Tradition statt Fließbandarbeit
Schluss nach 40 Jahren: Bäckerei Möller blickt auf bewegte Zeiten zurück
Fotos: Carina Jirsch
31.07.2026 / NEUHOF -
Es sind nicht die großen Ketten und Franchises, die den Menschen besonders am Herzen liegen und mit ihrer sympathischen und nahbaren Art bestechen, sondern die kleinen Betriebe, die über Jahre hinweg ihr Herzblut in ihr Handwerk stecken. Eines dieser Unternehmen ist die Bäckerei Möller aus Neuhof-Hauswurz (Landkreis Fulda).
Für Inhaber und Bäckermeister Klaus Möller ist nach nun 40 Jahren Ende des Jahres Schluss. Wir haben mit ihm und seiner Ehefrau Ute vor Ort darüber gesprochen, wie sie Bäcker geworden sind und sich selbstständig gemacht haben.
Am Anfang steht auch ein bisschen Naivität
Nicht jeder kann im Jahr 2026 von sich behaupten, sich mit Anfang 20 schon selbstständig zu machen - die Zeiten haben sich geändert. 1986 war die Welt allerdings noch eine andere, wie Klaus Möller berichtet. "Damals war ich 23 und sie war 21 und da haben wir uns selbstständig gemacht. Das ist schon ein starkes Stück, aber ein bisschen Naivität gehört einfach dazu in der Selbstständigkeit", erklärte der Bäckermeister im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch. Das habe den Vorteil, dass man unerschrockener an eine große Aufgabe herangehe. "Man muss nicht immer zu vorbereitet sein - das meiste ergibt sich im Tagesgeschäft und man lernt, worauf es ankommt."
Aufschwung nach der Wende mit echter Handwerkskunst
Als der Bäckereibetrieb Möller 1991 schon fünf Jahre lang existierte, profitierte er in dieser Zeit vor allem von der Wiedervereinigung. "Damals gab es eine Art Aufbruchstimmung und ich würde sagen, bis der Euro kam, waren das so die besten Jahre", berichtete er. Ab da etablierte sich der Bäcker in der Region und bildete Jahr für Jahr neue Bäckerlehrlinge aus. "Drei meiner Lehrlinge wurden sogar als beste Bäcker des Landes prämiert - das haben im Landkreis Fulda nur ganz wenige geschafft", erklärte er stolz. Seine Mitarbeiterin und ehemalige Auszubildende Vanessa macht derzeit ihren Meister und wurde auch zur Landessiegerin gekürt. Letzte Ausfahrt mit dem Bäckerauto am 1. August
Bevor sich zum Jahresende das Bäcker-Paar in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, endet noch eine weitere Ära schon früher - nämlich im August. Am Sonntag, dem 1. August, dreht das Möller-Bäckerauto seine letzte Runde, bevor es verkauft wird. Wo früher das Ausfahren von Backwaren noch das Hauptgeschäft war, wird dabei heute eher eine Nische bedient. Dennoch seien vor allem die Menschen, die regelmäßig die fahrende Bäckerei besuchen, stets sehr treue Kunden. Leider scheinen die kleinen Handwerksbetriebe immer weiter auszusterben. Es wird immer schwieriger, einen Betrieb zu übernehmen. Die Kosten steigen an allen Ecken und große Unternehmen unterbieten die kleinen Bäckereien mit ihren Preisen. "Doch das Personal, das wir noch haben, ist wirklich sehr treu", betonte Klaus Möller gegen Ende und blickt auf bewegte 40 Jahre Selbstständigkeit zurück. Nach der Schließung heißt es für ihn und seine Frau - raus in die Welt mit dem Camper und insbesondere ganz viel Zeit mit den Enkelkindern verbringen. (pg) +++