Dem kleinen Ball nachgejagt
Go, go, go – Anfeuerungen am Fußballplatz
Fotos: Walter Dörr
25.07.2026 / SINNTAL -
Fußball ist des Bundesbürgers liebste Mannschaftssportart. Bei der kürzlich stattgefundenen Weltmeisterschaft wurde das – trotz des Desasters der deutschen Mannschaft – deutlich. Baseball hingegen ist in unseren Breiten fast nicht vertreten. In Weichersbach (Ortsteil von Sinntal, Main-Kinzig-Kreis) war das eine Woche lang anders. Dort, wo ansonsten die Mannschaften der Turn- und Spielvereinigung (TSV) Weichersbach ihre Heimspiele austragen, waren Baseball-Spielfelder markiert und vier Mannschaften (Reds, Ranger, White Sox, Orioles) trainierten hier eifrig.
Auch die Sprache war anders, denn anstatt Hochdeutsch oder Weischböcher Platt wurde Englisch gesprochen – genauer amerikanischer Slang. Lautstark, voller Energie erschallten die Anfeuerungen "go, go, go" vom Spielfeldrand und wenn ein Angreifer den weißen Ball (Durchmesser 7,4 cm, 141,5 Gramm leicht, Korkkern mit weißem Leder umgeben) mit seinem Schläger getroffen hat oder ein Mannschaftskollege eine lange Strecke über maximal vier Laufmale (Bases) zurücklegen konnte, kam auch prompt das Lob "Good Job, good Job".
Glaube und Sport
Die Freie evangelische Gemeinde Weichersbach (FeG) veranstaltete das mehr als Sport-Event "Baseball- & Cheerleading-Camp". Eine Woche voller Fröhlichkeit, Sport, Gemeinschaft und internationaler Begegnung für Teens und Jugendliche. Für dieses Projekt ist extra eine Gruppe von 30 Texanern aus Dallas (drittgrößte Stadt des Bundesstaates im Süden der USA) über den großen Teich nach Weichersbach gekommen. Über den Bund Freier evangelischer Gemeinden und das internationale Netzwerk der Freien Kirchen war der Kontakt zustande gekommen.Vier Texaner machten eine Vortour und waren von dem Sinntaler Ortsteil und der Region gleich begeistert. "Die Texaner lieben Berge und alte Häuser," erklärte Frank Dörpfeld, begleitender Seelsorger (ICL) in der Gemeinde, Organisator - und auch Ortsvorsteher in Weichersbach. Die 30 Amerikaner unter Leitung von Marc Tolson waren privat in elf Gastfamilien untergebracht. Das Campprogramm begann jeweils um 13 Uhr.
Zwei Frühstücksteams sorgten morgens für die gemeinsame Stärkung im Gemeindehaus in der Schulwaldstraße 17. So konnten sich die Jugendlichen in geselliger Runde näher kennenlernen. Bei den sportlichen Aktivitäten ließen es die professionellen Trainer locker angehen, denn schließlich waren die örtlichen Protagonisten Anfänger. Aber von Tag zu Tag nahmen die Treffer (Erfolgserlebnisse) zu. Am Ende der Camp-Woche konnten sogar fliegende Bälle gefangen und "verpunktet" werden.
Die Ausstattung des Sportplatzes wie Schutztore erfolgte in Zusammenarbeit mit "SRS", der christlichen Non-Profit-Sportorganisation von Felix Nmecha. Gegründet 1971 vom bekannten Profi-Fußballer (Manchester City, VFL Wolfsburg, Borussia Dortmund) ist die SRS seit 1985 ein eingetragener Verein im Sportbund Rheinland mit Sitz in Altenkirchen/Westerwald. Die Verbindung des Wortes Gottes mit dem Sport und mit dem praktizierenden Glauben eckte Nmecha in seiner Laufbahn an.
Die Freie evangelische Gemeinde Weichersbach gibt es bereits seit 1886. In dieser Zeit entstanden in Dörfern im Sinntal, in Schlüchtern und in der Rhön christliche Hausversammlungen. 1934 schloss sich die Weichersbacher Gemeinde dem Bund Freier evangelischer Gemeinden (FEG) an. Seit September 2025 ist Simeon Kloft Pastor in Weichersbach. Christliche Impulse und sportliche Aktivitäten prägten das Camp. Bei Motto- und Familienabenden lernte man sich kennen und die Kultur der texanischen Gäste. Kulinarisch verwöhnten sie die Sinntaler bei einem Texasabend. Am Mittwoch war ein Ausflugstag mit Ziel Heidelberg. Kulinarisch gewünscht war echt deutsches Essen: Haxe mit Kraut.
Baseball und Cheerleader
Neben den Baseball-Aktivitäten übten Cheerleader-Mädchen während der Camptage Choreografien ein. Die ursprüngliche Aufgabe der Cheerleader bestand seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika darin, bei Sportveranstaltungen – wie Football - die eigene Mannschaft anzufeuern und die Stimmung im Publikum einzuheizen.Heute gibt es Cheerleading auch als Wettkampfsport. In Weichersbach puschelten die Mädchen mit den Pompons nach heißen Rockrhythmen ("We will rock you" von Queen) und schrien lautstark Anfeuerungsrufe. Übrigens: Für einen Weichersbacher Baseball-Spieler stand nicht das Sportliche im Vordergrund. Er wollte vielmehr die Sprache beim Wettkampf live erleben – auch ein gelungenes Erlebnis. (Walter Dörr) +++