Bilder von Marvin Myketin
Pianale-Konzert am Frauenberg: Ein musikerfülltes Haus
Fotos: Marvin Myketin
26.07.2026 / FULDA -
Das Refektorium im Franziskanerkloster am Frauenberg ist ein besonderer Ort für ein Konzert. Nur etwa 80 bis 100 Menschen finden hier Platz, der Abstand zwischen Künstlern und Publikum ist denkbar gering.
In dieser intimen Atmosphäre begrüßte Pater Cornelius Bohl als Guardian und Hausherr die Besucherinnen und Besucher zum dritten Konzert der Pianale.
Ein Konzert ist kein Vorspielen
Der Frauenberg werde während der Pianale zu einem "musikerfüllten Haus", sagte Pater Cornelius in seiner Begrüßung. Uta Weyand-Schäfer, Gründerin der Pianale, bestätigte schmunzelnd: "Danke, dass Sie uns und so viel Musik ertragen, denn wir spielen wirklich von morgens bis abends."Haydn in Moll und Bartóks Fantasie
Joseph Haydn (1732–1809) wird häufig mit dem Etikett "heiter" versehen – nicht immer als Kompliment. Sein spielerischer, lebensfroher Stil und die große Unmittelbarkeit seiner Musik haben dieses Bild geprägt. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Haydn natürlich auch in den dunkleren Klangfarben komponierte. Von seinen knapp 60 Klaviersonaten stehen allerdings nur vier in einer Molltonart.
Klassische Welthits
Wer sich in einem Wettbewerb an Werke wagt, die vermutlich viele Zuhörerinnen und Zuhörer auswendig kennen, braucht Selbstvertrauen – und muss technisch wie interpretatorisch Außergewöhnliches leisten. Der Amerikaner Jacob Wang (26) hatte sich mit Frédéric Chopins Barcarolle in Fis-Dur op. 60 eines der großen Spätwerke des Komponisten ausgesucht. Dieses 1845/46 entstandene Werk verbindet romantische Schönheit mit tiefer Melancholie. Das Klavier muss hier förmlich singen – und genau das gelang Wang in beeindruckender Weise.Noveletten und Estampes
Komponisten sind manchmal äußerst erfinderisch bei der Benennung ihrer Werke. Zwei Beispiele dafür hörten wir im Konzert. Der Engländer Cameron Liu (15) entschied sich für Robert Schumanns "Novelette Nr. 1" aus den Noveletten op. 21 (1838). Dass der Zyklus diesen Titel trägt, geht auf Schumanns Verehrung der englischen Sopranistin Clara Novello zurück. Seiner Braut Clara Wieck schrieb er augenzwinkernd, "Wiecketten" hätte einfach nicht gut genug geklungen. Zugleich spielt der Titel natürlich auf die literarische Novelle an – und genau das wollte Schumann: kleine musikalische Erzählungen voller Charakter und Fantasie.Liu ergänzte sein Programm mit zwei Stücken aus Sergej Rachmaninoffs Études-tableaux op. 33 – musikalischen Miniaturen, die keine konkreten Geschichten erzählen, sondern innere Bilder entstehen lassen. Eine klug zusammengestellte und ausgesprochen charmant vorgetragene Kombination.
Wer ein Konzert mit dem Gedanken verlässt: "Schade, dass es schon vorbei ist", der hat vermutlich einen besonders gelungenen Nachmittag erlebt. Genau dieses Gefühl stellte sich nach dem Pianale-Konzert am Frauenberg ein, und die jungen Künstlerinnen und Künstler wurden mit viel Beifall verabschiedet. (Jutta Hamberger) +++