema auch in der Region verstärkt in den Fokus gerückt.

Feuerwehr bringt Brand schnell unter Kontrolle

In einem schwer zugänglichen Gebiet brannte eine Waldfläche in der Größe von rund anderthalb Fußballfeldern. Als besonders problematisch beschreibt Carsten Schmidt von der Feuerwehr Alsfeld die Lage des Brandortes. Wie der erste stellvertretende Stadtbrandinspektor auf Nachfrage von O|N mitteilt, befand sich der Einsatzort mitten im Wald und einige hundert Meter von befahrbaren Feldwegen entfernt.

"Wir hatten das Glück, dass aufgrund des Herzbergfestivals einige Straßen gesperrt waren. Die Platzanweiser des Festivals konnten uns auch die Lokalität des Brandes gut beschreiben, sodass wir relativ schnell vor Ort waren", so Schmidt.

Aufgrund der Größe des Brandes und der Ausbreitungsgefahr wurde schnell die Nachalarmierung zusätzlicher Einsatzkräfte veranlasst. Im Einsatz waren zwei Katastrophenlöschzüge und fünf Tanklöschfahrzeuge. Ein weiterer Katastrophenlöschzug stellte währenddessen den Grundschutz für die Stadt Alsfeld sicher.

Topografie und Wasserversorgung als Hauptprobleme

Die Topografie des Einsatzortes erschwerte die Löscharbeiten. "Das Gelände war schwer begehbar, weshalb häufiger ein Personaltausch stattfinden musste. Aufgrund des Geländes können wir nicht so lange am Stück im Einsatz sein", erklärt Schmidt. Auch die Wasserversorgung stellte die Einsatzkräfte vor Herausforderungen: "Für eine ausreichende Wasserversorgung sind die Löschfahrzeuge bis nach Alsfeld gefahren. Das THW hatte vor Ort einen Wasserumschlagplatz eingerichtet."

Die Ausbreitung des Feuers war dank der guten Arbeit der Einsatzkräfte bereits nach einer halben Stunde unter Kontrolle. Besonders aufwendig gestaltete sich die Nachbearbeitung der gelöschten Fläche, bei der vor allem Glutnester gefunden und abgelöscht werden mussten. Die Brandursache ist derzeit noch nicht bekannt, wie das Polizeipräsidium Osthessen auf Nachfrage mitteilt.

"Die Situation ist nicht mit Frankreich und Spanien vergleichbar"

Mit Blick auf die Situation in Europa gibt Schmidt Entwarnung. Waldbrände in diesem Ausmaß seien in unserer Region sehr unwahrscheinlich. "Wir haben eine ganz andere Vegetation als in den südlichen Ländern Europas. In Osthessen haben wir deutlich weniger Kieferbestände und mehr Mischwald." Mittlerweile sei man auch taktisch gut vorbereitet und bereite die Einsatzkräfte gezielt auf Situationen wie am Sonntagmittag vor.

"Es ist besonders wichtig, dass man das Feuer schnell einkesselt und über die Flanken angreift. Die eigentliche Vorgehensweise ist immer stark von der individuellen Situation abhängig. Aufgrund der Tatsache, dass nicht unmittelbar Menschenleben gefährdet waren, ging man taktisch anders vor als bei einem Wohnungsbrand", so Schmidt weiter.

Auch bei der Ausrüstung hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. "Unsere Löschfahrzeuge wurden in den letzten Jahren mit Waldbrandtragekörben ausgerüstet. Die Feuerwehr Mücke hat uns am Sonntag mit speziellen Werkzeugen zur Waldbrandbekämpfung unterstützt. Wir sind dabei, alle Einheiten mit der notwendigen Ausrüstung auszustatten", erklärt Schmidt. "Zusätzlich haben wir in Hessen auch die Möglichkeit, aus der Luft zu löschen. Das war in diesem Fall aber nicht notwendig." (kru) +++

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